Politik

Multimillionär Friedrich Merz: Kriegskanzler der Geldaristokratie

... und nützlicher Handlanger des US-Imperiums

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Foto: Steffen Prößdorf; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz
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Geschätzte Leserinnen und Leser, bitte aufgemerkt: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Doch, doch, das steht immer noch im Grundgesetz.1 Sogar zweimal.2 Der Fachbegriff dazu: „Sozialstaatsklausel“. Sie verpflichtet den Staat, seinen Bürgern eine sichere Lebensgrundlage zu bieten. Haben wir das drauf? Schön, und jetzt die Musik dazu: Den reichsten 5 Prozent der Deutschen, 256 (Multi-)Milliardären 3 und knapp drei Millionen (Multi-) Millionären, gehören 48 Prozent des gesamten Volksvermögens.4 Andererseits fristen im Land der Dichter und Denker 13 Millionen Menschen ihr Dasein unterhalb der Armutsgrenze.5 15,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Wir haben dreimal mehr arme Schlucker als reiche Schnösel. Was fällt uns dazu ein? Ach ja: Das Privatvermögen unseres Kanzlers wird vorsichtig auf 12 Millionen Euro geschätzt.6 Nix Genaues weiß man nicht. Eine Offenlegungspflicht für Regierungspolitiker gibt es sogar in den USA, aber nicht in Deutschland.

Bei seinem Amtsantritt legte der Bundeskanzler den im Grundgesetz vorformulierten Eid ab: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“7

Bedauerlicherweise ist „Amtsmeineid“ nicht strafbar. Dass Merz, anstatt dem Wohle des deutschen Volks zu dienen, eher dessen wirtschaftlichen und sozialen Niedergang organisiert und nur den Nutzen von seinesgleichen mehrt, bleibt für ihn juristisch folgenlos. Gewählt ist gewählt; warum sollten deutsche Formaldemokratie-Opfer klüger sein als US-amerikanische, die sich einen Milliardär Trump an die Backe holten?

Für unsereinen muss es Ehrensache sein, ein gegebenes Versprechen zu halten. Für Politiker und deren Wahlversprechen gilt das nur sehr bedingt. Für Merz und seine Regierungskumpanei gar nicht. Er verstößt mit seinem krankhaften, aber zugkräftigen Russenhass („Putinklatsche“) und blinden Philo-Zionismus gegen die grundgesetzliche Pflicht, dem Frieden und der Völkerverständigung zu dienen.8 Für ihn gilt offenkundig: „Krieg ist kein Fehler. Er ist ein Geschäftsmodell.“9 Drum können er und seine mitregierende Sippschaft auch Milliarden Euro Steuergelder dafür ausgeben, dass ukrainische und russische Städte in Schutt und Asche bombardiert werden, während seine Leute hierzulande dabei versagen, die kaputten Schulklos reparieren zu lassen. Dass sie fähig und willens wären, die Kinder- und Altersarmut in Deutschland zu beseitigen, wagt man eh nicht mal zu träumen.

Schauen wir uns das an: Kaum im Amt, sicherte Merz dem autoritären und korrupten Regime10 der Ukraine fünf weitere Milliarden Euro für Militärhilfe zu.11 Zugleich kassierte er sein Wahlversprechen, die hohe Stromsteuer für Privathaushalte zu senken. Die ebenfalls versprochene Erhöhung der Mütterrente schob er auf die lange Bank. Er nahm lieber den Kampf gegen die Armen auf statt gegen die Armut. Erwartungsgemäß unter dem Beifall der Systemmedien.12

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Theoretisch, laut Grundgesetz.13 In der Praxis führt das Berliner Regime nicht etwa eine Vermögensabgabe ein, sondern tauft lieber das Bürgergeld in „Grundsicherung“ um und stellt die Bedürftigen unter Kuratel: Mitleidlos wird sanktioniert, Kleinstersparnisse werden abgepresst und Mindestansprüche an menschengerechtes Wohnen abgesenkt.14 Statt einer Anpassung an die inflationäre Preissteigerung bei den Lebenshaltungskosten gibt es in der Grundsicherung eine Nullrunde.15 Die SPD- Koalitionsminister Bärbel Bas und Lars Klingbeil tarnen diese asoziale Politik unter Selbstgerechtigkeitsschleim: „Wir helfen auf dem Weg in Arbeit, aber dafür muss man mitmachen. Alles andere ist unfair gegenüber denjenigen, die jeden Morgen aufstehen.“16

Hoch mit euch, ihr faulen Säcke! Madame Bas weiß schließlich, womit man hierzulande Karrierepunkte macht. Sie steht ja
auch jeden Morgen auf und bezieht jährlich 265.000 Euro17, aus Steuermitteln. Ob auskömmliche Arbeitsangebote überhaupt verfügbar sind, muss sie keinen Jobcenter-Bürokraten mehr fragen. Anders als die von ihr so verächtlich kujonierten Bedürftigen. Die nämlich dürfen zuschauen, wo sie angesichts des seit drei Jahren abnehmenden Bruttoinlandprodukts (zuletzt minus 0,3 und 0,5 Prozent)18 sowie zunehmender Arbeitslosigkeit (offiziell zugegebene Quote 6,3 Prozent) bleiben.

Den Zusammenhang zwischen kostspielig kriegstüchtiger Außenpolitik, russenfeindlicher, uns selbst schädigender Sanktionspolitik und den angeblich unvermeidlichen sozialen Kürzungen berücksichtigt Madame Bas sowieso nicht. Sie behauptet lieber frech, die Sanktionierung der Bedürftigen sei ein erprobtes Mittel, Menschen in Arbeit zu bringen. Blödsinn: Im Jahr 2011 gab es 1,99 Millionen erwerbsfähige arbeitslose Hartz-IV-Empfänger, drei Prozent davon wurden sanktioniert. Im vorigen Jahr hatten wir 1,8 Millionen Bürgergeldbezieher, davon 0,8 Prozent unter Sanktionen.19 Strafmaßnahmen gegen Betroffene senken die Arbeitslosigkeit um keinen Deut. Jeder halbwegs Nachdenkliche kann das begreifen.

Die Politiker-Lügen über Notwendigkeit und Sinn der Zwangsmaßnahmen gegen Arbeitslose dienen vielmehr dem System- erhalt und blocken die Frage ab, wie es nur dazu kommen konnte, dass das reichste ein Prozent der Deutschen über 35 Prozent des privaten Geldvermögens verfügt, über 3,1 Billionen (3.100.000.000.000!) Euro. Diese Zahl basiert auf dem jüngsten Bundesbankbericht über das private Geldvermögen: 9.001 Billionen Euro 20 (ohne Immobilien, Anlagen und Pretiosen).

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FRIEDHELM KLINKHAMMER, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 bis 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.

VOLKER BRÄUTIGAM, Jahrgang 1941. Zunächst Tageszeitungs-Redakteur. 1975 bis 1996 Mitarbeiter des NDR, erst in der Tagesschau, von 1992 an in der Kulturredaktion für N3. 1996 Lehrauftrag an der Fu-Jen-Universität in Taipeh. Seit 2001 freier Autor.

1 www.gesetze-im-internet.de/gg/art_20.html
2 www.gesetze-im-internet.de/gg/art_28.html
3 www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ihnen-gehoren-116-billionen-euro-zahl-der-
milliardare-in-deutschland-steigt-offenbar-auf-rekordhoch-14509952.html
4 www.youtube.com/watch?app=desktop&v=YfJwgq7ZrFg&t=24s; www.sparkasse.de/ pk/ratgeber/finanzplanung/finanzen-und-haushalt/millionaere-in-deutschland.html
5 www.upday.com/de/news/5-millionen-deutsche-konnen-sich-grundlegendes- nicht-leisten/32g1cwv
6 https://faktastisch.de/finanzen/friedrich-merz-privatvermoegen
7 www.gesetze-im-internet.de/gg/art_56.html
8 www.friedenskooperative.de/friedensforum/artikel/den-friedensauftrag-aus-art- 26-gg-endlich
9 https://x.com/nxt888/status/1937017090386641027
10 www.deutschlandfunk.de/ukraine-korruption-selenskyi-100.html 11 www.youtube.com/watch?v=vdjMar4eDjc
12 www.sueddeutsche.de/meinung/buergergeld-baerbel-bas-reform-
quadratmeterdeckel-kommentar-li.3324762?reduced=true
13 www.gesetze-im-internet.de/gg/art_14.html
14 www. jacobin.de/artikel/grundsicherung-buergergeld-hartz-iv-
koalitionsausschuss-baerbel-bas-friedrich-merz

15 www.deutschlandfunk.de/bas-kuendigt-nullrunde-beim-buergergeld-und- haertere-sanktionen-an-100.html
16 www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bas-buergergeld-nullrunde-100.html
17 www.baerbelbas.de/images/downloadfiles/steuerbescheide/steuerbescheid_2023.
pdf
18 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/164923/umfrage/prognose-zur-
entwicklung-des-bip-in-deutschland/
19 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1396/umfrage/leistungsempfaenger-
20 www.bundesbank.de/de/presse/pressenotizen/geldvermoegensbildung-und- aussenfinanzierung-in-deutschland-im-dritten-quartal-2024-945458

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