Weltpolitik

Fast hunderttausend Japaner demonstrieren auf der Insel Okinawa gegen US-Militärbasen

Von REDAKTION, 27. April 2010 –

Am vergangenen Sonntag (25. April) versammelten sich Tausende Bewohner Okinawas, um ihren Widerstand gegen den Bau weiterer US-Militärbasen auf Okinawa zu demonstrieren.

„Mehr als ein Drittel der Menge trug gelbe Kleidungsstücke“, berichten David Allen und Chiyomi Sumida in der US-Zeitschrift Stars and Stripes.

okinawa demo
„No base anywhere“ war eine der Forderung der Demonstranten am vergangenen Sonntag.

„Die Veranstalter hatten die Teilnehmer darum gebeten, mit der Farbe Gelb die Forderung des Parlamentes der Präfektur Okinawa nach einer sofortigen Schließung des Flugplatzes Futenma der US-Marineinfanterie und dem Abzug der dort stationierten Hubschrauber-Einheit von Okinawa zu unterstreichen. Die Veranstalter hatten diese Farbe gewählt, weil sie an die Gelbe Karte der Fußballschiedsrichter erinnert.

Die Versammlung war für 3 Uhr nachmittags angesetzt, und noch zwei Stunden später standen Busse, die zum Veranstaltungsort wollten auf der Autobahn 58 Stoßstange an Stoßstange. Die Veranstalter schätzten die Zahl der Teilnehmer auf 90.000. Die Polizei Okinawas machte keine Zahlenangaben.

Die Sonntags-Demonstration wurde vom gesamten politischen Spektrum auf Okinawa getragen. Gouverneur Hirokazu Nakaima, ein Unabhängiger, der bei der letzten Wahl von der konservativen Liberal-Demokratischen Partei / LDP unterstützt wurde, war ebenso anwesend, wie Mitglieder eher links gerichteter Parteien – darunter auch Vertreter der Demokratischen Partei des amtierenden japanischen Premierministers Yukio Hatoyama.

Zum ersten Mal nahmen auch Mitglieder der LDP – die vor dem Sieg Hatoyamas mehr als 50 Jahre regiert hatte – an einer Protestveranstaltung gegen die US-Basen auf Okinawa teil.

Sofort nach seinem Amtsantritt im September 2009 hatte Hatoyama eine Überprüfung der 2006 mit den Vereinigten Staaten getroffenen Vereinbarung veranlasst, die eine Schließung des Flugplatzes Futenma und die Errichtung eines neuen Flugplatzes für die Marineinfanterie in der beim Camp Schwab gelegen Oura-Bucht vorsah. Die ministerielle Kommission, die den Plan überprüfte, verwarf ihn, und Hatoyama sucht noch nach Alternativen.

Er hat versprochen, bis Ende Mai einen neuen Plan vorzulegen, der von den Bewohnern Okinawas, von den US-Streitkräften und von dem neuen Ort akzeptiert wird, den er für den Flugplatz der Marineinfanterie auswählt.

Die Veranstaltung am Sonntag war die größte Demonstration auf Okinawa, seit die Insel im Jahr 1972 nach 27-jähriger US-Besetzung wieder an Japan zurückgegeben wurde.

Sie übertraf sogar die Großkundgebung, die 1995 in Ginowan stattfand, bei der 58.000 Menschen gegen die Entführung und Vergewaltigung eines 12-jährigen Mädchens durch zwei US-Marineinfanteristen und einen Matrosen protestierten; dieser Protest hatte Verhandlungen zwischen den USA und Japan über einen Plan ausgelöst, der die Verkleinerung der US-Basen auf Okinawa und die Schließung des Flugplatzes Futenma vorsah.

Die Versammlung am Sonntags strahlte Fröhlichkeit aus; einige Teilnehmer hatten Hunde dabei, die gelbe Streifen an ihren Halsbändern trugen. Die Kinder bestaunten eine Person in einem Seekuh-Kostüm, die Unterschriften für die Erhaltung der bedrohten Gabelschwanzseekuh sammelte, die im Meer vor Camp Schwab lebt.

Die Veranstalter teilten mit, dass sie in der kommenden Woche in Tokio eine Resolution zur Verlegung des Flugplatzes Futenma an Hatoyama und andere Regierungsmitglieder übergeben wollen.

„Zum Schutz des Lebens, des Eigentums und der Umwelt unserer Bürger fordern wir die Regierungen Japans und der USA auf, von einer Verlegung des Flugplatzes Futenma an einen anderen Ort auf Okinawa abzusehen“, heißt es in der Resolution. Gouverneur Nakaima sagte vor den Versammelten, das übrige Japan müsse Okinawa, das 75 Prozent der US-Basen in Japan beherberge, helfen, diese Last zu verringern. Die Basen bedecken ein Fünftel der Inselfläche.

Er bat Hatoyama, ’niemals nachzugeben und sein Wahlversprechen zu halten‘, dass der Flugplatz mit den Marineinfanteristen von Okinawa weg verlegt werde.

Yoichi Iha, der Bürgermeister von Ginowan, auf dessen Stadtgebiet der Flugplatz Futenma liegt, sagte, die Bewohner Okinawas forderten nicht die Schließung aller US-Basen auf der Insel.

‚Noch nicht‘, fügte er hinzu. ‚Wenn die US-Regierung jedoch darauf beharrt, Futenma auf Okinawa zu belassen, müssen wir den kompletten Abzug des US-Militärs von Okinawa fordern.‘

Die Kundgebungsteilnehmer gaben verschiedene Gründe für ihre Anwesenheit an. ‚Ich will, dass alle US-Militärbasen von Okinawa verschwinden und die Soldaten in die USA zurückkehren‘, sagte Tadashi Nakamura, 67, aus Naha. ‚Es geht nicht nur um eine Verlegung Futenmas. Alle Militärbasen sollten sofort geschlossen werden.‘ Eiji Matayoshi, 69, der neben ihm auf einer Mauer saß, schaute auf die vielen vorbeiziehenden Menschen; er ist gegen das Stationierungsabkommen, das die Behandlung von US-Soldaten regelt, die in Japan Straftaten begehen.

‚Zu den Problemen, die wir mit den US-Militärbasen haben, gehören auch die Straftaten der US-Soldaten gegen Einheimische‘, sagte er. ‚Wenn sie sich danach in ihre Basen zurückziehen, kann die hiesige Polizei nichts mehr tun. Das ist sehr ungerecht.“ Yoshimi Oyafuso, 46, und ihr 10-jähriger Sohn Kento kamen mit dem Bus aus der Stadt Nanjo im Süden Okinawas zu der Kundgebung.

‚Wenn wir alle zusammenhalten, werden wir ganz sicher unser Ziel erreichen und die Verlegung Futenmas von Okinawa weg durchsetzen.'“

Nur wenige der Teilnehmer sprachen sich für einen Verbleib der US-Truppen aus, das müssen sogar die Stars and Stripes-Autoren konzedieren.

Sie berufen sich dabei unter andreren auf Masakazu Isayama, einen Vertreter der Okinawa-Gruppe der Happiness Realization Party (der Partei, die alle glücklich machen will). Er verteilte Flugblätter, auf denen gefordert wurde, dass die US-Marineinfanteristen bleiben sollen.

„’Wir möchten, dass die Bewohner Okinawas die Bedeutung der Anwesenheit des US-Militärs auf Okinawa erkennen‘, äußerte er. ‚Kürzlich sind vor der Küste Okinawas chinesische Kriegsschiffe aufgetaucht. Wenn das U.S. Marine Corps abzieht, ist Okinawa schutzlos der chinesischen Bedrohung ausgesetzt.

Ryuji Kawamitsu, 36, entschied sich, nicht an der Versammlung teilzunehmen. ‚Die machen es sich zu einfach‘, sagte er, als er an einer Tankstelle in Kitanakagusuku seinen Tank füllte. ‚Ich habe kein Ressentiment gegen die Militärbasen‘, meinte er, denn viele Amerikaner die außerhalb der Basen leben, hätten sich als gute Nachbarn erwiesen. ‚Außerdem erzählt meine Großmutter mir immer, dass die US-Soldaten viel freundlicher zu den Bewohnern Okinawas sind, als es unsere japanischen Soldaten waren.‘

{youtube}B2bSFbJQlqQ{/youtube}


Quelle:

STARS AND STRIPES, 27.04.10
http://www.stripes.com/article.asp?section=104&article=69598

Übersetzung des Originaltextes: Wolfgang Jung, Luftpost Kaiserslautern

Drucken

Drucken

Teilen

Voriger Artikel Weltpolitik Der Vorschlag des Iran für einen atomwaffenfreien Mittleren Osten sollte unterstützt werden
Nächster Artikel Weltpolitik Israels Wegbereiter in den USA