Terrorismus

Attentat am Frankfurter Flughafen: Das religiöse Umfeld des Pistolenschützen Arid Uka

Von REDAKTION, 3. März 2011 –

Einen Tag nach dem tödlichen Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen verdichten sich Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Der Kosovo-Albaner aus Frankfurt hatte am Mittwoch an einem Militärbus zwei US-Soldaten erschossen und zwei weitere schwer verletzt. Sie schwebten am Donnerstagmorgen noch in Lebensgefahr. Offenbar war es dem Umstand einer Ladehemmung der Waffe zu verdanken, dass es nicht zu weiteren Opfern kam.  Inzwischen hat der Attentäter seine  Tat gestanden. Der 21 Jahre alte Mann habe sich in den ersten Vernehmungen geäußert, berichtete der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden. Es handele sich nach ersten Ermittlungen um einen radikalisierten Islamisten. Vermutlich habe er als Einzeltäter gehandelt. Zumindest sei derzeit kein Terror-Netzwerk hinter dem Mann zu erkennen.

Arid Uka
Arid Ukas „Profilbild“ auf seiner gelöschten Facebook-Seite

Der Schütze namens Arid Uka wurde 1990 in einem Dorf am Stadtrand von Mitrovica im Norden Kosovos geboren. Ein Jahr später kam er nach Deutschland, wo er  seitdem lebte. Seine Familie wanderte bereits vor vierzig Jahren nach Deutschland aus. Sowohl den deutschen als auch den kosovarischen Behörden war Arid Uka zuvor nicht als verdächtig aufgefallen. „Nachdem uns die deutschen Behörden den Namen des Verdächtigen genannt hatten, haben wir ihn überprüft, aber er steht nicht in unserem Anti-Terror-Register“, zitierten Medien am Donnerstag in Pristina Polizeisprecher Brahim Sadria.

Islamistische Haltung zuvor bei Facebook offenbart

Ein islamistischer Hintergrund konnte aber bereits vor Ukas Geständnis angenommen werden, da er auf seiner inzwischen gelöschten Facebook-Seite (1), die er unter dem Pseudonym Abu Reyyan betrieb, eine Reihe bekannter Personen aus der islamistischen Szene zu seinen Freunden zählte. Darunter der der salafistischen Strömung angehörige Pierre Vogel, sowie der radikale Prediger Sheikh Abdullatif. In der vergangenen Woche wurden in Hessen mehrere Wohnungen von der Polizei durchsucht, darunter auch die von  Abdullatif. Die Polizei beschlagnahmte Material und verhörte ihn, nahm ihn aber nicht fest. Ermittler vermuten, dass Abdullatif junge Muslime für den Dschihad angeworben hat, um sie nach Afghanistan und Pakistan zur Terror-Ausbildung zu vermitteln.

In Internet-Kommentaren zeigte Arid Uka wiederholt Sympathien für den Dschihad und äußerte sich verächtlich über Juden und Ungläubige, aber auch Schiiten.

Für die These eines islamistischen Hintergrunds sprach auch, dass er laut Recherchen von Spiegel Online vor dem Abgeben der Schüsse auf arabisch  „Gott ist groß“ (Allahu Akbar) gerufen haben soll. Laut dpa habe die Polizei dies aber nicht bestätigt.

Widersprüchlich sind auch die Angaben darüber, ob Uka auf dem Flughafen-Gelände gearbeitet hat.   Offenbar besaß er gute Kenntnisse über die Abläufe auf dem Flughafen. Es würde auch erklären, wie er so einfach zu dem Bus mit den US-amerikanischen Soldaten gelangen konnte. Laut Aussagen seines Vaters arbeitete er auf dem Flughafen, doch ein Fraport-Sprecher sagte auf Anfrage der dpa, es gebe dafür keine Anzeichen.

Im Frankfurter Stadtteil Sossenheim wurde die Wohnung des Todesschützen durchsucht. Er soll noch bei seinen Eltern gewohnt haben. Nach Einschätzung der Polizei hatte er aber wahrscheinlich keine Komplizen. „Wir gehen von einem Einzeltäter aus“, sagte Polizeisprecher Jürgen Linker.  Am wahrscheinlichsten handele es sich um einen fanatisierten Einzeltäter.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), hält nach dem tödlichen Anschlag eine Anhebung der bundesweiten Sicherheitsstufe nicht für notwendig. „Nach dem jetzigen Erkenntnisstand liegen (…) keine Anhaltspunkte dafür vor, dass eine bundesweite, flächendeckende Erhöhung der polizeilichen Präsenz anzuordnen wäre“, sagte Friedrich bei seinem ersten Auftritt als Minister am Donnerstag im Bundespressehaus in Berlin. Die verdeckten Maßnahmen und Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Am größten deutschen Flughafen wurde die Sicherheitslage hingegen wieder erhöht: Die Bundespolizei ging in den Terminals erneut mit Schutzwesten und Maschinenpistolen Streife und setzte verdeckte Ermittler ein.

US-Behörden schalten sich ein

Die Behörden würden in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den US-Dienststellen alles dafür tun, die Tat aufzuklären. Einzelheiten zu den Ermittlungen teilte Friedrich nicht mit. Die USA haben sich mittlerweile direkt in die Ermittlungen eingeschaltet. Schon kurz nach den tödlichen Schüssen waren FBI-Ermittler am Tatort erschienen. Zudem machten sich aus den USA mehrere Teams von Ermittlern auf den Weg, um die Hintergründe der Tat und mögliche weitere Gefahren aufzuklären. „Wir werden alles tun, um den Ermittlern zu helfen und die Verantwortlichen für diesen feigen Angriff ihrer Strafe zuzuführen“, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministers Robert Gates Spiegel Online am Mittwochabend. Auch er wollte keine  Details nennen.

US-Präsident Barack Obama sagte, er sei angesichts der Tat „betrübt und schockiert“. Seine Regierung werde keine Mühen scheuen, um die Umstände der Gewalttat aufzuklären. Die USA würden dabei mit den deutschen Behörden zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sich die Urheber vor der Justiz verantworten müssen. Die Regierung des Kosovo sprach von einer „schrecklichen und monströsen Gewalttat“. Die Bevölkerung des Kosovo verurteile entschieden die feige Tat in Frankfurt.

Außenminister Guido Westerwelle sagte seiner US-Amtskollegin Hillary Clinton nach Angaben des Auswärtigen Amtes in einem Telefongespräch eine rasche und vollständige Aufklärung des Anschlags zu. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dies bereits zugesichert.

Bundesinnenminister Friedrich verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. Sein Mitgefühl sei bei den Familien der Opfer. Der Anschlag sei auch deswegen so schmerzlich, „weil die engsten Verbündeten getroffen sind auf unserem Boden. (…) Für die Bundesregierung steht fest, dass in dieser Stunde wir noch enger zusammenrücken mit unseren amerikanischen Freunden.“

Doppelte Moral – Kein Mitleid mit afghanischen Zivilopfern

Leider hört man von deutschen Ministern keine Worte des Mitgefühls für die afghanische Familien, die Angehörige durch die Bomben der Besatzungstruppen verloren haben. Erst vorgestern wurden neun Kinder in der ostafghanischen Provinz Kunar beim Holzsammeln von einem NATO-Kampfhubschrauber getötet. Gestern wurden erneut zwei Kinder Opfer eines NATO-Luftangriffs, wieder in der Provinz Kunar.

Im Gegensatz zu der Tat von Arid Uka, der immerhin seinen Opfern von Angesicht zu Angesicht gegenüber stand, werden die Luft-Attacken auf afghanische Zivilisten nie mit den Worten „feige“ oder „hinterhältig“ belegt. Selbstverständlich ist im Gegensatz zu Libyen auch nicht die Errichtung einer Flugverbotszone angedacht, um die afghanische Bevölkerung vor dem nun fast zehn Jahre andauernden NATO-Luftterror zu schützen. Es ist gerade diese Doppelmoral, die der anderen Seite Feigheit und Hinterhältigkeit attestiert, während sie die toten Zivilisten, die auf das eigene  Konto gehen, zynisch-menschenverachtend als Kollateralschaden abtut, die auch dazu führt, dass sich junge Muslime radikalisieren. Am Hindukusch wird Deutschlands Sicherheit eben nicht verteidigt, sondern gefährdet.


(1) Screenshots unter http://campus-blog.net/2011/attentater-von-frankfurt-enttarnt/

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