Overton-Magazin zum Ukraine-Krieg

"Dass wir das Völkerrecht wirklich hochhalten, bezweifle ich"

Eine Wiederaufnahme der Diskussion über die aktuelle Situation und vor allem den Ukraine Krieg. Rainer Mausfeld sagt:

Heute befinden wir uns mitten in einem Krieg, in einem ökonomischen Weltkrieg, in einem militärischen Stellvertreterkrieg, in dem – wie auch die New York Times am 25.06.2022 darlegte – die USA und die NATO längst zentrale aktive Kriegsteilnehmer sind, und in einem bis ins Totalitäre gehenden ideologischen Informationskrieg. Wie in jedem Krieg stehen unvermeidbar Einschätzungen und Urteile im Banne der konkreten Erfahrungen des Augenblicks. Das verkürzt zwangsläufig die Perspektiven und erschwert den nüchternen Blick auf die Kontinuitäten und Determinanten, die dieser »Zeitenwende« zugrunde liegen.

Und Daniela Dahn sagt als Entgegnung unter anderem:

Auf dieses Risiko muss sich einlassen, wer nicht wie ein Historiker erstmal abwarten will, wie die Sache ausgeht. Vielleicht sollten wir, bevor wir über die größere Landkarte historischer Kontinuitäten sprechen, zunächst mit der sich aufdrängenden Frage beginnen: Warum hat Russland, entgegen seiner anderslautenden Beteuerungen, diesen völkerrechtlich, moralisch wie politisch so eindeutig zu verurteilenden Schritt getan, mit all seinen menschlich wie politisch desaströsen Folgen? Selbst wenn man zugesteht, dass Russland vom Westen in den vorhergehenden Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, immer wieder hemmungslos provoziert und in seinen Sicherheitsbedürfnissen verletzt worden ist, wenn auf seine Vorschläge keine Antworten kamen, kann man den Angriffskrieg keinesfalls als alternativlos ansehen.

Drucken

Drucken

Teilen

Voriger Artikel Nachdenkseiten zur Gasumlage Habecks Umlagen-Fiasko
Nächster Artikel Overton-Magazin zu Energiepreisen Wer kann sich den Kapitalismus überhaupt noch leisten?