Zeitfragen

Fehlprogrammierte Fuzzis

Eine Nachbesinnung von WOLFGANG BITTNER, 14. März 2013 –

Der Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat unserer zweiten Regierungspartei ruft in den Saal und nach draußen im Lande: „Wir überlassen unser Land nicht diesen Fuzzis, diesen fehlprogrammierten Typen!“ Ja, diese sozialistischen Gehirnzwerge sind für eine Vermögenssteuer, für Mindestlohn, Grundrente, niedrigere Mieten, sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie, Finanztransaktionssteuer, höhere Besteuerung von hohen Einkommen und Erbschaften und ähnliche Fantastereien. Sie planen Umsturz und Wiedereinführung des realen Sozialismus.

Der Spitzenkandidat und seine Anhänger treten dagegen ein für den ungezügelten Markt, Privatisierung von staatlichen und kommunalen Einrichtungen, niedrige Unternehmenssteuern zum Wohle unserer Wirtschaft. Mit Entschiedenheit wenden sie sich gegen einen Mindestlohn und verbitten sich die ständigen Einmischungen der Gewerkschaften in ihre unternehmerischen Angelegenheiten. Ihre Kinder wollen sie auf Privatschulen schicken, wo sie eine standesgemäße Erziehung erhalten, und jeder Arbeitnehmer soll wenigstens bis siebenundsechzig arbeiten dürfen. Leistung muss sich wieder lohnen, das sollte sich in den Gehältern der Manager und den ihnen zustehenden Boni widerspiegeln. Wer von diesen Fuzzis weiß schon, was der Unterhalt einer Segeljacht oder eines Sportflugzeuges kostet?

Applaus auch für den jugendlichen, agilen Parteivorsitzenden und Amtsträger, der sich seinem Spitzenkandidat solidarisch zeigt, indem er mit kaum zu überbietender Eloquenz die Gegner entlarvt, die eine „Steuererhöhungsorgie“ planen oder den Obrigkeitsstaat „nicht mit der Pickelhaube, sondern auf Birkenstocksandalen“ anstreben. Diese Unterwanderer, Fantasten und „Bionade-Biedermeier“ sind in der Tat eine späte Vereinigung von „Marx und Morgenthau“.

Darauf, dass die Kanzlerin die Partei des Spitzenkandidaten als „eine Prüfung Gottes“ bezeichnet hat, können er und seine Anhängerschaft stolz sein. „Dafür sind wir da“, hat der Parteivorsitzende treffend bemerkt, „frei zu denken und frei zu handeln“, selbstverständlich im Sinne und zum Vorteil ihrer Klientel, die sie ja schließlich wählt. Wir freuen uns über diese Offenheit und wünschen uns: Bitte weiter so!

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