Zeitfragen

Syrien-Debatte: Konstantin Wecker entzieht „Adopt a Revolution“ seine Unterstützung

Von REDAKTION, 14. Dezember 2012 –

Aus Zweifel an den friedlichen Absichten der Initiatoren hat Konstantin Wecker seine Unterschrift zu einem von den Organisationen „medico international“ und „Adopt a Revolution“ initiierten
Aufruf zur Unterstützung der zivilen Opposition in Syrien wieder zurückgezogen.(1)

Unter den 60 prominenten Erstunterzeichnern aus Politik, Kunst und Wissenschaft befinden sich die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die Parteivorsitzenden der Grünen und der Linkspartei, Claudia Roth und Katja Kipping, Sozialwissenschaftler und Philosophen wie Elmar Altvater, Ekkehart Krippendorff, Frigga Haug und Wolfgang Fritz Haug sowie die Schriftsteller Navid Kermani und Ilija Trojanow. (2)

Hinweise von Freunden weckten nach Weckers eigenen Angaben Zweifel, mit seiner Unterschrift tatsächlich eine friedensstiftende Aktion zu unterstützen. Nachdem der politisch engagierte Künstler am Mittwoch zunächst ankündigte, „die Entwicklung und die Folgen des Aufrufs genau beobachten“ zu wollen, zog er am Donnerstag seine Unterschrift zurück. HINTERGRUND dokumentiert, wie der Musiker seine Entscheidung begründet:

„Liebe Freunde,

von Freunden der Friedensbewegung wurde ich auf eine Aussage von Ferhad Ahma, Beiratsmitglied und einer der Hauptinitiatoren von „adopt a revolution“ hingewiesen. Herr Ahma hat am 03.12. im DLF gesagt: „Ich glaube, um schnellstmöglich einen Sturz des Regimes herbeizuführen, brauchen die Rebellen nach wie vor effiziente und bessere Waffen. Ansonsten wird dieser Kampf sich noch in die Länge ziehen.“ Unter diesen Umständen muss ich meine Unterschrift unter den Syrien-Appell zurückziehen. Das verstehe ich nicht unter einer zivilen Demokratisierung.

Im Vordergrund für alle sollte die Dialogbereitschaft stehen. Im Lichte dieses Zitats wird dann leider auch der Appell interpretiert werden und dessen Beklagen der „anhaltenden Selbstblockade im UN-Sicherheitsrat“ – einer Blockade des Bombardements Syriens, das ich keinesfalls unterstütze. Dieser Aufruf darf nicht zum Einfallstor werden zu einer militärischen Option.
Wir brauchen eine Logik des Friedens und nicht des Krieges.

Ich gebe zu – und ich bedaure es – dass ich bei meiner Unterschrift nicht bedacht habe, dass der Ausschluss jedes militärischen Eingreifens nicht ausdrücklich in dem Syrien-Aufruf mit erwähnt wurde, und deshalb wohl auch Personen unterschrieben haben, die militärische Interventionen durchaus als Mittel der Wahl sehen.
Dem kann ich nicht zustimmen.“ (3)


(1) https://www.adoptrevolution.org/aufruf/

(2) https://www.adoptrevolution.org/aufruf/#erstunterzeichnerinnen

(3) http://www.wecker.de/tagebuch.php?ide=267

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