Wirtschaft Inland

Fehlende Kredite: Wirtschaftskrise trifft deutsche Reedereien

Von REDAKTION, 30. August 2012 –

Wegen fehlender Kreditmittel droht der deutschen Schifffahrt eine schwere Krise.  Für die fahrende Flotte seien kaum noch Schiffskredite zu bekommen, sagte Michael Behrendt, der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), am Donnerstag in Hamburg: „Wenn wir jetzt das Kind in den Brunnen fallen lassen, dann sind wir wieder da, wo wir Ende der achtziger Jahre waren, als der Schifffahrtsstandort Deutschland kaum existierte“. Zwar steigen die Frachtraten wieder, aber sie halten kaum Schritt mit den steigenden Kosten für den Treibstoff der Schiffe.

Die tiefe und unerwartete Krise der Schifffahrt und die Finanzkrise treffen aufeinander und führen dazu, dass die Banken auch leistungsfähigen und gesunden Unternehmen nicht mehr helfen können oder wollen.

Die Preise für gebrauchte Schiffe sind so tief gefallen, dass sie nur noch knapp über dem Schrottwert liegen und daher von den Banken nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert werden können. Gleichzeitig müssen die Banken ihre Risiken abbauen und mehr Eigenkapital vorhalten.

Mit der Commerzbank hat sich vor zwei Monaten ein wichtiges Kreditinstitut komplett aus der Schiffsfinanzierung zurückgezogen. Die Lage habe sich seitdem weiter verschärft, sagte VDR-Geschäftsführer Ralf Nagel. Die gesamte maritime Branche, der Schiffbau, die Zulieferer und der maritime Dienstleistungssektor, drohe in den Abwärtsstrudel zu geraten.

Mit rund 400.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 85 bis 90 Milliarden Euro sei die maritime Wirtschaft eine der bedeutendsten Schlüsselindustrien in Deutschland. Ausgelöst wurde die Krise durch den Einbruch der Containertransporte im Verlauf der Krise 2008.

Für wohlhabende Anleger war ein Investment in Schiffe über viele Jahre ein blendendes Geschäft. Sie beteiligten sich an einem geschlossenen Schiffsfonds, wurden damit Miteigner eines Containerschiffs oder eines Tankers und konnten sich in den Boomjahren der Branche über  zweistellige Renditen freuen. Zwar hat der Fiskus schon vor Jahren Steuervorteile für Schiffsfonds gestrichen, aber dank der Tonnagesteuer ließ sich mit einem Schiff immer noch gutes Geld verdienen. So stieg Deutschland zu einer führenden Schifffahrtsnation mit der weltweit größten Flotte von Containerschiffen auf. Diese Zeiten sind vorbei. Die Anleger meiden Schiffsfonds. Mehrere Dutzend Fonds sind insolvent, hunderte halten sich mit großer Mühe knapp über Wasser. Viele vermögende Anleger haben Geld verloren, 30 bis 70 Prozent ihres Einsatzes, manchmal auch alles. Damit fehlt die Grundlage für die Schiffsfinanzierung, das Eigenkapital der Anleger.

Die aufgrund der hohen Wachstumsraten bei den Werften bestellten Schiffe wurden geliefert, aber nicht gebraucht. So entstanden Überkapazitäten; rund 250 Schiffe liegen gegenwärtig still. Die Charterrate für ein mittleres Containerschiff mit 4.250 Containern (TEU), die vor einigen Jahren bei 40.000 Dollar am Tag lag, beträgt nur noch 8.000 Dollar – viel zu wenig, um die Betriebskosten, Zins und Tilgung zu decken.

Die Banken wiederum haben kaum Handlungsmöglichkeiten, weil sie bei der Kreditvergabe strikten Regeln unterworfen sind, die gerade in der vergangenen Woche nochmals verschärft wurden (Basel III). Damit soll vermieden werden, dass sich in den Bankbilanzen unkalkulierbare Risiken ansammeln. „Es stellt sich die Frage, ob unter diesen Bedingungen überhaupt noch langfristige Investitionsgüter finanziert werden können, nicht nur Schiffe“, sagte Nagel. Der VDR fordert nun, dass die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in die Bresche springt und dort Schiffskredite vergibt, wo private Geschäftsbanken nicht mehr zur Verfügung stehen. Dabei gehe es nicht um öffentliche Subventionen, sondern um Zeitgewinn, bis die Schifffahrtsmärkte wieder gesund sind und Gewinne abwerfen. Die Reeder hoffen, dass die Durststrecke in ein bis zwei Jahren überwunden sein könne und die Schifffahrtsmärkte wieder ins Gleichgewicht kommen.

(mit dpa)

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