Terrorismus

Fakten zur Terrorhysterie – der EUROPOL - Trend-Report

In schöner Regelmäßigkeit läßt Bundesinnenminister Schäuble seine Warnungen vor dem „islamistischen Terrorismus“ über die Medien verbreiten, um damit schärfere Sicherheits-gesetze zu begründen. So warnte er vor einigen Tagen wieder, Deutschland sei, wie andere Staaten auch, seit geraumer Zeit „im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus“, um damit sogleich seine Forderung nach einer gesetzlichen Grundlage für Online-Durchsuchungen von Computern zu bekräftigen. Schützenhilfe im öffentlichen Beschwören der Terrorgefahr erhielt Schäuble dabei auf Europa-Ebene von seinem Mann in Den Haag, Max-Peter Ratzel, Direktor der europäischen Polizeibehörde EUROPOL. „Die Lage ist ernster denn je“, sagte Ratzel kürzlich gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Es stelle sich nicht mehr die Frage, ob etwas passiert, sondern nur noch wann und wo der nächste Anschlag Europa treffe.

Diese medienwirksam beschworene Gefahr durch den „islamistischen Terror“ erscheint jedoch bei näherer Betrachtung der realen Ereignisse als völlig überzogen dargestellt. So hat EUROPOL vor kurzem eine 44-seitige Studie über den Stand der terroristischen Bedrohung in Europa vorgestellt. Untersucht wurden sämtliche Terroranschläge, die 2006 in 11 EU-Ländern stattfanden. Der Jahresreport mit dem Titel .„EU Terrorism Situation and Trend Report 2007“ vermeldete insgesamt 498 Anschläge. Und davon hatte nur ein einziger
einen „islamistischen“ Hintergrund, nämlich der gescheiterte angebliche Kofferbomben-Anschlag von Köln. Zwei weitere angeblich geplante Anschläge in England und Dänemark, die im Vorfeld entdeckt wurden, wurden nicht in die Statistik aufgenommen. Die meisten Anschläge – 136 – werden der baskischen ETA zugeschrieben, insgesamt kamen bei allen 498 terroristischen Attacken in der EU im Jahr 2006 zwei Menschen ums Leben (Downloadlink: www.europol.europa.eu/publications/TESAT/TESAT2007.pdf ).
Im Gegensatz zur medial geschürten Terrorhysterie fanden die nüchternen Fakten der europäischen Polizeibehörde in den hiesigen Medien kaum Beachtung. Kein Wunder, denn die Ergebnisse der Studie sind geeignet, das Bedrohungsszenario – und damit auch die Begründung für immer schärfere Sicherheitsgesetze – ins Wanken zu bringen.

Das wissen auch Schäuble und Ratzel, und so warnt der EUROPOL-Chef jetzt auch davor, sich von der vermeintlich geringen Zahl ausgeführter oder vereitelter Anschläge in Europa täuschen zu lassen. Denn Tatsache sei, so Ratzel im Zeitungsinterview, „daß etwa ein halbes Dutzend Fälle Jahr für Jahr schon weit im Vorfeld abgebogen wird.“ Über Einzel-heiten solcher – „weit im Vorfeld“ verhinderter – Anschläge war im Interview nichts zu lesen. Muslimischen Studenten ist also zu raten, auf keinen Fall öffentlich mit Weckern und Gasflaschen zu hantieren – sicher ist sicher.

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