Weltpolitik

Drohung gegen Iran

Von PAUL CRAIG ROBERTS, 7. August 2009 –

Als Japan Pearl Harbor angriff, hatte Japan nicht zuvor jahrelang seine Sache in der Öffentlichkeit vorgetragen und auch seine vorbereitenden Truppenbewegungen nicht demonstrativ publik gemacht.* Japan machte es nicht zu einer die ganze Welt betreffenden Angelegenheit, dass die USA den Japanern ihre Rolle im Pazifik streitig machten, indem sie dem Land den Zugang zu Rohstoffen und Energieversorgung verwehrten.

Ebenso bereitete Hitler seinen Angriff auf die Sowjetunion nicht mit endlosen Drohungen und öffentlichen Anklagen vor, in denen er England die Schuld an diesem Krieg gab.

Diese Ereignisse nahmen ihren Lauf vor der Ära psychologischer Kriegführung mittels PSYOPS (psychologische Operationen). Heutzutage werden Amerikas und Israels Kriege über Jahre hinweg mit Propaganda und mit Treffen auf internationaler Ebene vorbereitet, damit zum Zeitpunkt des tatsächlichen Angriffs das Ganze ein erwartetes Ereignis ist und kein ungeheuerlicher Überfall mit dem Charakter nackter Aggression.

Die USA, die dem Iran seit Jahren mit einem Angriff drohen, haben den Job an Israel weitergegeben. Im Laufe der dritten Juliwoche gaben der amerikanische Präsident und die Außenministerin Israels das Okay, die Vorbereitungen voranzutreiben. Israel verkündete öffentlich, dass seine Kriegsschiffe (darunter drei von Deutschland gelieferte U-Boote der Delphinklasse, A.d.Ü.) durch den Suez-Kanal in Richtung Iran unterwegs sind. Das „muslimische“ Ägypten spielt mit und hat nichts dagegen einzuwenden, dass Israels Seestreitmacht auf dem Weg zu einem Kriegsverbrechen nach den Standards von Nürnberg ist, die die USA einst für alle Welt verbindlich gemacht haben.

Wenn der Angriff schließlich stattfindet, wird er ein alter Hut sein, ein erwartetes Ereignis – und darüber hinaus ein Ereignis, das nach der jahrelangen Propaganda über die Niedertracht des Irans gerechtfertigt erscheint.

Israels Absicht ist es, den Nahen Osten zu dominieren. Israel möchte ganz Palästina und den südlichen Libanon „Groß-Israel“ (Eretz Israel) einverleiben. Die USA möchten die gesamte Welt dominieren und dabei entscheiden, wer welche Länder regiert, und so den Fluss der Rohstoffe kontrollieren.

Es ist wahrscheinlich, dass die USA und Israel dabei Erfolg haben, weil sie effektive PSYOPS durchführen. Zum größten Teil folgen die Medien der Welt den US-Medien, die wiederum den Vorgaben der Regierungen der USA und Israels folgen. Tatsächlich sind die amerikanischen Medien Teil der PSYOPS beider Länder.

Wie Thierry Meyssan (vgl. auch die Artikel in Hintergrund, Anm. Redaktion) in der Schweizer Zeitung Zeit-Fragen schreibt, nutzte die CIA SMS-Textnachrichten und Twitters, um Desinformation über die Wahlen im Iran zu verbreiten, darunter der falsche Bericht, dass der Wächterrat Mussawi informiert habe, er hätte die Wahlen gewonnen. Als die tatsächlichen Ergebnisse verkündet wurden, erschien die Wiederwahl Ahmadinedschads als Wahlbetrug.

Iran wird seinem Schicksal begegnen. Eine plausible Hypothese, die nähere Betrachtung verdient, ist die Frage, ob die Iraner Rafsandschani und Mussawi sich mit Washington verbündet haben, um die Macht im Iran zu gewinnen. Beide haben den Wettbewerb um die Regierungsmacht im Iran verloren. Aber beide sind egoistisch und ehrgeizig. Die iranische Revolution bedeutet wahrscheinlich für beide nichts weiter, als dass sie eine Gelegenheit darstellte, persönliche Macht zu erlangen. Der Westen kontrolliert den Nahen Osten seit jeher, indem er die Politiker, die die Macht verloren, einkauft und sie dabei unterstützt, die unabhängige Regierung zu stürzen. Das können wir heute auch im Sudan beobachten.

Im Falle des Iran gibt es einen weiteren Faktor, der Rafsandschani auf eine Linie mit Washington bringen könnte. Ahmadinedschad attackierte den früheren Präsidenten Rafsandschani, eine der reichsten Persönlichkeiten des Iran, er sei korrupt. Wenn Rafsandschani sich durch diese Angriffe bedroht fühlt, bleibt ihm wenig anderes übrig, als die bestehende Regierung zu stürzen. Das macht ihn zum perfekten Mann für Washington.

Vielleicht gibt es eine bessere Erklärung dafür, dass Rafsandschani und Mussawi, zwei hochrangige Mitglieder der iranischen Elite, sich entschieden, auf den Vorwürfen des Wahlbetrugs zu beharren, die Washington in die Hände spielen, da sie die Legitimität der iranischen Regierung in Frage stellen. Es kann nicht sein, dass das Präsidentenamt diesen Aufwand wert ist, da der iranische Präsident keineswegs mit weitreichender Entscheidungsmacht ausgestattet ist.

Ohne Rafsandschani und Mussawi hätten die US-Medien die iranischen Wahlen nicht als „gestohlen“ darstellen können. Diese Darstellung nutzte die US-Regierung, um die iranische Regierung weiter zu isolieren und diskreditieren und es so leichter zu machen, den Iran anzugreifen. Normalerweise helfen wohlpositionierte Mitglieder einer Elite nicht auswärtigen Feinden dabei, einen Angriff auf ihr Land vorzubereiten.

Ein israelischer Angriff auf Iran wird wahrscheinlich Vergeltungsschläge zur Folge haben, die Washington nutzen wird, um in den Konflikt einzusteigen. Haben die persönlichen Ambitionen Rafsandschanis und Mussawis und die naiven iranischen Demonstranten aus der Oberschicht den Iran reif für seine Zerstörung gemacht?

Sehen Sie sich eine Landkarte an und sie werden feststellen, dass der Iran von einem Dutzend Länder umgeben ist, die amerikanische Basen beherbergen. Wie kann irgend jemand im Iran bezweifeln, dass das Land auf dem Wege ist, ein weiterer Irak, ein weiteres Afghanistan oder Pakistan zu werden, das schließlich von Ölfirmen und einem amerikanischen Marionettenregime regiert werden wird.

Die Russen und Chinesen sind aufgrund erfolgreicher Interventionen der Amerikaner in ihren Einflusssphären aus dem Tritt geraten, haben Schwierigkeiten, die Bedrohung einzuschätzen und sind unsicher, welche Antwort sie geben sollen. Russland hätte den kommenden Angriff verhindern können, hat aber nach Druck aus Washington darauf verzichtet, die Raketensysteme zu liefern, die der Iran gekauft hatte.

China leidet unter seiner Selbstüberschätzung als aufsteigende Wirtschaftsmacht und ist dabei, seine Investitionen auf dem Energiesektor im Iran aufgrund der amerikanisch-israelischen Aggression zu verlieren. China finanziert Amerikas Angriffskriege mit seinen Anleihen, und Russland hilft den USA sogar dabei, einen Marionettenstaat in Afghanistan zu etablieren und das frühere unter sowjetischem Einfluss stehende Zentralasien unter die Hegemonie der USA zu bringen.

Die Welt ist derart impotent, dass selbst die bankrotten USA einen neuen Angriffskrieg beginnen können und ihn als ruhmreichen Akt der Befreiung im Namen der Rechte der Frauen, des Friedens und der Demokratie ausgeben können.

* Anmerkung Redaktion Hintergrund: Es gibt ausreichend Belege, dass die US-Regierung nicht von dem Angriff überrascht wurde. Laut den Dokumenten, die durch den Freedom of Information Act veröffentlicht werden mussten, hatten der britische und der US-amerikanische Geheimdienst im Vorfeld den geheimen diplomatischen Funkverkehr aus Japan abgehört und dechiffriert, der auch Informationen zu einem japanischen Überfall in Hawaii enthielt. Danach müssen die USA von dem geplanten Angriff Japans gewusst, ihre Marine aber nicht gewarnt haben. Vermutet wird, dass mit dem Angriff einer „Achsenmacht“ auf US-amerikanisches Territorium der Kriegseintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg „legitimiert“ werden sollte.


Der Artikel erschien im Original unter dem Titel „Threatening Iran “ bei Counterpunch am 20. Juli 2009.

Der Autor: Paul Craig Roberts war stellvertretender Finanzminister in der Regierung Reagan. Er ist Verfasser einer Vielzahl politischer Bücher und war Co-Redakteur der Meinungsseite des Wall Street Journal sowie Mitherausgeber der National Review.

Übersetzung: Hergen Matussik bei tlaxcala

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