Weltpolitik

Blutbefleckte Lichtgestalt: Der vom Westen unterstützte Präsident der Elfenbeinküste hat ein Imageproblem

Von REDAKTION, 6. April 2011 –

Je länger der blutige Konflikt an der westafrikanischen Elfenbeinküste dauert, desto deutlicher kommen auch in der Mainstreampresse Stimmen zu Wort, die das Saubermann-Image des vom Westen gehätschelten und im eigenen Land aber höchst umstrittenen Präsidentschaftswahlsiegers Alassane Outtaras in Zweifel ziehen.

„Alassane Ouattaras weiße Weste ist beschmutzt“ (1), kommentierte die Frankfurter Rundschau etwa ein von Outtaras Unterstützern verübtes Massaker an bis zu 1.000 Menschen. Im westlichen Ausland hatte Ouattara, auch Ado genannt, noch bis vor kurzem als reine Lichtgestalt gegolten, weil er, im Unterschied zu seinem Konkurrenten  Laurent Gbagbo, vor allem französische und US-Wirtschaftsinteressen vor Ort zu verfolgen schien.

Der  Schweizer Tages-Anzeiger berichtete: „Der in den USA ausgebildete Ökonom und Basketball-Fan ist mit der Französin Dominique Nouvian Folleroux verheiratet: Ihre Hochzeit 1990 wurde vom damaligen Bürgermeister von Neuilly, Nicolas Sarkozy, gestiftet. Wird Ado im Westen als hart arbeitender Technokrat gepriesen, so werfen ihm Gbagbos Anhänger vor, die Elfenbeinküste westlichen Interessen auszuliefern: Die Umtriebe seiner Makler-Frau und seine Unterstützung der verheerenden, vom Westen diktierten Strukturanpassungsprogramme ließen Schlimmstes ahnen, sagen sie.“ (2)

Für ARD-Korrespondent Peter Schreiber ist klar: „Ouattara ist kein Saubermann. Er war schon einmal Ministerpräsident, er war auch im Exil und er war Oppositionspolitiker. Auch er hat dunkle Flecken auf seiner Weste. Zum Beispiel das Massaker Anfang vergangener Woche: Die Stadt Duékoué war von Gbagbos Truppen gehalten worden. Als diese abgezogen waren, kamen Soldaten, die mit Ouattara verbündet sind. Sie rächten sich dafür, dass vorher Leute erschossen und Häuser geplündert worden waren. Da wurde regelrecht Massaker mit Massaker vergolten. Mit verantwortlich sind auch die Truppen von Ouattara, das sagen die UNO und das Rote Kreuz.“ (3) Anfang der Neunzigerjahre hat der Politiker laut Tages-Anzeiger dem Autokraten Félix Houphouët-Boigny als Premier gedient und soll in dieser Zeit an der blutigen Unterdrückung der oppositionellen Proteste höchstpersönlich beteiligt gewesen sein.(4)  

Mittwochnachmittag war noch kein Ende des Blutvergießens abzusehen. Nahe dem Präsidentenpalast in Abidjan waren erneut Schüsse zu hören. Dort hat sich Laurent Gbagbo mit seinen verbliebenen Anhängern verschanzt. Gespräche über eine Aufgabe Gbagbos sind nach Angaben aus Verhandlungskreisen wohl gescheitert. Der Präsidentenpalast ist von Ouattaras Einheiten umzingelt. Ouattara ist international als Staatschef anerkannt. Gbagbo weigert sich aber seit Ende November, die Macht zu übergeben. Er vermutet Manipulationen hinter dem knappen Sieg seines Gegners. Es sei unglaublich, dass das Schicksal eines Landes bei „einer Pokerpartie ausländischer Mächte“ ausgetragen würde, sagte Gbagbo dem französischen Nachrichtensender LCI. Er habe für Verhandlungen gebetet. Die ausländischen Mächte im Lande würden das Kräfteverhältnis jedoch zugunsten von Ouattara verschieben, so dass dieser Verhandlungen ablehne.

Die Regierung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, die eine große Anzahl von Truppen bereits im Land agieren lässt, hat deutlich klargemacht, dass sie Gbago mit militärischer Gewalt aus dem Amt zu entfernen gedenkt. Am Mittwoch hatte ein  hochrangiges Mitglied des französischen Geheimdienstes dem Enthüllungsblatt Le Canard enchaîné mitgeteilt, dass der französische Geheimdienst die Militäroffensive Ouattaras  jetzt schon massiv unterstützt. „Wir haben den Soldaten Ouattaras Ratschläge zur Taktik gegeben, aber auch Munition und Sturmgewehre vom Typ Famas geliefert“. Der Durchmarsch bis nach Abidjan sei gut organisiert gewesen, wurde ein weiterer französischer Militär zitiert. Frankreich hat mittlerweile etwa 1.700 Soldaten in dem westafrikanischen Land. Die „Operation Einhorn“, die zuletzt 900 Mann umfasste, sei vor allem durch Spezialkräfte aufgestockt worden, berichtete der Canard. Ouattaras Anhänger hatten innerhalb von knapp vier Tagen weite Teile des Landes eingenommen. Erst in der Wirtschaftsmetropole Abidjan stießen sie auf massiven Widerstand der Anhänger des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo.

Der Direktor des Giga-Instituts für Afrika-Studien, Andreas Mehler, hält der Internationalen Gemeinschaft vor, den Konflikt zwischen den Anhängern Gbagbos und Outtaras nach dem äußerst knappen Wahlausgang nicht entschärft, sondern geradezu angeheizt zu haben. „Die Ergebnisse waren relativ knapp. Das Land ist gespalten in ein Gbagbo- und ein Ouattara-Lager, und wir gehen davon aus, dass die Wahl von Ouattara gewonnen wurde. Allerdings hätte man auch Ouattara, der kein vorbildlicher Demokrat ist, zur Mäßigung auffordern müssen. Stattdessen hat die internationale Gemeinschaft alle Register der Sanktionen gezogen und Gbagbo in die Enge gedrängt.“ (5)


(1) http://www.fr-online.de/politik/meinung/schatten-auf-ouattara/-/1472602/8295546/-/index.html
(2) http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Tote-saeumen-seinen-Weg-an-die-Macht/story/13527689
(3) http://www.tagesschau.de/ausland/elfenbeinkueste286.html
(4) http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Tote-saeumen-seinen-Weg-an-die-Macht/story/13527689
(5) http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0406/politik/0018/index.html

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