Terrorismus

Recherche „Koffer - Bomben“

I. Chronologie der Ereignisse

– 31.07.06 –
Im Koblenzer Bahnhof wird ein herrenloser Koffer gefunden und abgegeben.

Am selben Tag findet ein Zugbegleiter gegen 14.40 Uhr im Zweite – Klasse – Abteil des Regionalexpress 1 von Aachen nach Hamm einen Koffer, einen sogenannten Trolley, und übergibt ihn im Dortmunder Bahnhof dem Fundbüro. Bei der Suche nach Hinweisen auf den Besitzer entdecken die Mitarbeiter im Koffer eine Propangasflasche und eine Zündvorrichtung.
Spezialkräfte der Bundespolizei treffen gegen 18.00 Uhr am Dortmunder Bahnhof ein. Um 19.35 Uhr wird der Koffer von einem Feuerwehrmann gezielt beschossen und die Bombe somit untauglich gemacht. Ein Teil des Hauptbahnhofs und der Innenstadt wird bis zur erfolgreichen Entschärfung gesperrt.

Das BKA fordert, in zahlreichen Bahnhöfen Videomaterial zu beschlagnahmen, „Falls in den kommenden Tagen weitere Sprengsätze gefunden würden“. Die Ausbeute des BKA allein vom Tag der gescheiterten Anschläge war gigantisch: 9 Terabyte Datenmaterial, das entspricht etwa dem Umfang von neun Millionen Büchern (Kölner Stadtanzeiger, 19.08.06, S. 3)

01.08.06
Auf einer Pressekonferenz geben Staatsanwaltschaft und Polizei Dortmund um 14.30 Uhr bekannt: In dem in Dortmund gefundenen Gepäckstück waren 11 Liter Butangas in einer Gasflasche, 4,5 Liter Benzin-Gemisch (mehrere mit Benzin gefüllte Flaschen), ein Wecker, Batterien und Drähte. Die Bombenkonstruktion sei als professionell zu bezeichnen, erklärte der Leiter der Polizeiexpertengruppe Jürgen Kleis. Eine mögliche Explosion hätte verheerende Auswirkungen im Waggon haben können, so die Ermittler.

In dem am Tag zuvor abgegebenen Koffer in Koblenz wird am Nachmittag des 01.08. ebenfalls eine Propangasflasche entdeckt. Der Bahnhof wird für zwei Stunden geräumt und weiträumig abgesperrt.

Ein weiterer herrenloser Koffer sorgt am Abend des 01.08. für einen Großeinsatz der Polizei am Bahnhof von Dormagen. Sprengstoff-Spezialisten stellen aber lediglich Kleidungsstücke sicher.

Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen.

02.08.06
Die Polizei geht am Morgen mit Hilfe von Flugblättern im Regionalexpress von Aachen nach Hamm auf Zeugensuche. Beamte der Dortmunder Polizei verteilen Zettel mit Bildern des Koffermodells, in dem die Gasflasche deponiert worden war. Die Zeugensuche verläuft zunächst schleppend.

Die Bundesanwaltschaft setzt die Kofferfunde in Dortmund und Koblenz in direkten Zusammenhang. Der Inhalt der beiden Koffer als auch die Behältnisse selbst seien vergleichbar.

Weil es sich um einen versuchten Anschlag handelte, übernahmen Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt die Ermittlungen. Die Spekulationen reichten am Anfang von einem möglichen Erpressungsversuch der Bahn bis hin zu einem fehlgeschlagenen El-Kaida-Anschlag.

03.08.06
Nach Medienberichten (?) sollte mit den Kofferbomben möglicherweise ein chemisch-biologischer Anschlag vorgetäuscht werden. Dazu soll ein Beutel mit Speisestärke zumindest im Dortmunder Koffer gefunden worden sein. Diese wäre durch eine Explosion verteilt worden und hätte einen feinen weißen Staub hinterlassen. Ob es einen solchen Beutel wirklich gegeben hat, bestätigte die Bundesanwaltschaft am 03.06.06 zunächst nicht.

Auf der Pressekonferenz des BKA am 18.08.06 wird bestätigt, daß in einem der Koffertrolleys Tüten mit Speisestärke gefunden wurde, die aus dem Libanon stammen. Laut BKA steht diese Speisestärke in keinem Zusammenhang mit der Bombenkonstruktion (vgl. Pressemitteilung BKA vom 18.8.2006)

18.08.06
Das Bundeskriminalamt teilt auf einer Pressekonferenz mit, daß mit den beiden Kofferbomben wahrscheinlich ein terroristischer Anschlag geplant war. Die Sprengsätze hätten etwa zehn Minuten vor dem Eintreffen der beiden Züge explodieren sollen. Sie waren auf 14.30 Uhr eingestellt. Lediglich „handwerkliche Fehler“ hätten die Katastrophe verhindert. Zur Fahndung nach den Tätern veröffentlicht das BKA Video-Aufnahmen einer Überwachungskamera am Kölner Hauptbahnhof. Sie zeigen zwei junge dunkelhaarige Männer zwischen 20 und 30, die mit Rollkoffern in die betroffenen Regionalzüge einsteigen. Diese Videoaufnahmen und auch Fotos werden anschließend über die Medien verbreitet. Die Bundesanwaltschaft erließ Haftbefehle wegen versuchten massenhaften Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Außerdem wird eine Belohnung von 50.000 € für Hinweise ausgeschrieben.

Zu den Hintergründen des Anschlags präsentiert der Präsident des BKA, Jörg Ziercke erste Ermittlungsergebnisse, die auf eine Verbindung zum laufenden Krieg zwischen der libanesischen Hisbollah und Israel hindeuteten: „Wir haben in der Bekleidung in den Trolleys einen abgerissenen Zettel mit arabischen Schriftzeichen und Telefonnummern aus dem Libanon gefunden. (…)Vorstellbar ist also, daß die Täter Signale setzen wollten im Hinblick auf den Konflikt im Nahen Osten….“ (Pressemitteilung des BKA vom 18.08.2006)

19.08.06
Am frühen Morgen um 3.53 Uhr nehmen Polizisten den 21-jährigen libanesische Studenten Youssef Mohamad al-Hajdib in einem Bahnhofsrestaurant im Kieler Hauptbahnhof fest. Er lebt seit 2004 in Deutschland, studiert seit Februar 2005 Mechatronik an der Universität Kiel und wohnt in einem Studentenwohnheim (Haftbefehl gegen Kofferbomber erlassen; Netzeitung, 20. August 2006)

Neben der Sperrung des Kieler Bahnhofs durchsuchen Polizisten zwei weitere Bahnhöfe: Nach einer Bombendrohung sperren Beamte den Hamburger Hauptbahnhof komplett, heben den Alarm aber wieder auf, nachdem sie sämtliche Gebäude erfolglos durchsucht haben. In Koblenz riegelt die Polizei bereits am Mittag erneut den Bahnhof ab, nachdem ein verdächtiger Koffer gefunden worden ist. Später entwarnen die Sicherheitskräfte – es war ein Mißverständnis. Der Besitzer des Koffers, ein 23-jähriger Brasilianer hatte offenbar die Durchsagen im Zug nicht verstanden. Bei einer Untersuchung des Koffers fand sich nur ein Keyboard (Haftbefehl gegen Kofferbomber erlassen, Netzeitung, 20.08.2007

Der zweite mutmaßliche Bombenleger ist noch auf freiem Fuß und kommt laut BKA-Chef Ziercke nicht aus Kiel. (Kiel: Kofferbomber vor geplanter Flucht gefaßt (Kiel: Kofferbomber vor geplanter Flucht gefaßt; focus online, 19.08.06, 17:54 Uhr).

Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich erleichtert über die Festnahme. Das sei ein großer Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus, teilte Regierungssprecher Thomas Steg mit (Kiel: Kofferbomber vor geplanter Flucht gefaßt; focus online, 19.08.06, 17:54 Uhr).

20.08.06
Der Festgenommene wird am Nachmittag dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe vorgeführt. Am Abend wird Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Attentäter erteilt. Der 21-jährige libanesische Student sei dringend verdächtig, zusammen mit weiteren bislang noch unbekannten Mitgliedern einer terroristischen Vereinigung versucht zu haben, am 31. Juli 2006 zwei zeitlich aufeinander abgestimmte Sprengstoffanschläge auf zwei Regionalzüge zu verüben, so der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erläßt Haftbefehl gegen mutmaßlichen „Kofferbomber“, Wikinews 21.08.2006)
Der Festgenommene wird der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und des versuchten Mordes beschuldigt. Die Fahndung nach dem zweiten mutmaßlichen Bombenleger läuft auf Hochtouren. Bundesinnenminister Schäuble schätzt die derzeitige Sicherheitslage in Deutschland als „ungewöhnlich ernst“ ein.

21.08.06
Namhafte Politiker, darunter Bundesinnenminister Schäuble und der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach, fordern eine Ausweitung der Videoüberwachung.

22.08.06
Die Spur des zweiten Verdächtigen führt angeblich nach Köln. Den ganzen Tag durchsuchen Beamte des Bundeskriminalamtes die Wohnung eines Verdächtigen. Der Libanese Jihad Hamad bewohnt eine Ein-Zimmer-Wohnung in der Peter-Bauer-Straße 13-15 im Kölner Stadtteil Neu-Ehrenfeld.

Die Bundesanwaltschaft will Haftbefehl gegen ihn erlassen. Allerdings hat sich der Verdächtige anscheinend bereits ins Ausland abgesetzt. Im Laufe des Tages wird auch eine Wohnung in Oberhausen durchsucht.

23.08.06
Wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und des vielfach versuchten Mordes wird auch gegen den zweiten Bahn-Attentäter Haftbefehl erlassen. Das BKA veröffentlicht ein Fahndungsplakat mit dem Foto des Mannes.
Die Bundesregierung kündigt derweil an, den Sicherheitsstellen mehr Geld für den Kampf gegen den Terror zur Verfügung stellen zu wollen. In Köln werden die Durchsuchungen vom Vortag fortgesetzt.

24.08.06
Der mit internationalem Haftbefehl gesuchte zweite „Kofferbomber“, der 20-jährige Jihad Hamad , wird im Libanon festgenommen. Die Bundesanwaltschaft erklärt, der Mann habe sich in der Hafenstadt Tripoli selbst gestellt. Die deutschen Behörden werden seine Auslieferung beantragen. Noch am Abend wollen Beamte des BKA und ein Bundesanwalt nach Beirut fliegen, wohin die libanesische Polizei Jihad Hamad im Laufe des Tages gebracht hat. In NRW wird derweil weiter gefahndet.

Bundeskanzlerin Merkel reagierte mit „großer Erleichterung auf die Festnahme. Solange der Mann nicht gefaßt gewesen sei, hätte die Gefahr eines Anschlags weiterbestanden, so Merkel. Sie lobte die gute Zusammenarbeit zwischen deutschen und libanesischen Sicherheitsbehörden (Der Tagesspiegel, 25.08.06, S.1)

Hamad lebte als Gaststudent in Köln. In seiner Wohnung sind die beiden Kofferbomben angeblich gebaut worden – nach Anleitungen aus dem Internet. Hamad sitzt seither in einem Gefängnis in der libanesischen Hauptstadt Beirut. (Am 11.4.07. begann der Prozeß gegen ihn. Deutschland hat seine Auslieferung beantragt; die deutschen Behörden erhoffen sich vom Prozeß der libanesischen Justiz neue Anhaltspunkte für die eigenen Ermittlungen. Hamad hat inzwischen ein umfassendes Geständnis abgelegt und bereut seine Tat. Danach hatten er und sein Komplize keine Verbindung zu einer terroristischen Vereinigung. – Quelle: Sandra Petersmann: Die „Kofferbomber“: eine Chronologie der Ereignisse. www.dw-world.de)

Am selben Tag nimmt die Polizei in Konstanz den 23-jährigen Syrer Fadi al-S. fest.Er soll beim Bau der Kofferbomben mit den beiden Libanesen Hamad und al-Hajdib zusammengearbeitet haben.

Kofferbomben-Attentate bieten Sicherheitsbehörden Gelegenheit, die Videoüberwachung auszubauen. Das BKA kündigt ein Pilotprojekt zur Erprobung biometrischer Gesichtserkennung im Mainzer Hauptbahnhof an. Zur Begründung heißt es bei FAZ.NET am 24.08.06: „An der Notwendigkeit, Flughäfen, Bahnhöfe und große Busstationen mit Kameras zu überwachen, besteht nach den nur knapp mißlungenen Anschlägen mit Kofferbomben auf Nahverkehrszüge kaum noch Zweifel. Angesichts der mangelnden Qualität der Videoaufnahmen vom Kölner Hauptbahnhof erscheint es allerdings erstaunlich, daß mit ihrer Hilfe einer der beiden mutmaßlichen Haupttäter identifiziert werden konnte. Fachleute der Polizei legen denn auch weniger Wert auf den Ausbau der Videoüberwachung in den ohnehin bereits umfassend beobachteten Großbahnhöfen und Flughäfen, sondern bauen vor allem auf eine optimale Qualität der Aufnahmen.(…)Die Hoffnung richtet sich dabei auf sogenannte intelligent Systeme wie die biometrische Gesichtserkennung.“ Laut einer BKA-Sprecherin stehe das Mainzer Pilotprojekt in keinem Zusammenhang mit den jüngsten Anschlagsversuchen; die Planungen des für solche Forschungsvorhaben zuständigen Kriminalistischen Instituts des BKA liefen vielmehr schon seit Monaten

25.08.06
Der zweite mutmaßliche Täter Jihad Hamad wird in Beirut vernommen. Am Mittag werden zwei weitere Verdächtige festgenommen, der 23-jährige Syrer Fadi al-S. in Konstanz und eine Person im Libanon. Die Ermittler gehen davon aus, daß es in Deutschland Helfer und Mitwisser gegeben habe. Nach wie vor im Visier ist dabei offenbar ein Autohändler aus Essen.

26.08.06
Die Fahndung nach weiteren Hintermännern läuft auf Hochtouren. Nach wie vor geht das BKA von einer terroristischen Zelle in Deutschland aus. Der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof erläßt Haftbefehl gegen den in Konstanz festgenommenen Syrer Fadi A.S. Laut Bundesanwaltschaft wird ihm Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen und versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen.

28.08.06
Vier Wochen nach den Bahn-Attentaten wird ein fünfter Verdächtiger festgenommen. Libanesische Behörden inhaftieren einen etwa 30 Jahre alten Mann aus der nordlibanesischen Region Akkar. Libanons Innenminister Achmed Fatfat bestätigt später die Festnahme. In Deutschland sitzen bereits ein Libanese und ein Syrer in Haft.
Im Libanon sitzen schon zwei Verdächtige in Gewahrsam, die Libanesen Jihad Hamad und Khaled Deeb, die derzeit von libanesischen und deutschen Staatsanwälten vernommen werden.

29.08.06
In Deutschland diskutieren Politiker über die geplante Anti-Terror-Datei. Die Datenbank soll nicht nur verdächtige Personen und terroristische Verbindungen verzeichnen, sondern auch Stiftungen und Unternehmen mit möglichen Verbindungen ins islamistische Milieu. Außerdem sollen auch Bank-, Telefon-, Internet und Führerscheindaten gespeichert werden. Zugang sollen alle Ermittlungsbehörden haben, also nicht nur die Polizei, auch BND, Verfassungsschutz und Zoll.

01.09.06
Die Westdeutschen Allgemeinen Zeitung berichtet vorab unter Berufung auf Sicherheitsbehörden, daß die mißglückten Anschlägen ursprünglich während der Fußball-Weltmeisterschaft verübt werden sollten. Das hätten die verhafteten Tatverdächtigen bei der Vernehmung ausgesagt. Der Plan sei verschoben worden, weil den Festgenommenen Bedenken über die Risiken und Auswirkungen gekommen seien.

02.09.06
Gut zwei Monate nach den versuchten Anschlägen hat das BKA Angaben über die Motive der Täter gemacht.Die „Initialzündung“ für die Tatverdächtigen sei die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen gewesen, so BKA-Chef Jörg Zielcke im Focus. Ein weiteres Motiv sei der Tod des Top-Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi am 7. Juni im Irak gewesen.

04.09.06
Am Rande einer Innenministerkonferenz erklärten hochrangige Ermittler weitere Details der geplanten Anschläge: So sei den Brandsätzen Speisestärke beigelegt gewesen, um die Verletzungen der Opfer zu verstärken. Die Attentäter recherchierten vorher im Internet, welche Wirkung das Pulver bei der Explosion hat. Nach Zündung der Bombe hätte sich ein Benzin-Luftgemisch mit dem feinen Staub der Stärke vermischt. Wie ein glühender Ölfilm hätte die Mischung die Reisenden überzogen und wäre tief in die Hautschichten eingezogen (Anschlagsplan: Kofferbomber wollten mit Speisestärke Leiden verstärken; Spiegel online, 09.09.06)

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach forderte bessere Kontrollen bei der VISA-Erteilung: „Der Staat muß sich die Menschen, die aus Problemstaaten zu uns kommen, viel genauer ansehen als bisher.“ Dies gelte für die Visa-Antragsteller selbst, aber auch für Einlader und Bürgen in Deutschland, die bei der Einreise helfen. „Zumindest einer der tatverdächtigen Kofferbomber hätte bei der Überprüfung seines deutschen Bürgen kein Visum bekommen dürfen.“ Darüber hinaus sollte geprüft werden, vor Erteilung eines Visums an Antragsteller aus Problemstaaten zur besseren Identifizierung Fingerabdrücke zu nehmen (Anschlagsplan: Kofferbomber wollten mit Speisestärke Leiden verstärken; Spiegel online, 09.09.06)

09.09.06
Medienberichten zufolge wollten die mutmaßlichen Täter ihre Opfer offenbar schwer verletzen. Einer der Fetgenommenen habe bei den Vernehmungen ausgesagt, dem Sprengstoff sollte Speisestärke beigemischt werden, um die Wirkung der Bomben zu erhöhen.

14.09.06
Der 23-jährige Syrer Fadi al-S., der als dritter Tatverdächtiger in Konstanz festgenommen worden war, wird aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hob den Haftbefehl auf, da ein dringender Tatverdacht nicht mehr bestehe. (Mitteilung des Generalbundesanwalts vom 14.09.2006)

10.10.06
Start des Pilotprojekts zur biometrischen Gesichtserkennung am Hauptbahnhof Mainz

08.01.07
Sicherheitsbehörden befürchten Racheakte gegen Deutsche im Libanon, berichtet der Spiegel unter Berufung auf ein Rundschreiben der deutschen Botschaft in Beirut. Hintergrund seien der Einsatz der Bundesmarine bei der Uno-Friedensmission und da konsequente Vorgehen deutscher Ermittler gegen die mutmaßlichen Kofferbomber Hamad und al-Hajdib. Das Auswärtige Amt wollte sich nicht dazu äußern. Noch keine Anklage gegen die beiden mutmaßlichen Täter in Sicht. Die polizeilichen Protokolle aus dem Libanon, wo Hamad inhaftiert ist, sind noch nicht bei den Ermittlern eingetroffen, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Einen Focus-Bericht, wonach die beiden Kontakte zu radikalen Gotteskriegern unterhielten, wollte der Sprecher nicht kommentieren (AP, in Hamburger Abendblatt/abendblatt.de, 08.01.07)

11.01.07
Ein Untersuchungsrichter in Beirut hat Anklage gegen sechs Libanesen erhoben, die an der Planung der Kofferbomben-Anschläge beteiligt gewesen sein sollen. Der Richter Abdul Rahim Hammud forderte lebenslange Haft mit Zwangsarbeit für die Verdächtigen, von denen einer (Youssef al-Hajdib – in Deutschland in Untersuchungshaft sitzt. Sein im Libanon ebenfalls angeklagter Bruder Saddam al-Hajdib ist auf der Flucht. Im Libanon vor Gericht gestellt werden soll auch Jihad Hamad. Der libanesische Generalstaatsanwalt Said Mirza hatte erklärt, nach libanesischem Recht könnten die Verdächtigen nicht an deutsche Justizbehörden ausgeliefert werden. Laut Anklage müssen sich die Libanesen demnächst wegen des „Versuchs, Menschen in Zügen in Deutschland zu ermorden“, verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten eine größere Zahl von Zivilisten töten wollen, um Rache zu üben für die Veröffentlichung von Karikaturen durch einige deutsche Zeitungen, die den Propheten Mohammed beleidigen (Lebenslange Zwangsarbeit droht: Kofferbomber vor Gericht: n-tv.de, 11.01.07)

Anklageerhebung durch einen Untersuchungsrichter in Beirut gegen sechs Libanesen auch gemeldet durch dpa/taz vom 13.01.07; Nach Angaben aus libanesischen Justizkreisen gelten alle sechs Männer als Fundamentalisten sunnitischen Glaubens (Taz NRW Nr. 8174, 13.01.07)

13./14.02.07
10.Europäischer Polizeikongreß in Berlin. In seiner Rede geht BKA-Präsident Ziercke ausführlich auf den Fall der „Kofferbomber“ ein. Sie dienen Ziercke als Beispiel für die dringende Notwendigkeit von Online-Durchsuchungen verdächtiger Rechner. Die mutmaßlichen Täter hätten sowohl ihre Bombenanleitungen wie ein islamisches „Rechtsgutachten“ aus dem Internet kopiert, mit dem sie ihre Tat rechtfertigen wollten. Wären die Bomben explodiert, so wären die Folgen laut einem Gutachten der Bundesanstalt für Materialprüfung drastisch gewesen: „Ausgebrannte Waggons, entgleiste Züge, Tote und Schwerverletzte wären die möglichen Folgen gewesen. Und eine öffentliche Diskussion, die die derzeitige Kritik an der Online-Durchsuchung mit Erstaunen zur Kenntnis genommen hätte. Einen Einblick in die BKA-Arbeit, wie die Ermittler den bis dato völlig unbekannten libanesischen Studenten über Online-Durchsuchungsprogramme auf die Schliche gekommen wäre, blieb Ziercke jedoch schuldig. Eine Pressekonferenz, auf der sich der BKA-Präsident unter anderem ausführlich zur Technik der Online-Durchsuchung von Rechnern äußern wollte, wurde vor wenigen Tagen abgesagt (BKA-Forensiker entlöschen Bombenbaupläne; Telepolis news 08.03.07; www.heise.de/newsticker/meldung/print/86388 )

07.03.07
Dem BKA ist es gelungen, den Computer eines der beiden mutmaßlichen Bombenleger auszuwerten. Die Experten konnten auf der bereits gelöschten Festplatte Daten rekonstruieren, die zusammengesetzt eine Bauanleitung für eine Bombe ergeben. Wie die SZ (07.03.07) aus Sicherheitskreisen erfuhr, gehen die Fahnder davon aus daß die beiden verdächtigen Hamad und al-Hajdib sich anhand dieser Anleitung an den Bau der beiden Kofferbormben gemacht haben.
Die libanesischen Behörden haben den Informationen zufolge die Festplatte des in den Libanon geflohenen und dort inhaftierten Hamad bereits vor einigen Wochen dem BKA übergeben. Bei einem Verhör von Hamad vor einem Ermittlungsrichter im Libanon hatte der Verdächtige schon im September angegeben, er habe Bombenanleitungen auf seinem Computer gespeichert. Damals hatte er die Tat auch grundsätzlich gestanden und erklärt, es sei das Anliegen von ihm und seinem Mittäter gewesen, „möglichst viele Menschen zu töten“. Die beiden Libanesen hatten sich mehrere Tage in der Kölner Wohnung von Hamad getroffen, um im Internet nach Anleitungen zum Bombenbau zu suchen, die sie für ihren Anschlag nutzen konnten.
Den Laptop, den die beiden für ihre Internet-Recherche nach Bombenbau-Anleitungen nutzten, hatte Hamad bei seiner Flucht aus Köln mit in den Libanon genommen. Die Festplatte des Computes hatte er jedoch gelöscht, kurz bevor er sich auf Anraten seiner Familie den libanesischen Bhörden stellte. Den Experten des BKA ist es nun gelungen, die Festplatte zu spiegeln und aus den restlichen Daten ein Puzzle zusammenzusetzen (SZ, 07.03.07)

Die Bundesanwaltschaft will vermutlich im Sommer 2007 Anklage gegen den in Deutschland in Untersuchungshaft sitzenden Youssef Mohammad al-Hajdib erheben. Hajdib hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Gegen einen weiteren Verdächtigen aus Konstanz wird in Karlsruhe ebenfalls noch ermittelt – bisher offenbar ohne greifbare Ergebnisse. Die Ermittler warten seit Monaten auf die avisierten Vernehmungsprotokolle aus dem Libanon, in denen sich Hamad auch zu dem Verdächtigen aus Konstanz geäußert hatte (SZ, 07.03.07)

25.03.07
Das Verfahren gegen Bruder des Beschuldigten Youssef Mohamed al-Hajdib sei bereits im Januar 2007 eingeleitet worden, sagt der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Frank Wallenta, auf ap-Anfrage. Der Bruder soll in engem Kontakt zu Youssef, der derzeit in Berlin inhaftiert ist, gestanden und ihn während der Planungsphase zu den Anschlägen besucht haben. Er selbst befindet sich derzeit im Libanon in Haft und wird vernommen; bislang wurde keine Anklage erhoben.
Nach Aussagen von Jihad Hamad diente das schwedische Domizil des vierten Verdächtigen (also der Bruder von Youssef) als Treffpunkt radikaler Islamisten, so ein Bericht des Focus. Die Bundesanwaltschaft machte keine Angaben über die Identität des Verdächtigen und nannte auch keine Details. Als dritten Verdächtigen ermitteln die Beamten gegen den Syrer Fadi A.S., der festgenommen und später wieder freigelassen wurde. Er sieht seine Festnahme nach eigenen Worten als Mißverständnis (Verhinderte Attentäter: Bundesanwalt ermittelt gegen vierten Kofferbomber; AP, 25.03.2007; sueddeutsche.de)
29.03.07
Gegen den in Berlin in Untersuchungshaft sitzenden Kofferbomber Youssef al-Hajdib wird nicht mehr als Mitglied einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Dies hat der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs nach Anhörung des Generalbundesanwalts sowie des Beschuldigten und seines Verteidigers beschlossen. Zwar bleibe der Tatverdacht wegen des „versuchten vielfachen Mordes“ gegen Hajdib bestehen, so die Richter. Die Anhaltspunkte, daß sich al-Hajdib und sein Komplize mit eienr dritten Person zu einer terroristischen Vereinigung zusammengeschlossen haben könnten, reiche „für die Annahme eines entsprechenden dringenden Tatverdachts nicht aus“. In dem Beschluß wird der dritte Verdächtige, der Syrer Fadi al-S. gar nicht erst erwähnt; Auch die gegen al-Hajdibs Bruder Khaled halten die Bundesrichter nicht für stichhaltig genug (Kofferbomber: Zur Terror-Anklage reicht es nicht; stern.de – 29.03.2007)

31.03.07
Fahnder des BKA sollen nach einem Vorabbericht des Spiegel auf einer Festplatte die Bilder des Terroristen Osama bin Laden sowie mehrerer bekannter Haßprediger rekonstruiert haben können. Auf dem Datenträger solle unter anderem auch ein Enthauptungsvideo mit dem Titel „Der Prinz der Schlächter“ sein, in dem bin Laden und der später im Irak getötete Terrorist Abu Mussab al-Sarkawi zum Heiligen Krieg aufrufen. Ein weiteres Bild zeige einen Behälter mit weißem Pulver. Eine chemische Formel als Aufschrift weise darauf hin, daß es sich möglicherweise zum Bau einer Bombe eigne (ddp, 31.03.07; yahoo Deutschland Nachrichten)

06.04.07
Die mutmaßlichen Kofferbomber wollten sich für Kampfeinsätze im Irak empfehlen. Das behauptet laut Spiegel einer der beiden Verdächtigen. In einer E-Mail eines der Libanesen wurden die geplanten Anschläge als „Aufnahmetest“ bezeichnet. Der Hauptverdächtige Youssef al Hajdib habe die Mail an seinen Komplizen Jihad Hamad geschickt. Darin habe er auch den Besuch seines Bruders Khaled al Hajdib aus Schweden angekündigt. Schwedische Behörden vermuten dem Bericht zufolge, der Bruder habe Kämpfer für den Irak rekrutiert und Spenden gesammelt.
Die Bundesanwaltschaft halte es für möglich, daß der Bruder des Hauptverdächtogen in die Anschläge eingeweiht oder sogar der Auftraggeber gewesen sei, berichtet der Spiegel. Laut libanesischen Quellen soll er Kontakte zur Terrororganisation El Kaida haben. Er sei unlängst im Libanon verhaftet worden. Der in Beirut im Gefängnis sitzende Jihad Hamad sagte dem Spiegel, Youssuf al Hajdib habe „Macht über ihn“ gehabt und ihn zu den Anschlägen überredet. Es sei ein Fehler gewesen, und er danke Gott, daß die Brandsätze nicht zündeten (Terrorplan: Kofferbomber wollten im Irak kämpfen; welt online, 06.04.07)

Die Kofferbomber wollten nach Informationen des Spiegel ursprünglich sogar die Kölner Hohenzollernbrücke sprengen. Nur die Schwierigkeiten, entsprechende Mengen Sprengstoff zu besorgen, brachte sie auf die Idee, statt dessen Zugreisende in die Luft zu jagen. Angeblich war Youssef al Hafdibs Bruder, der im Libanon inzwischen inhaftiert wurde, der eigentliche Drahtzieher der Anschläge. Von seinem Wohnsitz in Schweden habe der Libanese mit Verbindungen zu Al Qaida Rekruten für den Terror im Irak angeworben. So auch den eigenen Bruder und dessen Freund. Die Terroranschläge in Deutschland galten als Aufnahmeprüfung (Kofferbomber wollten Kölner Brücke sprengen; politicallyincorrect.de, 06.04.07)

11.04.07
Prozeßbeginn gegen Jihad Hamad in Beirut. Aufgrund des Geständnisses und der Tatsache, daß sich die Taliban im Libanon zu organisieren suchen, rechnen Beobachter mit einem harten Urteil von im Höchstfall 25 Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit für Hamad (Prozeß um Kofferbomben von Köln beginnt in Beirut; Reuters online, 11.April 2007)

Hamads erster Auftritt vor Gericht dauerte ganze acht Minuten. Die Sitzung wurde auf den 18.04.07 vertagt (Rhein-Zeitung, 12.04.07)

Der Prozeß gegen Jihad Hamad in Beirut wird nach neun Minuten schon wieder vertagt. Seine drei Mitangeklagten sind: der 21-jährige Aiman Abdullah Hawwa, der verdächtigt wird, Anleitungen zum Bombenbau und Botschaften von Osama Bin Laden besorgt und zu den beiden Akteuren nach Deutschland gemailt zu haben; der 23-jährige Chalid al-Hajdib, der den Kontakt zwischen seinem in Deutschland studierenden Cousin Youssef und dem nach Deutschland reisenden Jihad Hamad hergestellt haben soll und der 24-jährige Chalil Bubu, dessen Telefonnummer in einem der Bombenkoffer gefunden wurde; Bubu sitzt bereits wegen des Mordversuchs an einem libanesischen Soldaten und des Niederbrennens der dänischen Botschaft in Beirut während der Karrikaturenkrise im Gefängnis und muß sich nun erneut verantworten; der fünfte Angeklagte ist Youssef al-Hajdib und der sechste Saddam al-Hajdib, ebenfalls ein Cousin von Youssef; er ist auf der Flucht. Dem Antrag der Anwälte, den Prozeß an das Gericht von Tripoli, der Heimatstadt dreier der Verdächtigen zu verlegen. Das Gericht will über die Vertagung eine Woche später entscheiden (Spiegel online – 11.4.07).

(Quellen: Netzeitung, 26.8.06; Leipziger Volkszeitung online, 23.08.06;“Versuchte Bombenanschläge vom 31.Juli 2006, Wikipedia; Sandra Petersmann: Die „Kofferbomber“: eine Chronologie der Ereignisse, www.dw-world.de; Bombenfunde in Koblenz und Dortmund: Chronik der Ereignisse, Stand 27.08.06 und 06.04.07), www.wdr.de )

Mitte April 2007
Der Bundesgerichtshof hat die Haftbedingungen des mutmaßlichen Kofferbombers Youssef Mohamad al Hajdib erleichtert. Ab sofort werden der Schriftverkehr und die Gespräche zwischen ihm und seinen Verteidigern nicht mehr kontrolliert. Es gibt auch keine Trennscheibe mehr.
Als Grund für die Hafterleichterungen nennt Bundesrichter Dieter Wolst eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 22. März: Danach bestehe „gegen den Beschuldigten nicht der dringende Tatverdacht sich als Mitglied an einer terroristischen Vereinigung beteiligt zu haben“. Das Gericht rückt damit vom Vorwurf der terroristischen Vereinigung nach § 129a ab. Um den Paragraphen 129a zu erfüllen, müssen sich mindestens drei Personen für eine „gewisse Dauer“ zusammengetan haben. Die Strafverfolger konnten über al-Hajdib und den im Libanon inhaftierten Hamad hinaus keine weiteren dringend Verdächtigen ausmachen (Stern, 19.04.07, S. 17; AFP vom 17.04.2007).
Der Verdacht des versuchten vielfachen Mordes bleibt bestehen. (vgl. auch Meldung ots/JW vom 31.3./01.04.07)

10.05.07
Der Prozeß gegen Jihad Hamad ist in Beirut nach nur 20-minütiger Verhandlung erneut vertagt worden. „Die Verhandlung wurde auf den 22. Mai verschoben. Der Richter hat es abgelehnt, den Prozeß von Beirut nach Tripoli zu verlegen“, sagte sein Anwalt Fawas Sakariyeh. Hamad und drei Mitangeklagte waren in Tripoli festgenommen worden; dort müsse deshalb auch die Verhandlung stattfinden. Nach Informationen von Justizkreisen möchte der Anwalt den Prozeß bis Juni hinauszögern, weil dann der jetzt zuständige Richter Abu Arradsch von einem neuen Vorsitzenden abgelöst werden soll. Arradsch ist in Justizkreisen wegen seiner „harten Urteile in Terrorismusverfahren“ bekannt. Hamad drohen bis zu 25 Jahren Haft und Zwangsarbeit (Libanon: Prozeß gegen mutmaßlichen Kofferbomber vertagt; tso/dpa/Zeit online/Tagesspiegel, 10.05.07)

21. Mai 2007
Wie aus Sicherheitskreisen verlautet, kommt der Bruder von Youssef, Saddam al-Hajdib, bei Kämpfen gegen libanesische Truppen in Tripoli ums Leben. Bei der Erstürmung eines Hauses waren am 20.05. zehn islamistische Extremisten getötet worden. Eine Leiche wurde den Angaben zufolge als die al Hajdibs identifiziert, dem in Beirut wegen der versuchten Kofferbombenanschläge in Abwesenheit der Prozeß gemacht wird. Saddam al-Hajdib ist der Bruder des in Deutschland inhaftierten Youssef und ein Cousin von Khaled Khair Eddin al-Hajdib, der in Beirut wegen des versuchten Anschlags vor Gericht steht. In dem Prozeß sind drei weitere Personen angeklagt: Jihad Hamad, Ayman Hawa und Khalil al Boubou, die alle im Libanon inhaftiert sind.
Zunächst war unklar, ob den libanesischen Bhörden der Aufenthaltsort des Gesuchten bekannt war, bevor sie die Militäraktion in Tripoli und einem nahen palästinensischen Flüchtlingslager begannen, in dem die Gruppe Fatah Islam ihr Hauptquartier hat. Youssef wird voraussichtlich im Juli oder August angeklagt (Gefechte im Libanon: Verdächtiger Kofferbomber getötet (RP-online, 21.05.07).

Einer der insgesamt zehn Brüder, Saddam al-Hajdib kommt bei Gefechten zwischen militanten Palästinensern aus dem Flüchtlingslager Nahr al-Bared und den Schulter an Schulter mit ihnen kämpfenden libanesischen Islamisten auf der einen Seite und der libanesischen Armee auf der anderen Seite ums Leben. Er wurde von der libanesischen Staatsanwaltschaft angeblich schon lange gesucht – als einer der fünf Angeklagten im Beiruter Kofferbomber-Prozeß. Er soll seinen Bruder Youssef in höchsten Tönen gelobt haben, als dieser ihm von dem Terrorversuch in Deutschland erzählt habe. Saddam war laut den libanesischen Behörden einer der ranghöchsten Kommandanten der palästinensischen Fatah-al-Islam-Miliz (Süddeutsche Zeitung 22.05.07, S.3).

Seit fast acht Monaten sitzen die beiden Libanesen in Haft, der eine in Köln, der andere in Beirut. Noch immer ist unklar, welcher der beiden angeblich der Drahtzieher war. Unklar ist auch, ob es sich um einen vom Terrornetzwerk Al-Qaida beförderten Anschlagsversuch gehandelt hat oder nur um die schlampig vorbereitete Tat zweiter aufgeregter Muslime, die sich über die Mohammed-Karikaturen in Europas Zeitungen erbosten. Unklar ist angeblich auch, ob sie schon als gewaltbereite Islamisten nach Deutschland kamen oder ob sie sich während ihres Studiums gegenseitig radikalisierten. Während Youssef schweigt, hat Jihad ein Geständnis abgelegt. Seinem Anwalt Zawas Zakarija zufolge verdient Jihad deshalb mildernde Umstände. Er sei „von Youssef benutzt worden, der war der Kopf“ (Süddeutsche Zeitung, 22.05.2007).

Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) Ernst Uhrlau weist darauf hin, daß der nur knapp mißglückte Terrorakt der „Kofferbomber“ gezeigt habe: „Es kann in Deutschland ein Anschlag gelingen.“ („BND-Chef warnt vor Terrorgefahr“, www.pr-inside.com – 21.05.2007)

II Ergänzende Fakten

A Zu den Bomben

„Mit dem Schuß aus einer Wasserkanone entschärften Spezialisten die Bombe aus dem RE1. Dabei wurde die vermutliche Zündquelle, ein Wecker, mit einem Hochdruck-Wasserstrahl gezielt weggeschossen.“ (Rheinische Post, 02.08.06, S. A3)

Nach Untersuchungen der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung hätten die Kofferbomben einen Feuerball mit 15 Metern Durchmesser und umherfliegende Metallsplitter im Umkreis von hundert Metern bewirken können (Kölner Kofferbomber wollten im Irak kämpfen; Spiegel online, 5.April 2007).
Die Zerstörungskraft der Bomben war mit der Wirkung der Sprengsätze bei den Terroranschlägen am 7. Juli 2005 in London vergleichbar.(Wir kommen in die Hölle, wenn wir nichts tun; Spiegel online 8. September 2006).
Beide Züge wären vermutlich bei der Explosion entgleist (Die Chronologie der Kofferbomber-Fahndung; Netzeitung, 20.August 2006).

Zudem hat sich nach Angaben der Behörden in einem Koffer Speisestärke befunden, welche sich nach einer Explosion in Form von Feinstaub auf die Atemwege der Opfer legen und so zum Ersticken führen sollte. Dies geht aus der libanesischen Anklageschrift gegen Jihad (Dschihad) Hamad hervor (Focus, Heft 16/2007 vom 16.April 2007, S. 14)

Der Inhalt der herrenlosen Trolleys entpuppen sich „als eine selbst gebaute Konstruktion aus einer elf Liter fassenden, mit Butangas gefüllten Propangasflasche sowie einem Behälter mit 4,5 Liter Benzingemisch. Daran war ein Wecker mit Kabeln befestigt, wahrscheinlich der Zünder. Keine Laienbastelei, ist Kriminaldirektor Jürgen Kleis von der Dortmunder Polizei überzeugt, sondern ‚professionelle’ Arbeit.“ (Rheinische Post, 02.08.06, S. A3)

Laut BKA habe zwar der Zündmechanismus funktioniert, dem sei aber keine Explosion gefolgt. BKA-Chef Ziercke, der alle Vergleiche mit den Attentaten von Madrid und London in das Reich der Spekulation verweist, geht davon aus, daß eine Explosion zu „ausgebrannten Waggons“ und einer unbestimmten Anzahl an Verletzten und möglicherweise Toten“ geführt hätte. Beide Bomben sollten am 31. Juli um 14.30 Uhr auf freier Strecke vor den Bahnhöfen Koblenz und Dortmund explodieren. „Das wissen wir definitiv.“ (Kölner Stadtanzeiger, 19.08.06, S.3).

BKA-Chef Ziercke auf der Pressekonferenz am 18.08.06: „Wir wissen definitiv, daß eine Zündauslösung in beiden Fällen erfolgt ist.“ Und: „Sicher ist nach unserer Analyse, daß die Täter die Explosionen auslösen wollten!“ Über Einzelheiten des Bombenbaus hält sich das BKA eher bedeckt, „aus kriminaltaktischen Gründen, aber auch weil wir den Tätern keine Hinweise und Anleitungen geben wollen“ (zit. nach: Gerhard Wisnewski: Die „Kofferbomber“ von Deutschland; www.wahrheitssuche.org/Kofferbomber.html)

Die Herstellung der Kofferbomben sei in einer Woche zu bewerkstelligen gewesen, heißt es in Sicherheitskreisen. Bei den Experten überwiegt die Ansicht, die Täter hätten den Konstruktionsfehler – es mangelte an Sauerstoff zur Auslösung einer Explosion – nicht gewollt. Eine Warnung an Deutschland mit defekten Bomben sei wenig wahrscheinlich. Eher müsse man vermuten, die Bombenleger hätten einen klassischen Mechanismus in Gang setzen wollen: Die Anschläge versetzen das Land in Panik – wenige Wochen später rühmt Al-Qaida-Vizechef Aiman als Sawahiri in einer Botschaft, wie nach früheren Anschlägen, die Attentate als gerechte Rache an den „Kreuzrittern“ (Der Tagesspiegel, 22.08.06, S.2)

ZEIT-Autor Jochen Bittner kommt in seinem Artikel vom 31.08.06 zu einem anderen Schluß:
Das einzige Netzwerk, das die verdächtigen jungen Männer als Informationsquelle brauchten, war das Internet. Und was sie fehlerhaft zusammenbastelten läßt sich strenggenommen nicht als „Bombe“ bezeichnen, sondern höchstens als dilettantischer Versuch, eine solche herzustellen.
Fahnder berichten, die Täter hätten statt des in einem Chatroom angegebenen speziellen Stoffes für den Bombenbau das leichter zu beschaffende Propan benutzt. Um einen Propangasbehälter zur Explosion zu bringen, muß jedoch entweder Sprengstoff in der Flasche zünden oder aber von außen enorme Hitze auf sie einwirken. Für keines von beidem waren diese Konstruktionen jedoch präpariert. Lediglich ein Glühdraht sei in die Flaschen eingesetzt gewesen, heißt es. Eine gewaltige Stichflamme hätte zwar die Folge sein können, glauben Experten, kaum aber eine Detonation, die einen Zug hätte entgleisen lassen können. Für das Scheitern war also kein Zufall verantwortlich, sondern ein grundlegender Konstruktionsfehler. Die vermeintlichen „Kofferbomber“ waren alles andere als Profis (Die ZEIT, 31.08.06, S.8).

Ein Sprengstoffexperte im Spiegel, Bodo Plewinsky, geht ebenfalls davon aus, daß die Bomben dilettantisch gebaut waren. Nach dem, was ihm bekannt war, handelte es sich um eine Druckgasflasche und einen Behälter mit Benzingemisch. Das Benzin sollte anfangen zu brennen, die Flasche zum Bersten bringen und dann das Gas-Luft-Gemisch zünden. „Das wäre wie eine Gasexplosion in einem Wohnhaus gewesen, das hält kein Zug aus. Doch offensichtlich hat nicht einmal das Benzin angefangen zu brennen.“ Das Benzingemisch kann nicht bei jeder Zusammensetzung explodieren. Wenn das Luftgemisch zu wenig Benzin enthält, spricht man von einer „zu mageren“ Mischung; es gibt auch das Gegenteil, eine zu „fette“ Mischung. Dann ist zuviel Butan-Gas in der Luft; auch dann findet keine Explosion statt. Plewinsky geht davon aus, daß das Profis nicht passiert wäre. Das brennende Benzin sollte die Flasche mit dem Butangas platzen lassen, aber die Frage ist seiner Meinung nach, ob die Flasche überhaupt birst. Zum einen weil das Benzin sonst wo hinlaufen konnte. Zum anderen ist in den Butangasflaschen eine gewisse Sicherheit eingebaut, so daß sie einen erheblich erhöhten Innendruck aushalten. Nach Ansicht des Experten stehen die Informationen zum Bau einer solchen Bombe im Internet oder in Büchern, das Material ist leicht zu beschaffen; aber „eigentlich müßte man sich mit so etwas länger beschäftigen. Das kann man nicht in zwei Wochen lernen. Da ich aber glaube, daß die Bombe stümperhaft gebaut war, ist schwer zu sagen, wie lange sich die Attentäter wirklich damit beschäftigt haben.“ Nachfrage des Reporters: „Dann sind wir gar nicht so nah an einer Katastrophe vorbeigeschrammt?“ Antwort des Experten: „Ja, das scheint so. Wenn allerdings etwas anderes in den Flaschen gewesen wäre, hätte ich schon Angst gehabt. Es gibt Substanzen, die erheblich gefährlicher gewesen wären“ (spiegel online 21.08.2006)

B Über Ziele und Zeitpunkt der Anschläge

Die versuchten Terroranschläge sollten angeblich schon während der Fußball-Weltmeisterschaft verübt werden. Das habe sich bei der Vernehmung der Tatverdächtigen herausgestellt, berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung unter Berufung auf Ermittler. Daß der Plan verschoben wurde, hätten die mutmaßlichen Täter damit begründet, daß ihnen Bedenken über die Risiken und Auswirkungen gekommen seien. Das BKA wollte diese Informationen auf Anfrage der ARD weder bestätigen noch dementieren (Gescheiterte Bahnanschläge.Kofferbomber hatten WM im Visier, Tagesschau.de, 02.09.06)

Laut Ermittlungsakten soll das ursprüngliche Ziel des Anschlag die Sprengung der Kölner Hohenzollernbrücke gewesen sein. Dieser Plan soll aber mangels ausreichender Sprengstoffmenge geändert worden sein (Kölner Kofferbomber wollten im Irak kämpfen, Der Spiegel vom 5. April 2007)

C Über die Täter

1) Die Einzeltäter-These

Über die Täter kurz nach dem Anschlag äußert sich Prof. Gallwitz, (Profiler der Polizeifachhochschule in Villingen-Schwenningen, Experte in der Analyse von Tatorten, Gutachter für den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, Berater bei Polizeieinsätzen) über die Psyche des möglichen Bombenlegers. Er geht davon aus, daß es sich nicht um einen Angriff mit internationalem terroristischem Hintergrund handelt:„Jede Gasflasche ist gefährlich und kann explodieren. Eine Gasflasche und Benzin kann jeder besorgen…Nur wenn die Flasche im Pfandsystem abgegeben wurde, gibt es eine Chance zu ermitteln, wo die Flasche verkauft wurde.“(Neue Rhein-Zeitung, 03.08.06)

Auch nach Ansicht des Experten Kai Hirschmann vom Institut von Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik sind die Kofferbomben nicht von Terroristen deponiert worden: “Die Vorgehensweise und die Machart der Bomben deuten auf einen semiprofessionellen Hintergrund hin.“ Er gehe davon auf, daß es sich eher um einen verwirrten Einzeltäter handele, einen Bastler, der die Sprengsätze aber nicht wirklich zünden wollte. Erpressung, Rache an der Bahn oder Streben nach Aufmerksamkeit könnten mögliche Motive sein (Neue Rhein-Zeitung, 03.08.06)

Mit Hilfe eines Kriminalpsychologen beschrieb die BILD-Zeitung das „Profil des irren Bahn-Bombers“: „Er ist Einzeltäter, zwischen 30 und 50 Jahre alt, er wird neue Bomben legen oder Bekennerschreiben schicken.“ (BILD-Zeitung vom 04.08.06)

Nach dem Fund der beiden Rollkoffer dauerte es vier Tage, bis das Wort „Terror“ in der Berichterstattung überhaupt auftauchte. Die Polizei Dortmund sprach zunächst neutral von einer „Sprengvorrichtung“. Man dachte zunächst an erneuten Fall von Bahn-Erpressung. Auch als erste Hinweise von den Ermittlern weitergegeben wurden, daß eine Tüte mit Speisestärke aus dem Libanon in einem der Koffer gefunden worden war, wurde in der veröffentlichten Meinung immer noch kein Al-Qaida-Verdacht gehegt. Auch der Dortmunder Staatsschutz ging noch immer „eher von allgemeiner Kriminalität aus“. Schließlich verschwand der „irre Bahnbomber“ vom 10. August an vorübergehend gänzlich aus den Nachrichten. Denn in London hatten unzweifelhaft echte Terrorverdächtige ernsthaft versucht zuzuschlagen. Laut britischer Polizei hätten sie mit Flüssigsprengstoff im Gepäck geplant, bis zu zehn Passagiermaschinen auf dem Weg in die USA zum Absturz zu bringen. Anschließend dachte in Deutschland keiner mehr an die Gasflaschen-Attentate.
Auf die Frage, ob sich die Sicherheitslage in Deutschland nach den vereitelten Anschlägen von London verändert habe, sagte Innenminister Schäuble am 14. August dem SPIEGEL: „Bisher nicht“ (Die Zeit, 31.08.06).

2) Die „Kofferbomber“ als Terroristen

Am 18. August lud der Chef des Bundeskriminalamtes zur Pressekonferenz, um das Publikum mit einem Horrorszenario zu überrumpeln: „Erinnerungen an die Anschläge in Madrid im Jahr 2004 und London im Jahr 2005“ würden aufgrund der jüngsten Kofferbomben-Ermittlungen bei ihm wach, sagte Jörg Ziercke. Durch das Benzin hätte ein „Feuerball“ entstehen können, Waggons wären ausgebrannt, die Züge womöglich entgleist – mit einer „unbestimmten Anzahl von Toten und Verletzten“. Die Medien reagierten mit einer entsprechenden Stimmungsmache. Die BILD-Zeitung will nun „aus sicherer Quelle“ erfahren haben, daß die „radikal-schiitische Hisbollah“ ein Bekennerschreiben abgeliefert habe. FOCUS schrieb, „allein die Tatsache, daß die elf Liter fassenden Propangasflaschen mit zu wenig Sauerstoff gefüllt waren, habe verhindert, daß „in einem Umkreis von 100 Metern alles Leben“ ausgelöscht worden sei. Die Generalbundesanwältin Harms befand, die beiden gesuchten Libanesen seien Teil eines professionellen Netzwerkes, das „schwere Gewalttaten in der Bundesrepublik plane“. Kofferbomben wie die vorgefundenen zu bauen erfordere schließlich „detailliertes Wissen und Können“ (Die ZEIT, 31.08.06, S. 8)

Bei der Pressekonferenz am 18. August 06 präsentiert das BKA der Öffentlichkeit Videoaufnahmen, die von Überwachungskamera am Kölner Hauptbahnhof stammen und von BKA-Spezialisten überarbeitet wurden. Sie zeigen zwei dunkelhaarige junge Männer, die nacheinander am 31. Juli kurz nach 12.30 Uhr die Rolltreppe der Gleise 2 und 3 nehmen. Sie tragen dunkle Hosen und weiße T-Shirts, und ziehen schwere Trolleys hinter sich her. Keine Sonnenbrille, keine Kappe, keinen Bart zur Tarnung: Wer sie kennt, müßte sie auf den veröffentlichten Videos identifizieren können. Insgesamt acht Minuten Bildmaterial stellen die Ermittler ins Internet. (Kölner Stadtanzeiger, 19.08.06, S.3)

3) Über Youssef Mohamad al-Hajdib

a) Über seine Verhaftung
In Kiel wurde am frühen Morgen des 19.08.06 der Hauptbahnhof vollständig abgesperrt. Grund war ein Bombenalarm und die Festnahme des mutmaßlichen Bombenlegers. Neben der Festnahme wurde auch eine Durchsuchung in einem Kieler Studentenwohnheim im Stadtteil Projensdorf; außerdem wurde auch ein Teich nach Computerteilen und Sprengstoff gesucht (wikinews, 19.08.06)

Al-Hajdib hat einen Koffer bei sich und wollte sich laut Generalbundesanwältin Monika Harms absetzen. In den beiden Bombenkoffern, die am 31.Juli in Regionalzügen in NRW explodieren sollten, wurden Harms zufolge DNA-Spuren des Studenten sowie ein Fingerabdruck von ihm gefunden. (Bombenfunde in Koblenz und Dortmund. Chronik der Ereignisse. www.wdr.de)
Seit seiner Verhaftung befindet er sich in Untersuchungshaft in der Berliner Haftanstalt Moabit.
Bei dem jungen Mann handelt es sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft definitiv um einen der beiden Bombenlegern. DNA-Spuren aus einem Trolley mit dem Sprengsatz sowie Fingerabdrücke stimmten mit den Spuren des Festgenommenen überein, teilte Generalbundesanwältin Monika Harms am 19.08.06 in Karlsruhe mit. Der libanesische Student habe sich drei Wochen nach den Anschlägen aus seinem Wohnort Kiel kurz vor der Festnahme am frühen Samstagmorgen absetzen wollen.
Der Festgenommene sei der Mann, der auf den Videoaufnahmen mit einem Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen gewesen sei. Nach ersten Einschätzungen der Ermittler soll es sich bei dem Mann und dem noch gesuchten zweiten Verdächtigen keineswegs um Einzeltäter handeln. „Es handelt sich um eine Tätergruppierung, die eine dauerhafte Struktur aufweist“, sagte Generalbundesanwältin Monika Harms. Ein Bekennerschreiben liegt nach Angaben der Bundesanwaltschaft nicht vor (Kiel: Kofferbomber vor geplanter Flucht gefaßt; focus online, 19.08.06, 17:54 Uhr)

Fahnder hatten Hajdib am 19.08.06 am frühen Morgen im Kieler Hauptbahnhof gefaßt. An einem Imbißrestaurant überraschten die Polizisten den Gesuchten, als er sich nach Hamburg absetzen wollte. Sogar das Eßbesteck des Verdächtigen nahmen sie mit. Zuvor hatten Ermittler auch das Studentenwohnheim durchsucht, in dem der Verdächtige wohnte: Polizei und BKA filzten Gebäude, unter anderem wird eine Werkstatt gefunden, heißt es in Berichten. Nachbarn beschrieben ihren Kommilitonen als freundlich, immer lächelnd, wenn sie ihm begegneten. Ständig habe der Verhaftete Besuch gehabt, schildert einer dem ZDF. Mit der Zeit habe man sich von ihm entfremdet, die Distanz sei immer größer geworden. Auch die Umgebung erregte das Interesse der Fahnder. Polizisten in Spezialausrüstung tauchen in eine See hinab und fischten u.a. einen Personalcomputer heraus Am Nachmittag war dann klar: Der Student aus Kiel ist einer der beiden gesuchten Bombenleger. Ein DNA-Vergleich habe alle Zweifel beseitigt, so Harms.(„Haftbefehl gegen Kofferbomber erlassen, Netzeitung, 20.08.06)

Außerdem, heißt es in Ermittlerkreisen, seien Quittungen über den Kauf je einer Gasflasche sowie ein Kaufbeleg über die Befüllung der Flaschen gefunden worden (Daheim beim Kofferbomber,Cicero Oktober 2006)

Der Libanese Youssef al-Hajdib war angeblich direkt nach dem versuchten Anschlag zusammen mit seinem Komplizen in den Libanon geflohen, mußte aber schon eine Woche später wieder zurück nach Deutschland. Sein ahnungsloser Vater zwang ihn, sein Ingenieur-Studium in Kiel fortzusetzen. Der 21-jährige gehorchte – und reiste direkt in die Arme der Fahnder (Sandra Petersmann: Die “Kofferbomber“: eine Chronologie der Ereignisse. www.dw-world.de )

b) Über seine Person, sein Studium, seine Gewohnheiten
Wohnstationen von Youssef al-Hajdib: Friedrich-Ebert-Str. in Mülheim an der Ruhr; bewirbt sich unter dieser Adresse für einen Platz am Studienkolleg in Kiel; im Sommersemester 2005 Beginn der Ausbildung am Studienkolleg als Vorbereitung für FH-Studium in Mechatronik; muß das erste Semester aufgrund schlechter Leistungen wiederholen; wohnt in der Zeit am Steenbeker Weg in Kiel. Nach Informationen von Spiegel online hatte Hajdib während dieser Zeit noch eine zweite Adresse: Kleiner Pulverteich 17-21 im Hamburger Stadtteil St. Georg. Dort gibt es ein Islamisch-Albanisches Kulturzentrum, die Nur-Moschee, eine albanische und pakistanische Moschee. In dem Zentrum befindet sich auch eine Pension, eine Art Wohnheim. Rund 50 Menschen aus aller Welt wohnen dort laut Hausmeister, manche nur für ein paar Tage, manche für ein paar Jahre.
In Kiel habe der 21-jährige Libanese den Islam sehr streng ausgelegt, sagte ein gleichaltriger deutscher Zimmernachbar. Er habe täglich auffallend viel Besuch von Glaubensbrüdern gehabt und oft im Keller des Hauses einen Gebetsraum benutzt. Ein Zimmerkollege hielt ihn für unreif: „Er ist eigentlich noch ein Kind. Er spielte gern.“ Ernsthaft habe man sich nicht mit ihm unterhalten können. Ernsten Themen sei der Libanese stets ausgewichen.
Der kommissarische Leiter des Studienkollegs, Rainer Wurow-Radny sagte: Al-Hajdib sei „in keiner Weise religiös auffällig gewesen, weder durch Kleidung noch durch sonst irgend etwas“ (Kofferbomber: Spuren nach Hamburg und Mülheim, SPIEGEL online, 21.08.06).

Al-Hajdib schien nicht besonders integriert gewesen zu sein. Einer seiner Lehrer, Rainer Wurow-Radny: „Im Nachhinein habe ich mich schon gefragt, ob der wirklich hier studieren wollte oder ob das nicht Tarnung war.“ Seine akademische Karriere sollte erst im Herbst beginnen. Bis zum Juli saß der Libanese in einem Vorbereitungskurs für ein Fachhochschulstudium im Kieler Studienkolleg. Doch während seine Mitstudenten Kontakte zu Deutschen suchen und das Leben in Kiel genießen, kapselt sich Youssef selbst von den meisten Arabern in seiner Klasse ab; er sitzt allein am Zweiertisch, erscheint zu keiner Party, gilt als streng religiös und einzelgängerisch. Deutsch lernt er nur langsam, bekommt eine Fünf und muß das Semester wiederholen (Die Zeit, 24.08.06, S.3).
Bei einer Diskussion im Kolleg über die umstrittenen Mohammed-Karikaturen im Januar 2006 verhält sich Youssef sehr auffällig: total radikal und aggressiv. Er streitet sich mit seiner Lehrerin und vertritt die Position, Gewalt sei gerechtfertigt, wenn der Prophet beleidigt würde. Wenig später, am 10. Februar 2006 zeigt ihn das Schleswig-Holstein-Magazin des NDR an der Spitze eines Demonstrationszuges gegen die Mohammed-Karikaturen in Kiel. Nach dem Streit mit der Lehrerin fehlt Youssef immer häufiger im Unterricht. Im Frühjahr droht ihm die Kolleg-Leitung mit Rauswurf. Angeblich habe er daraufhin Atteste von verschiedenen arabischen Ärzten vorgelegt. Trotz Zweifeln läßt sich die Kolleg-Leitung erweichen, Youssef bleibt eingeschrieben. Er hatte anscheinend gute Kontakte zu den Marrokanern, berichten seine Mitschüler. Die ZEIT resümiert, daß das, was über ihn bekannt ist, keineswegs den Schluß nahelegt, er sei ein gedrillter Al-Qaida-Jünger: „Ein ‚Profi’ hätter wohl kaum so laut den Mund aufgerissen wie er. Er hätte auch nicht so viele Spuren in den Kofferbomben hinterlassen.“ Also kein Al-Qaida-Anschlag, sondern „einer aus Familienbande geborenen terroristischen Amoktat“ (Die Zeit, 24.08.06, S.3).

Youssef Mohamad E.H. hatte sein Studium der Mechatronik an der Kieler FH offenbar noch nicht aufgenommen. Er besuchte nach Auskunft des Kultusministeriums ein Studienkolleg, wo er am 7.Juli eine Sprachprüfung bestand, die zum Studium an der FH berechtigt. Mitbewohner zeichnen eindeutig das Bild eines strenggläubigen Muslims. „Er trug lange Haare und den typischen Vollbart. Für ihn gab es keinen Alkohol, keine Disco, keine Mädchen“, erzählen sie. Sein deutscher Zimmernachbar Henning erzählt, der Libanese habe zurückgezogen gelebt, habe aber gleichzeitig ständig Besuch von mutmaßlichen Glaubensbrüdern gehabt. „Fünf Mal pro Tag, manchmal sogar häufiger sind Leute für ihn gekommen. Die haben sich tagtäglich in großer Gruppe getroffen, das ist für die normal“, sagt er. Youssef sei auch oft im kargen Gebetsraum im Keller des heruntergekommenen Hauses gewesen. Er habe den Libanesen als nett empfunden. „Aber wenn man mit ihm mal geschnackt hat, dann meist über den Islam“.
Der 21-jährige sei erst am vorvergangenem Mittwoch (09.08.06) von einer dreiwöchigen Reise aus dem Libanon zurückgekommen, so Henning weiter. Youssef habe ihm bei seiner Rückkehr erzählt, daß sein älterer Bruder bei israelischen Angriffen getötet worden sei. Er sei deswegen bei seinen Eltern in Damaskus gewesen (Bahn: Der geheimnisvolle Kofferbomber, DPA, 21.08.06, auf www.stern.de; 22.08.06)

Anders als die meisten Studen wohnt Youssef nicht auf dem Campus der Fachhochschule in Kiel-Dietrichsdorf, sondern am anderen Ende der Stadt, in Kiel-Projensdorf, nahe der Chrsitian-Albrechts-Universität. Im Haus 4 des Edo-Osterloh-Studentenwohnheims gibt es eine Keller-Moschee, nur für Männer. Dorthin, berichtet eine Mitbewohnerin, sei er regelmäßig zum Beten gegangen (Die Zeit, 24.08.06)

c) Über Youssefs Familie
Die in Tripoli lebende Familie gibt sich weltoffen und tolerant. Einer der neun Brüder arbeitet in Dänemark, ein anderer in Schweden; der 37-jährige Khalid war bis Mitte der 90er Jahre sogar mit einer Schwedin verheiratet, und auch eine seiner vier Schwestern lebt dort. Youssef liebte Deutschland, behauptet sein Bruder Hamseh, 23. Er teilte mit Youssef vor dessen Abreise das Zimmer.
Einige der Brüder seien der radikal-islamischen Szene zuzuordnen, so libanesische Geheimdienstler gegenüber dem STERN. Khalid lebt noch immer in Schweden, ist aber häufig in Tripoli. Nach Youssefs Festnahme blieb er zunächst in Tripoli – ein paar Tage später setzte er sich mit seinem Bruder Omar nach Syrien ab.
Ein weiterer Bruder Youssefs, Ali, Taxifahrer in Dänemark und ebenfalls gerade in Tripoli, wurde zeitweilig festgenommen.
Nach STERN-Informationen hatte Youssefs ebenfalls von der libanesischen Polizei verhafteter Cousin Khalid (heißt der auch Khalid wie der Bruder oder was?) den Kontakt zwischen Youssef und Jihad Hamad hergestellt. Die beiden chatteten zunächst im Internet miteinander. Mitte Juni, sechs Wochen vor dem mißglückten Attentat zog Youssef bei Jihad in Köln ein. Sie teilten sich die Kosten für Miete und Essen. Jihad ließ Youssef, den Älteren, im Bett schlafen, er selbst richtete sich auf dem Fußboden ein.
Der Vater Ibrahim al Hajdib, 66, präsentiert dem STERN immer wieder die Unterlagen zum Deutschland-Aufenthalt seines Sohnes: das Sprachzeugnis und die Studienzulassung. Zwischen den Unterlagen findet sich auch eine Abmeldebestätigung der Stadt Köln, obwohl Youssef doch angeblich zurück nach Deutschland wollte (STERN, Heft 36/2006 vom 31.08.06, S. 54)

4) Über Jihad (Dschihad) Hamad

a) Über seine Familie
Am Morgen des 24. August brach ein libanesisches Anti-Terror-Kommando in die Wohnung der Familie Hamad in Tripoli ein. Vater Shahid wird verhaftet und massiv unter Druck gesetzt: Wenn er seinen Sohn nicht ausliefere, werde er selbst in Gewahrsam genommen. Um seinen Vater zu schützen, sei Jihad schließlich aus dem Versteck gekommen. Er war kurz nach dem versuchten Anschlag überraschend bei seiner Familie in Tripoli aufgetaucht. Er habe sich Sorgen wegen des Krieges gemacht, begründete er seinen Besuch. Der Vater gibt an, über den Besuch sehr verärgert gewesen zu sein, weil es der Familie schließlich eine Menge Geld koste, daß er in Deutschland studieren kann. Der Vater habe ihm dem Sohn ins Gesicht gespuckt und eine Ohrfeige verpaßt. Er hätte sich daraufhin außerhalb der Stadt versteckt und von Trauben und Feigen ernährt.
Nachdem er sich aufgrund des Drucks den libanesischen Behörden gestellt hatte, legte Jihad ein Teilgeständnis ab: Er gab zu, ein Gepäckstück im Regionalzug deponiert zu haben, ohne zu wissen, was sich darin befand. Obwohl die Beweislast gegen den jungen Libanesen erdrückend zu sein scheint, sehen Eltern und Verwandte die Situation anders: Die Videoaufnahmen könnten ja manipuliert worden sein. Und das in Beirut abgelegte Geständnis sei bestimmt erzwungen. „Er war so ein lieber Junge, so schüchtern und so hilfsbereit“, so die Tante. Auch die Mutter betont, daß Jihad anderen gegenüber liebevoll sei, insbesondere zu kleinen Kindern. Radikale Ansichten seien der Familie fremd (Kölner Stadtanzeiger, 29.09.06, S. 3)

Beitrag im Cicero Oktober 2006/von Ulrike Hummel: Daheim beim Kofferbomber. Cicero besuchte seine Eltern in Tripoli:
Die elterliche Wohnung der Hamads wurde am 24. August gestürmt. Als das libanesische Anti-Terror-Kommando den mit internationalem Haftbefehl Gesuchten zu Hause nicht antreffen, nehmen sie seinen Vater mit zum Verhör. „Bring uns deinen Sohn oder wir behalten dich hier“, habe man ihm gedroht, erzählt Shahid Hamad. Als er wieder zu Hause ist, konsultiert er Fawaz Zakaria, den Anwalt der Familie. Gemeinsam gehen sie zu Dschihad, der sich angeblich wegen eines Familienstreits unweit der elterlichen Wohnung versteckt hält. „Dschihad stand am 5. oder 6. August vor der Tür. Ich war über seinen Besuch so verärgert, daß ich ihm ins Gesicht gespuckt und eine Ohrfeige verpaßt habe.“ Der Anwalt rät Dschihad, nach einem langen Gespräch, sich zu stellen. Am Morgen des 24. August (?) übergibt der Vater Shahid in der Gewißheit, daß Dschihad „nichts mit dem Anschlag in Deutschalnd zu tun hat“, seinen Sohn der Polizei. Die Mutter erleidet kurze Zeit später einen Nervenzusammenbruch. Sie wird drei Tage lang nichts essen und trinken….

Cicero hat angeblich auch mit dem Hausmeister von Hamads früherer Schule, der „Ecole Secondaire Orthodoxe“ in Tripoli, dem Schuldirektor und der Sekretärin im Vorzimmer des Schuldirektors gesprochen; alle Namen werden im Artikel genannt. “Ein intelligenter Schüler, sehr gut erzogen, besonders höflich, keine Probleme mit Schulkameraden, schnell Freunde gefunden.“ (Hausmeister);“schüchterner Kerl, der sich immer schämte, wenn er lachte, ganz normaler Schüler, ganz unauffällig, weder besonders ruhig, noch besonders lebendig“ (Sekretärin des Schuldirektors);
„Ich kenne die Eltern des Jungen gut. Eine arme Familie, aber fleißig und sehr angesehen. Als Shahid Hamad damals zu mir kam, weil er seinen Sohn auf unsere Schule schicken wollte, habe ich ihm einen besonders guten Preis gemacht“. Der Direktor läßt sich Unterlagen heraussuchen: die Leistungen in den ersten Jahren waren konstant gut; in einer Bemerkung heißt es: sehr guter Schüler, anständig du gleißig; in den letzten Jahren der Schulzeit gingen seine Leistungen zurück, nur noch ausreichend. Das Abitur hat Jihad erst beim zweiten Anlauf bestanden; der Direktor habe ihn als freundlichen und ruhigen Schüler in Erinnnerung; stets gut benommen, keine Probleme, schon gar nicht wegen seiner Religionszugehörigkeit (Cicero, Oktober 2006).

b) Über seinen Anwalt
Fawaz Zakaria, Anwalt von Jihad Hamad, sieht seinen Mandanten allenfalls als „letztes Glied“ in einr Kette des Terrors. Er habe „detaillierte Informationen übe eine Terrorzelle, die größer ist, viel größer“ als bisher angenommen. Details wollte er nicht preisgeben (KStA, 29.09.06, S. 3)

c)Prozeßbeginn gegen Jihad Hamad
Am 11. April 07 begann der Prozeß gegen Hamad in Beirut. Aufgrund des Geständnisses und der Tatsache, daß sich die Taliban im Libanon zu organisieren suchen, rechnen Beobachter mit einem harten Urteil von im Höchstfall 25 Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit für Hamad (Prozeß um Kofferbomben von Köln beginnt in Beirut; Reuters online, 11.April 2007)

d) Hamads Geständnis
Jihad Hamad hat gestanden, daß er am 31. Juli 2006 im Regionalzug Aachen/Hamm einen Sprengstoffkoffer plaziert hatte. Als Motiv gab er Rache für die Veröffentlichung der dänischen Karikaturen des Propheten Mohammed an.
Hamad bezeichnete in einem Interview mit dem SPIEGEL seinen in Deutschland inhaftierten Komplizen, den Libanesen Youssef al Hajdib, als Anstifter. Dieser habe „Macht über ihn“ ausgeübt (Bild-Zeitung, 11.04.07, S.6).

Mit einem Artikel vom 25.08.06 (Rainer Nübel/Reuters/DPA) meldet stern.de am 30.08. („Kofferbomber: Mutmaßlicher Komplize in Konstanz verhaftet“): Jihad Hamad hat seine Beteiligung an dem Attentatsversuch eingeräumt. Es gebe zudem Hinweise auf eine Verbindung Hamads zur Extremistenorganisation al Kaida, sagte Innenminister Ahmad Fatfat am Freitag Reuters TV in Beirut: „Wir haben ein Geständnis von Hamad, daß er den Koffer in den Zug getragen hat. Aber er sagte, er habe nicht gewußt, was sich darin befinde.“ Hamad habe dem zweiten Hauptverdächtigen Youssef Mohamad E.H. die Verantwortung für die Tat zugewiesen. Sich selbst habe er nur als Ausführenden bezeichnet. Nach den Worten des Ministers betritt Hamad jden Kontakt zu al Kaida. Es gebe jedoch gegenteilige Hinweise: „Bislang ist noch nichts eindeutig, aber in seinem Computer haben wir etwas gefunden, das auf al Kaida hindeutet. Vielleicht steuert ihn die al Kaida, ohne daß er es weiß.“ Jihad sitzt in einem Spezialgefängnis in Beirut und wird unter anderem von deutschen Ermittlern befragt (stern.de, 30.08.06)

Ganz freiwillig scheint Jihad Hamad nicht aufgegeben zu haben. Bundesanwalt Griesbaum sprach von einem „erheblichen Fahndungsdruck“ der deutschen und libanesischen Behörden. In Sicherheitskreisen heißt es, die libanesischen Behörden hätten der Familie Hamads verdeutlicht, daß sich ihr Sohn stellen muß. Es sei auch denkbar, daß ihn der Libanon überstellen werde, obwohl es kein Auslieferungsabkommen mit der Bundesrepublik gebe. Das große Engagement der libanesischen Behörden habe vermutlich politische Gründe, hieß es im Umfeld der Bundesregierung. Libanon setze auf Deutschland als Vermittler im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah (Der Tagesspiegel, 25.08.06, S. 1).

Am Donnerstag, den 07.09.06 traf ein Bundesanwalt in Beirut ein, der Anfang der Woche Hamad gemeinsam mit einem libanesischen Untersuchungsrichter befragen soll. Auf seine Aussagen stützt sich hauptsächlich der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen „dritten Mann“, den Syrer Fadi al-S.
In der Vernehmung hatte Hamad ausgesagt, Fadi al-S. habe „Ahnung von Computern“ und den zweiten mutmaßlichen Kofferbomber Youssef al Hajdib „in Computerangelegenheiten unterstützt“. Bei gemeinsamen Internet-Recherchen seien „insbesondere Anleitungen zum Bau vom Bomben von Interesse gewesen“. Den Koffer habe ein Marrokaner aus Düsseldorf besorgt. Libanesischen Angaben zufolge hatte Hajdibs Vater eine führende Rolle bei den Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen gespielt, er sei bei einer gewalttätigen Demonstration gegen das Beiruter UNO-Büro aufgefallen (Anschlagsplan: Kofferbomber wollten mit Speisestärke Leiden verstärken, Spiegel online, 09.09.06)

Jihad Hamad wurde durch einen Untersuchungsrichter im Libanon verhört und nicht durch deutsche Beamte: Er wollte angeblich Rache nehmen und soll laut einem libanesischen Richter gesagt haben: „Ich wollte niemanden töten, sondern die Leute nur davon abhalten, den Propheten zu verunglimpfen.“ Laut Anklageschrift hatte der junge Libanese zuvor bereits gestanden, die Anschläge zusammen mit dem in Deutschland festgenommenen Youssef al-Hajdib geplant zu haben (Einer der „Kofferbomber“ von Köln gesteht; islam.de, 07.03.07)

e) Hamads Geständnis erzwungen? – Der Panorama-Beitrag:
Jihad Hamad, der in einem libanesischen Gefängnis einsitzt, beantwortete in einem halbstündigen Gespräch Fragen der NDR-Panorama-Redaktion. Das halbstündige Gespräch habe nur ohne Kamera geführt werden dürfen. Der Redaktion liegt ebenfalls eine Mitschrift seiner Vernehmung vor: „Beide Koffer waren für die Explosion präpariert. Ziel war es, mit den Bomben eine möglichst große Zahl von Menschen zu töten.“
O-Ton Shahid Hamad, Vater von Jihad: „Ich habe ihn in einem Olivenhain gefunden, wo er sich versteckt hatte. Dort habe ich ihn verprügelt. Er sagte mit: Ich bin unschuldig. Komm nimm mich mit und liefere mich an die Behörden aus’.“ Weiter heißt es im Panorama-Beitrag: „Jihad Hamad landet im Rumiye-Gefängnis, hoch über Beirut. Der Zugang für Besucher ist schwierig. Nicht mal eine Tüte Süßigkeiten darf Dschihads Vater ihm in die Zelle reichen. Wir erhalten – nach langem Hin und Her – die Erkaubnis den Attentäter zu treffen – ohne Kamera.“ O-Ton Jihad: „Ich liebe Deutschland. Es ist ein gutes Land, viel besser als der Libanon.“ Frage: „Warum wollten Sie dann Deutsche töten?“ O-Ton Jihad: „Yusuf hat mir gesagt, daß zwei deutsche Zeitungen die Muhammed-Karukaturen veröffentlicht haben. Er hat mir gesagt, wir dürfen nicht untätig bleiben, wir dürfen nicht schweigen. Wir kommen in die Hölle, wenn wir nichts tun.“ (Mit Yusuf ist Youssef gemeint, der zweite Verdächtige Kofferbomber) Fawaz Zakaria, der Anwalt von Jihad Hamad äußert sich ebenfalls: „Um diese Idee voranzutreiben, haben sie auf dem Computer von Yusuf nach islamischen Webseiten gesucht. Jihad hat dort Rechtsgutachten gelesen. Das wichtigste dieser Rechtsgutachten erlaubt die Tötung Unschuldiger, um die Ehre des Propheten Muhammad zu verteidigen, den Islam und die Glaubensüberzeugungen.“ Husam az-Zahid, Prediger der Moschee, in der Jihad regelmäßig betete, bevor er nach Deutschland ging: „Jemand, der den Propheten beleidigt und dann keine Reue zeigt, der muß getötet werden.“ Der Prediger betreibt einen Laden für islamische Ton-und Videokassetten – über den Heiligen Krieg, schon auf Kinderkassetten. O-Ton des Predigers: „Wenn wir wollen, daß dieses Kind ein Held wird und ein Führer im Kampf, was sollen wir ihm sonst beibringen?“ O-Ton: Jihad Hamad über sein Verhälnis zu Yusuf: „Ich bin sehr böse auf Yusuf, denn er hat mich hierher gebracht. Ich hasse ihn. Ich bin verführt worden von Youssef al-Hajdib. Er hat mich aufgehetzt. Deswegen bin ich jetzt hier. Er hat mir das eingebrockt.“Im Gespräch mit Panorama rückt Jihad Hamad von seiner ursprünglichen Aussage, er habe möglichst viele Menschen töten wollen ab. Warum? O-Ton Jihad: „Ich bin nach meiner Festnahme geschlagen worden. Man hat mich bedroht. Man hat mir gesagt, wenn du das nicht zugibst, dann verpassen wir dir Elektroschock.“ Im Text des Beitrags heißt es weiter: „Ein ungeheurer Vorwurf. Sollte dies stimmen, wären Dschihads Aussagen für deutsche Gerichte wertlos. Aber selbst Djihads eigener Anwalt findet die Foltervorwürfe haltlos.“ („So viele Tote wie möglich – Geständnis eines Kofferbombers“, Panorama vom 09.11.06)

Auch der libanesische Anwalt von Hamad weist daraufhin, daß er den Verhören der „ersten Verhörphase“ durch die Polizei keine Bedeutung zumißt, weil der Verdächtige ohne Anwalt verhört wird. „Wir alle wissen, unter welchen Umständen diese Aussagen zustande kommen.“ (Cicero, Oktober 2006)

f) Hamads Beziehung zu al-Hajdib
Youssef und Jihad waren beide weniger als zwei Jahre in Deutschland gewesen, als sie den Anschlag planten. Bislang ist unklar gewesen, wo sie sich kennenlernten und wie genau ihr Verhältnis aussah. In dem Interview mit Panorama sagte Hamad jedoch, dies sei erst in Deutschland geschehen. Aussagen von al-Hajdib sind noch nicht bekannt. Außerdem behauptet Jihad, er und Youssef seien allein für die Tat verantwortlich. Deutsche Behörden hatten stets die Vermutung geäußert, es müsse Hintermänner geben. Erst ab mindestens drei Personen kann man von einer terroristischen Vereinigung sprechen. Auch Hamads Anwalt Fawaz Zakaria hatte stets betont, die Zelle sei größer gewesen. Im Oktober behauptete er in einem Interview mit dem Magazin Cicero , er habe darüber „detaillierte Informationen, die ich jedoch nicht preisgeben kann“ (Kofferbomber: „Wir kommen in die Hölle, wenn wir nichts tun“; Spiegel online, 08.11.06)

Hamads Anwalt Fawaz Zakaria im Cicero: „Dschihad ist ein einfacher Mensch. Er gehört keiner extremen Gruppierung an. Ich habe ihn sieben Monate vor seiner Reise nach Deutschland kennengelernt, als er mit seinem Vater zu mir in die Kanzlei kam. Damals hatte ich einen positiven Eindruck von ihm. Wenn überhaupt, dann ist er das letzte Glied in der Kette. Diese Terrorzelle ist größer, viel größer. Darüber habe ich detaillierte Informationen, die vor allem für die deutschen Ermittler von Nutzen sein werden. Bevor Dschihad sich gestellt hat, habe ich ein langes Gespräch mit ihm geführt und vieles erfahren. Ich betone noch einmal: Dschihad ist das letzte Glied in dieser Kette des Terrors. (…) Ich sehe derzeit noch keinen Beweis für die Schuld meines Mandanten. Das, was man bisher hat, sind lediglich Indizien. Videoaufnahmen etwa könnten manipuliert worden sein. Das Abhören von Gesprächen ohne eine richterliche Genehmigung gilt nach libanesischem Gesrtz nicht als Beweis. (…) Mein Mandant hatte keinerlei verbrecherische Absicht. Bislang wurde lediglich durch Videoaufnahmen belegt, daß Dschihad einen Koffer in einem deutschen Zug deponiert haben soll. Die Frage ist doch, ob er überhaupt wußte, was da drin war?“(Cicero, Oktober 2006)

g) Über Hamads Radikalisierung
Nach eigenem Bekunden war Jihad Hamad früher ein Anhänger der friedlicheren Auslegung seiner Religion. Zum militanten Islamisten ist er erst in Deutschland geworden. Hamads Geschichte erinnert an die bruchstückhaften Erkenntnisse, die man über seinen Landsmann Ziad Jarah hat, der als lebenslustiger Mann zum Studium nach Deutschland gekommen war und später zu den Todespiloten vom 11. September 2001 gehörte (!). Die Radikalisierung fand bei diesen zwei sunnitischen Muslimen erst in deutschen Studentenheimen und Gebetsräumen statt.
Hamads erster Auftritt vor Gericht dauerte ganze acht Minuten. Die Sitzung wurde auf den 18.04.07 vertagt. Hamad wurde mit drei weiteren libanesischen Angeklagten zum Justizpalast gebracht: Chalid al-Hajdib, ein Cousin Youssefs, Ajman Hawwa, der islamistische Propaganda verbreitet haben soll, sowie Chalil Bubu. Unterdessen wurden zwei weitere Angeklagte Haftbefehle ausgestellt. Ein weiterer Verdächtiger wurde in Deutschland festgenommen (Rhein-Zeitung, 12.04.07)

h) Über seine Beziehung zu dem Essener Autohändler Farouk el-H.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat Hinweise auf den mutmaßlichen Kofferbomben-Attentäter Jihad Hamad bereits vor dessen Einreise erhalten, erfuhr die WELT aus Sicherheitskreisen. Dem Verfassungschutz lagen Erkenntnisse über eine Verbindung von Hamad und dem Essener Autohändler Farouk el H. vor. Der 45-jährige Libanese mit deutschem Paß, der im Ausländerbeirat der Stadt Essen sitzt, war im Zusammenhang mit den Ermittlungen vorübergehend festgenommen worden. Farouk war dem Verfassungsschutz bekannt, weil er dem im Oktober 2005 im Al-Tawhid-Prozeß zu acht Jahren Haft verurteilten Abu Dhees bei der Wohnungssuche geholfen hatte.
Der Autohändler Farouk el H. lud Hamad nach Auskunft des Auswärtigen Amtes in Berlin nach Deutschland ein und bürgte für ihn in einer Verpflichtungserklärung. Diese Einladung wurde von der zuständigen Ausländerbehörde jedoch nicht akzeptiert. Daraufhin richtete Hamad ein Sperrkonto auf seinen Namen in Deutschland ein, auf das er zur Sicherung seines Lebensunterhalts 7.200 Euro einzahlte. Dies reichte der deutschen Botschaft in Beirut, um Hamad ein dreimonatiges Visum zu Studienzwecken auszustellen. Zwar fand zuvor eine Sicherheitsüberprüfung statt, doch gegen den jungen angehenden Studenten lag nichts vor. Hamad hatte der Botschaft Zeugnisse für einen Hochschulzugang und eine Bescheinigung über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse vorgelegt.
Nach Recherchen der WELT hat sich Hamad weder bei den Hochschulen in Köln noch in Kiel um ein Studium beworben oder angemeldet. Trotzdem erhielt er von der Kölner Ausländerbehörde eine Aufenthaltsgenehmigung für Studienzwecke bis in das Jahr 2008. Seine Absicht ein Studium aufzunehmen genügte offenbar. Ein solches Prozedere sei – laut der Stadt Köln – üblich und auch ausländerrechtlich genehmigt. Insgesamt studieren derzeit 1032 Libanesen in Deutschland – eine Zahl, die für Sicherheitsbehörden durchaus überschaubar ist.
Trotz seiner Verbindungen zum Essener Autohändler konnte sich Hamad – zusammen mit seinem Komplizen nach dem Deponieren der Kofferbomben am 31. Juli in seine Heimat absetzen; sie waren nachmittags vom Köln-Bonner Flughafen mit dem Turkish-Airlines-Flug TK 1672 nach Istanbul abgeflogen.
Farouk el H beteuert nach den Attentaten vehement seine Unschuld. Er kennt angeblich nur einen Verwandten des mutmaßlichen Attentäters, Hamads Onkel. Dieser wohnt in Essen und soll die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen (Die Welt, 29.08.06, S.2).

5) Über Fadi al S.
Außer den Hauptverdächtigen Youssef Mohamad al-Hajdib und Jihad Hamad wird am 25.8.ein weiterer Verdächtiger in einem Studentenwohnheim in Konstanz festgenommen: der 23-jährige syrische Student Fadi al S. Er soll die Anleitungen zum Bombenbau im Internet beschafft haben (Kofferbomben. Spuren im Internet, Süddeutsche Zeitung, 27.08.2006)

Zusammen mit Youssef Mohamad al-Hajdib habe Fadi al-S. im Internet nach Anleitungen zum Bombenbau gesucht.„Gemäß diesen Anleitungen wurden die bei den mißglückten Anschlägen verwendeten Spreng-Brandvorrichtungen zusammengebaut“, so die Bundesanwaltschaft in einer Mitteilung. Darüber hinaus sei S., der früher in Kiel gelebt hatte, „seinen Mittätern bei deren Flucht über die Türkei und Syrien in den Libanon behilflich“ gewesen (Kofferbombe: Spuren im Internet, dpa in: süddeutsche.de, 27.08.06)

Außerdem hat Fadi al-S. angeblich seinen mutmaßlichen Mittätern bei der Flucht in den Libanon geholfen. Dort wird seit Freitag, dem 25. August noch ein vierter Verdächtiger festgehalten. Jihad Hamad soll ihn ebenso wie Fadi in einem Teilgeständnis belastet haben.

Am 14. September 2006 wird Fadi al-S. aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen In der Mitteilung des Generalbundesanwalts Nr.40/2006 vom 14.09.2006 heißt es wörtlich:
„Der gegen den Beschuldigten bestehende Verdacht hat sich durch weitere Ermittlungen, insbesondere durch die nunmehr durchgeführte richterliche Vernehmung des im Libanon festgenommenen Mitbeschuldigten Jihad H., nicht in einer Weise erhärten lassen, die die weitere Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft rechtfertigt.“ (Mitteilung des Generalbundesanwalts Nr.40/2006 vom 14.09.2006)

Fadi al-S. wohnte in einem Studentenwohnheim in der Jacob-Burckhardt-Straße. Ein Mitbewohner beschreibt ihn als sehr zurückhaltenden Menschen, der kaum sein Zimmer verlassen habe. Dem Mitbewohner zufolge wollte S., der kaum Deutsch gesprochen habe, einen Sprachkurs machen und sich an der Konstanzer Hochschule bewerben. Er sei normal gekleidet gewesen und habe häufig Besuch von seinem Bruder bekommen. Der Bruder sei noch am Donnerstagaben (welcher Do?) da gewesen. S. hat nach stern.de-Informationen zuvor in Kiel studiert und dort Youssef Mohamad E.H. kennengelernt.

6) Weitere Verdächtige

Jihad Hamad, der sich im Libanon selbst der Polizei gestellt hatte, bringt die Ermittler im Verhör auf die Spur eines weiteren Mannes: Ein 24-jähriger aus der Region Akkar Nordlibanon wird zunächst als Zeuge vernommen, später jedoch als Verdächtiger festgenommen (Netzeitung, 26.8.2006)

Anklage in Beirut
Anfang 2007 wird in Beirut gegen sechs Libanesen Anklage wegen des „Versuchs, Menschen in Zügen in Deutschland zu ermorden“ erhoben. Der Staatsanwalt forderte lebenslange Haft mit Zwangsarbeit für die Verdächtigen. Eine Auslieferung nach Deutschland ist nicht möglich (Kofferbomber vor Gericht; n-tv online, 12.1.2007; siehe auch BILD-Zeitung, 11.04.07)

Neben den beiden Hauptverdächtigen Youssef al Hajdib, der in Deutschland im Gefängnis sitzt, sind in Beirut folgende Personen angeklagt: Jihad Hamad, der 21-jährige Aiman Abdullah Hawwa, der verdächtigt wird, Anleitungen zum Bombenbau und Botschaften von Osama Bin Laden besorgt und zu den beiden Akteuren nach Deutschland gemailt zu haben; der 23-jährige Chalid al-Hajdib, der den Kontakt zwischen seinem in Deutschland studierenden Cousin Youssef und dem nach Deutschland reisenden Jihad Hamad hergestellt haben soll und der 24-jährige Chalil Bubu, dessen Telefonnummer in einem der Bombenkoffer gefunden wurde; Bubu sitzt bereits wegen des Mordversuchs an einem libanesischen Soldaten und des Niederbrennens der dänischen Botschaft in Beirut während der Karrikaturenkrise im Gefängnis und muß sich nun erneut verantworten; der fünfte Angeklagte ist Youssef al-Hajdib und der sechste Saddam al-Hajdib, ebenfalls ein Cousin von Youssef; er ist auf der Flucht (Spiegel online – 11.4.07).

D Über die Fahndung

1) Tipp vom libanesischen Geheimdienst
Die Fahnder bekamen einen entscheidenden Hinweis vom libanesischen Militärgeheimdienst. Der hörte ein Gespräch von Youssef Mohamad al-Hajdib mit seiner Familie im Libanon ab und alarmierte daraufhin eine deutsche Sicherheitsbehörde (Die Zeit, 24.08.06, S.3)

Die deutschen Behörden wurden nach der Veröffentlichung der Überwachungsvideos im Lauf des 18.08.06 vom libanesischen militärischen Nachrichtendienst auf den Verdächtigen hingewiesen. Berichten zufolge kamen die Libanesen dem mutmaßlichen Terroristen durch abgehörte Telefonate auf die Spur. Allerdings war nicht der 21-jährige Youssef abgehört worden, vielmehr standen offenbar Familienangehörige des verhinderten Attentäters unter Bewachung. Teile der Familie gelten den libanesischen Behörden anscheinend als Sympathisanten des militanten Islamismus; wie einschlägig sich das zeigt oder in der Vergangenheit gezeigt hat, blieb unklar. Dennoch: Sowohl eine Verbindung zur Hisbollah als auch eine Beteiligung der Familie bei der Planung der mißglückten Anschläge in Deutschland wird zur Zeit für unwahrscheinlich gehalten (Kofferbomber: Spuren nach Hamburg und Mülheim; Spiegel online, 21.08.06)

Der entscheidende Tipp für den in Kiel festgenommenen mutmaßlichen Bahn-Bombenleger kam vom militärischen Nachrichtendienst im Libanon, teilte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft der dpa in Karlsruhe mit. Einem ARD-Bericht zufolge hat der libanesische Geheimdienst ein Telefonat des 21-jährigen Youssel Mohamad E.H. mit seiner Familie im Libanon abgehört, nachdem der Student sein Bild im Fernsehen gesehen hatte. Der Dienst habe daraufhin die deutschen Sicherheitsbehörden unterrichtet. (Bahn: Der geheimnisvolle Kofferbomber, DPA, 21.08.06, auf www.stern.de; 22.08.06)

2) Durchsuchungen
Am 22.08.06 wird auch eine Wohnung in Oberhausen durchsucht. Im Stadtteil Holten riegelte eine Hundertschaft der Polizei das Mehrfamilienhaus in der Siegesstraße 154 ab. Aus der Wohnung in der zweiten Etage wurde ein 32-jähriger Libanese in Handschellen abgeführt. Er hatte seit zwei Monaten mit Frau und vier kleinen Kindern in dem Appartement gewohnt. Auch in anderen Städten gab es am selben Tag Razzien. In Essen wurde ein Autohändler, in Gelsenkirchen ein Lebensmittelladen durchsucht. Die Polizei wurde auf die Unternehmer aufmerksam, weil die Attentäter Kontakt zu ihnen pflegten. Möglicherweise haben sie den Terror finanziell unterstützt (Rheinische Post, 23.08.06, S.A3)

Bei der Durchsuchung von Hamads Wohnung in Köln seien Belege über den Kauf von Gasflaschen sowie Kabel und Klebeband gefunden worde, so Bundesanwalt Rainer Griesbaum am 24.08.06 (Der Tagesspiegel, 25.08.06, S.1)

E Angebliches Terrornetzwerk und Motive der Täter

Nach den Festnahmen der vier Verdächtigen am 24. August 2006 sagte BKA-Chef Ziercke der Bild am Sonntag , eine akute Anschlagsgefahr für Deutschland bestehe zunächst nicht mehr. „Die aktuellen Festnahmen haben dazugeführt, daß die Gefahrenspitze erst einmal gekappt ist.“ Ziercke: „Es liegen derzeit keine Hinweise auf die Existenz einer weiteren Terrorzelle vor“. „Große Sorge! Bereite ihm nach eigenen Worten, daß die Terrorgefahr in dem konkreten Fall erst spät erkannt worden sei.
Zurückhaltend kommentierte Ziercke Berichte über eine angebliche Verbindung zum Terrornetzwerk Al Qaida: „Der Anti-Terror-Kampf hat Al Qaida schwer zugesetzt, sie hat nicht mehr die operative Kraft wie zu Zeiten des 11. September. Al Qaida ist aber dabei, neue Zellen aufzustellen. Ob die Festgenommenen dazugehören, ist die ganz große Frage, die wir klären müssen.“ Auch Harms wollte mögliche Verbindungen der Kofferbomber zu der Terrororganisation „mit Vorsicht bewertet wissen“, aber auch nicht ausschließen (Kofferbomben: Spuren im Internet, dpa in: sueddeutsche.de, 27.08.06)

Hintergrund der fehlgeschlagenen Anschläge war offenbar nicht nur der sich abzeichnende Libanon-Konflikt. Ein weiteres Motiv war der Tod des irakischen Al-Kaida-Anführers Mohammed al Sarkawi, wie das BKA gegenüber dem Südwestrundfunk sagte. Auch die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen seien eine Art „Initialzündung“ gewesen, sagte ein BKA-Sprecher. Das hätten Ermittlungen ergeben und nicht etwa die Verdächtigen zugegeben. Das Magazin Focus hatte unter Berufung auf BKA-Chef Jörg Ziercke berichtet, mindestens einer der beiden Verdächtigen habe in Vernehmungen angegeben, die Karikaturen seien für ihn wie ein Angriff der westlichen Welt auf den Islam gewesen (Gescheiterte Bahnanschläge: Kofferbomber hatten WM im Visier; Tageschau.de, 02.09.06)

Generalbundesanwältin Harms hofft auf weitere Fahndungserfolge. Harms gegenüber der ARD: „Ich schließe nicht aus, daß es noch weitere Beteiligte gibt.“(die tageszeitung, 28.08.2006, S.2)

Ende März 2007 gibt es keinen Beleg dafür, daß über die zwei Hauptverdächtigen hinaus eine dritte Person an den Anschlägen in irgendeiner Weise beteiligt war. Der Vorwurf der Bildung einer „terroristischen Vereinigung“ wurde fallengelassen. Am Anfang hatten die Ermittler von drei verschiedenen DNA-Spuren berichtet, die sie bei den Beweisstücken gefunden hätten. Doch laut einem internen BKA-Bericht vom Herbst 2006 wurden an den Kleidungsstücken, mit denen die Gasflaschen in den Koffern abgepolstert waren, nur „zwei Spurenverursacher festgestellt“. Weitere so genannte „Mischspuren“ schienen keine Bedeutung zu haben. Auch die Auswertung von Fingerabdrücken ergab keinen Hinweis, daß an der Vorbereitung und Durchführung der Tat mehr als zwei Personen beteiligt gewesen waren. Dies ist auch der Stand Ende März 2007.
Bis dahin wurden 22 Objekte durchsucht und mehr als 1.000 Asservate sichergestellt. Viele Schriftstücke sind in arabischer Sprache verfaßt und noch nicht übersetzt. Die Auswertung des Email-Verkehrs der beiden Hauptverdächtigen ist noch nicht beendet. Ein abschließendes kriminaltechnisches Gutachten zur Beurteilung der beiden Sprengsätze liegt auch noch nicht vor. Mit der Anklage gegen Youssef al-Hajdib wird frühestens im Sommer 2007 gerechnet (Kofferbomber: Zur Terror-Anklage reicht es nicht“; stern.de – 29.03.2007)

Es gibt angeblich Hinweise, daß die beiden verdächtigen Libanesen Youssef Mohamad al-Hajdib und Jihad Hamad zu einer mehrköpfigen Terrorgruppe gehören, die der Hizb-ut-Tahrir nahesteht. Die „Partei der islamischen Befreiung“ ist vom Bundesinnenministerium verboten worden.

Youssef Mohamad al Hajdib soll aus einem Clan aus der Region um die nordlibanesische Hafenstadt Tripoli entstammen. Mehrere Mitglieder seiner Großfamilie seien „problematisch“, heißt es in deutschen Sicherheitskreisen. Verwandte des mutmaßlichen Kofferbombers stünden mit der Hisb ut-Tahrir al Islami in Verbindung (vom deutschen Verfassungsschutz mit „HuT“ abgekürzt.) Die Informationen sollen vom libanesischen Militärgeheimdienst nach Deutschland übermittelt worden sein. Und der gab auch den entscheidenen Tipp auf al-Hajdib, nachdem das BKA die Videos am 18.8.06 veröffentlicht hatte, auf denen die Tatverdächtigen zu sehen sind (Der Tagesspiegel, 22.08.06, S.2)

Diese „Partei der Befreiung“ gilt Islamismus-Experten als intellektuelle Avantgarde der Al-Qaida-Bewegung. Die Gruppe hat zwar selbst bisher keine Anschläge verübt, propagiert aber die Überlegenheit göttlicher vor menschlicher Gesetzgebung und träumt von der Errichtung eines weltweiten Kalifenstaats. In Deutschland ist sie seit 2003 verboten (Die Zeit, 24.08.06, S. 3).

Im Kieler Wohnheimzimmer von Youssef Mohamad al-Hajdib hing ein Poster der Hamburger Imam-Ali-Moschee, einem Treffpunkt schiitischer Hisbollah-Anhänger. Der Mechatronik-Student lebte von September 2004 bis Februar 2005 in Mülheim an der Ruhr (Rheinische Post, 23.08.06, S. A3)

Die Sicherheitsbehörden wissen oder sagen aus ermittlungstaktischen Gründen nicht, ob es direkte Kontakte zwischen den am 19.08.06 festgenommenen al-Hajdib und der Hizb ut-Tahrir al Islami gab. Diese Gruppierung verbreitet anscheinend antiisraelische Propaganda; so heißt es in einem Flugblatt, warum die Armeen islamischer Länder nicht losbrechen, „um die Juden zu bekämpfen, den Jufenstaat endgültig zu vernichten und jede Spur von ihm zu entfernen?“ Sie wendet sich auch gegen europäische Länder und die USA. Das Bundesamt für Verfassungsschutz zitiert die Äußerung eines „HuT“-Mannes im Internet folgendermaßen:„Die Partei betrachtet die westlichen Staaten, allen voran Großbritannien, Amerika und Frankreich, als Erzfeinde der Muslime.“ In Deutschland polemisierte ein Funktionär dieser Gruppierung im Jahr 2002 vor Berliner Studenten, im Publikum saßen auch der rechtsextreme Anwalt Horst Mahler und NPD-Chef Udo Voigt (Der Tagesspiegel, 22.08.06, S.2)

Nach Recherchen von NDR und tagesschau.de gab es vielfältige Verbindungen zwischen der NPD und der Islamistengruppe Hisb ut-Tahrir, die von den Ermittlern mit den versuchten Bombenanschlägen auf die Bahn in Verbindung gebracht wird. So habe NPD-Chef Udo Voigt im Oktober 2002 auf einer Veranstaltung der Hisb ut-Tahrir in Berlin gesprochen. Vogt sagte dagegen dem NDR, er sei „nur zufällig“ auf dem Treffen gewesen. Das Verbot der Islamistengruppe im Januar 2003 wurde dennoch von der NPD scharf kritisiert. Ihr Funktionär Holger Apfel schrieb im Parteiorgan „Deutsche Stimme“, das Verbot sei „ein Ergebenheitsgruß an die USA und Israel“. Für das Blatt interviewte Apfel den Hib ut-Tahrir-Repräsentanten Shaker Assem, der nach den NDR-Recherchen auch auf eier NPD-Veranstaltung gegen die US-Politik im Nahen Osten gesprochen hat. Die Organisation wurde 1953 in Ost-Jerusalem gegründet. Zu ihren erklärten Zielen gehört laut Verfassungsschutz die Auslöschung des Staates Israel, die „Befreiung der muslimischen Welt von westlichen Einflüssen“. Die Gruppe soll mehrere tausend Aktivisten im Nahen Osten und der Türkei haben (Kofferbomber: NPD suchte Nähe zu Islamistengruppe; sts/ap vom 23.08.06; stern.de – 23.8.06)

Dennoch scheint es den Sicherheitsbehörden eher unwahrscheinlich, daß die Befreiungspartei „Hizb ut-Tahrir al Islami“ über direkte oder indirekte Indoktrination hinaus für die Kofferbomben mitverantwortlich sein könnte, da sie bisher auf Gewalt verzichtet hat. Insofern wirkt die in den deutschen Sicherheitsbehörden dominierende Theorie plausibel, Youssef Mohamad al-Hajdib, Jihad Hamad sowie mögliche Hintermänner hätten ohne Auftrag die Anschläge auf die Züge geplant Bundeskanzlerin Merkel habe schon zu Beginn des neuen Libanonkrieges am 13. Juli, Israels Recht auf Selbstverteidigung betont. Die Täter, erregt durch Bilder aus dem bombardierten Libanon, hätten Deutschland für seine Solidarität mit Israel bestrafen wollen, glauben Sicherheitskreise
(Der Tagesspiegel, 22.08.06, S.2).

Die deutschen Ermittler sehen in den gescheiterten Kofferbombenanschlägen eine neue Variante des Terrorismus. Es handele sich offenbar um eine kleine Gruppe ohne feste Strukturen, die sich spontan zur Aktion entschließe. „Das ist neu, aber nicht weniger gefährlich“ als der Terrorismus im Deutschland der 70er Jahre, so Generalbundesanwältin Monika Harms gegenüber der ARD. Charakteristisch für eine derartige Terrorzelle wäre, daß sie losgelöst von einer übergeordneten Führung agiert und nicht in ein Netzwerk eingebunden ist. Harms will Hinweise zu Al-Qaida „mit Vorsicht bewertet wissen“. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte, das Terrornetzwerk habe nicht mehr die operative Kraft wie zu Zeiten des 11. September. „Al-Qaida ist aber dabei, neue Zellen aufzustellen. Ob die Festgenommenen dazugehören, ist die ganz große Frage, die wir klären müssen.“
Im Computer des Verdächtigen Jihad Hamad sollen Indizien auf das Terrornetzwerk hindeuten, doch dabei könnte es sich womöglich nur um den Besuch von Internetforen handeln“(die tageszeitung, 28.08.2006, S.2).

Die Vernehmungen hätten den Eindruck bestätigt, daß es sich bei den Tatverdächtigen um eine neue Generation von Terroristen handele, berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung unter Berufung auf Ermittler. Anders als die Terroristen vom 11. September seien die Kofferbomber-Attentäter nicht in islamistischen Ausbildungslagern geschult und von dort aus gezielt eingesetzt und gesteuert worden. Die islamistischen Terroristen der neuen Generation fänden sich vielmehr kurzfristig zu kleinen Zellen zusammen. Sie folgten dabei dem weltweiten Aufruf Al Qaidas an alle wahren Muslime, Anschläge autonom zu verüben (Gescheiterte Bahnanschläge: Kofferbomber hatten WM im Visier; Tageschau.de, 02.09.06)

Das Haus eines Bruders des Verdächtigen Youssef al-Hajdib in Skandinavien soll ein Ort der Zusammenkunft radikaler Islamisten gewesen sein. Auch in einer Kieler Moschee sollen sich Fundamentalisten, darunter auch Extremisten mit Kontakt zur Londoner Terror-Szene, mit Youssef Al-Hajdib getroffen haben. Dies habe sich aus einem im Libanon angefertigten Vernehmungsprotokoll des Verdächtigen Jihad Hamad ergeben, so der Focus Anfang Januar 2007 (Focus:Mutmaßliche Kofferbomber sollen Netzwerk angehört haben, ddp-rps-Meldung vom 06.01.2007) Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft wollte den Focus-Bericht nicht kommentieren; die polizeilichen Protokolle aus dem Libanon, wo Hamad inhaftiert ist, seien noch nicht bei den Ermittlern eingetroffen. (Hamburger Abendblatt online, 8. Januar 2007)

F Von den Medien verbreitete Fotos/Filmaufnahmen
1) Filmaufnahme von dem Terrorverdächtigen Youssef Mohammed al-Hajdib während einer Demonstration in Kiel am 10.02.06 mit Megaphon in der Hand, liest etwas vom Papier; das Datum ist eingeblendet (Quelle: NDR,DPA; fragt sich, wo das Material herkommt)
2) Fahndungsvideos/-fotos von Überwachungskameras Kölner HBF)
3) Foto: Die beiden sichergestellten Kofferbomben

G Längere Beiträge über die Kofferbomben-Attentate

– Panorama vom 09.11.06: „Soviele Tote wie möglich“ – Geständnis eines Kofferbombers
– ARD-exclusiv vom 13.12.06: Die Kofferbomber – Terrorziel Bahn (Rekonstruktion des Tathergangs, biographische Spurensuche; BKA-Chef Ziercke zum aktuellen Stand der Ermittlungen; wie wurden die beiden jungen Männer von unscheinbaren Studenten zu Terroristen?)

H Hinweise auf Verwicklungen/Interessen von (Sicherheits-) Behörden

Kommentar von Florian Güßgen „Die Kofferbomber-Datei“,( stern.de vom 04.09.06):
„Ohne die Schockwirkung der vereitelten Kofferbomber-Pläne wäre aus der Anti-Terror-Datei wohl nie etwas geworden. Dennoch ist der Kompromiß der Innenminister von Union und SPD richtig du wichtig – und zumindest ein kleiner Erfolg. (Hervorhebung im Original)
Oft bedarf es einer Krise, um Menschen zum Handeln zu bewegen, um lange aufgeschobene Pläne, Vorhaben, Wünsche endlich umzusetzen. In der Politik ist das nicht anders. Da bedurfte es der Schockwirkung zweier Kofferbomber, um ein Projekt zu verwirklichen, das seit fünf Jahren nicht vorankam: Die Anti-Terror-Datei klemmte irgendwo zwischen Union und SPD, zwischen Schleswig-Holstein und Bayern. Nun – unter gewaltigem öffentlichen Druck – haben die Innenminister den Knoten durchschlagen und sich politisch auf die Gestaltung der Datei geeinigt.“

III Weitere Auffälligkeiten

• Hamads Anwalt behauptete im Oktober in einem Interview mit Cicero, es seien nicht nur die beiden Hauptverdächtigen beteiligt; die Zelle sei größer gewesen;
• PC im See gefunden
• am 18.08.: PK des BKA und Bundesanwaltschaft: Präsentation der Videoaufnahmen; noch am selben Tag vom libanesichen Geheimdienst Hinweise auf Verdächtige erhalten und am 19.08. schon Festnahme in Kiel, Verdächtiger anhand von DNA-Spuren identifiziert;

• BKA-Chef Ziercke benutzt angebliche Nutzung des Internets durch Kofferbomber zur Begründung von Online-Durchsuchungen (Rede auf 10.Europ. Polizeikongreß am 13./14.02.07)

• Auftrag zur Untersuchung von Möglichkeiten biometrischer Verfahren zur „Erhöhung der inneren Sicherheit“ wurde dem BKA bereits im Februar 2006 vom Bundesinnenministerium erteilt; kam aber offenbar erst nach Kofferbomben-Attentat richtig in Gang; Ankündigung Ende August 06 eines Pilotprojektes zur Erprobung biometrischer Gesichtserkennung im Mainzer Hauptbahnhof; Startschuß am 10. Oktober 2006; läuft bis zum 31. Januar 2007: biometrisch bereits erfaßte Personen sollen „automatisch“ in einer Menschenmenge wiedererkannt werden können.

• Nach Meinung von Sprengstoffexperten waren die „Bomben dilettantisch gebaut“, eine Detonation äußerst unwahrscheinlich; Hinweise in den Koffern auf Spuren in den Nahen Osten: ein Zettel mit arabischen Schriftzeichen und Telefonnummern aus dem Libanon sowie ein Päckchen Backpulver aus dem Libanon, das in der Art von einem Gewürzhändler in Deutschland vornehmlich an libanesische Familien im Großraum Essen verkauft worden sein soll – vor dem Hintergrund, daß Schäuble deutsche Polizisten in den Libanon schicken will;

• Die Hinweise auf einen libanesischen Hintergrund (Zettel und Backpulver) sollten anscheinend gefunden werden, dazu durften die Bomben nicht explodieren; auch die Trolleys sollten offenbar gefunden werden, da sie auffällig mitten in einer leere Vierersitzgruppe abgestellt wurden und nicht etwa unter einem Sitz oder in der Toilette versteckt wurden;

• Geständnisse eines Hauptverdächtigen in libanesischer Untersuchungshaft „also dort, wo das BKA laut Medienberichten in der Vergangenheit für eigene Zwecke schon einmal foltern ließ“(Artikel von Ralf Wurzbacher: Pilotprojekt zur biometrischen Überwachung in Mainz gestartet; gefunden auf: www.gerhard-wisnewski.de)

• Die Razzia in Köln-Neu-Ehrenfeld am 22.08.06, bei einem der angeblich verdächtigen Kofferbomben-Attentäter, endete offenbar mit einer Inszenierung durch das BKA. Nachdem sich stundenlang nichts Sehenswertes für die Fotografen ereignet hatte und Journalisten nachfragten, ob noch etwas zu sehen sein werde und ob eine Pressekonferenz stattfinden würde, trugen drei mit Sonnenbrille und Haßkappe „verkleidete Beamte“ eine metallene Kiste und einen offenbar leeren Umzugskarton aus dem Haus. Das BKA sah sich anschließend dem Vorwurf ausgesetzt, Ermittlungsarbeiten inszeniert zu haben (Welt online, 24.08.06). Die inszenierte Razzia wird auch vom WDR und SDR übertragen. Als die Fahndergruppe mit dem unten aufklaffenden, offenbar leeren Karton immer größer ins Bild kommt, legen die Autoren des Beitrags ein breites Titelbild über den unteren Teil des Kartons. Damit müssen sie sich fragen lassen, ob sie diesen Sachverhalt vertuschen wollten? (vgl. „Die „Kofferbomber“ von Deutschland; www.wahrheitssuche.org/kofferbomber.html)

• Warum haben die angeblichen Attentäter nicht ihr Äußeres verändert, obwohl auch sie gewußt haben müssen, daß deutsche Bahnsteige überwacht werden? Warum hatte vielmehr einer von ihnen auch noch ein äußerst auffälliges T-Shirt mit der Nummer 13 an?

• Die Recherche von Gerhard Wisnewski ergab, daß am 24./25.August 2006 Spiegel online mehrmals seine Schlagzeilen änderte, was das Geständnis von Dschihad Hamad anging: am 25. August hieß es: „Libanon: Kofferbomber gesteht Anschläge. Dschihad Hamad hat nach Angaben der libanesischen Regierung seine Beteiligung an den fehlgeschlagenen Anschlägen auf deutsche Züge gestanden“; hingegen meldete Spiegel online am 24.08.06: „Kofferbomber. Zweiter Terrorverdächtiger beteuert seine Unschuld“. Dann wurde offenbar der Artikel vom 25.08. geändert, denn es hieß plötzlich: „Libanon: Kofferbomber legt Teilgeständnis ab. Dschihad Hamad hat libanesischen Angaben zufolge gestanden, eine der beiden Kofferbomben in einem deutschen Zug platziert zu haben. Er habe aber von dem explosiven Inhalt des Koffers nichts gewußt.“ Wisnewski verweist darauf, daß der Libanon „ein beliebter Folterkeller der deutschen Polizei“ sei. Am 22.Dezember 2005 berichtet Kontraste in einem Beitrag über „Folter im Libanon“: „Bereits 2004 war dem BKA bekannt, daß im Libanon gefoltert wird. Schlimmer noch: Die deutschen BKA-Ermittler schickten Fragebögen nach Beirut, um an Informationen über geplante Anschläge heranzukommen. Die Verhörmethoden des libanesischen Geheimdienstes nahm man offenbar billigend in Kauf.“ Offenbar bestehen schon seit längerem gute Kontakte zwischen dem BKA und dem libanesischen Geheimdienst, der auch im Fall der angeblichen „Kofferbomber“ schnell und reibungsfrei zu Diensten stand – mit den Namen der mutmaßlichen Täter ebenso wie mit dem Beschaffen von Verdächtigen und Geständnissen (vgl. „Die „Kofferbomber“ von Deutschland; www.wahrheitssuche.org/kofferbomber.html)

• Meldung im Internet: Die Kofferbombenanschläge haben angeblich einen reinen nachrichtendienstlichen Hintergrund – monetärer Art. Der Informant aus einem Nachrichtendienst behauptet: Der zur Fahndung ausgeschriebene Jihad Hamad hätte etwa 100.000 USD für die Umsetzung und Forcierung der „Operation“ erhalten. Der Autor des Berichts weist darauf hin, daß beide Verdächtigen al-Hajdib und Hamad genügend Geld haben, um angeblich konspirative Wohnungen zu unterhalten, gemeinsam über eine größere Entfernung miteinander und mit dritten Personen zu agieren sowie unmittelbar nach dem Anschlag zu flüchten. Er argumentiert weiterhin, daß die Hisbollah – als mögliche Initiatorin der Anschläge – über eigene ausgebildete Kämpfer verfügt und keine „Kinder“ anheuern muß. Dies gilt auch für die Hisb ut Tahrir al Islami. Der Autor des Berichts hält daher beide Organisationen nicht für die Drahtzieher. Er denkt, da seien Ad-Hoc-Attentäter am Werk gewesen, die Terroristen spielen wollten, „ein lockeres Netzwerk von Amateuren, die aus dubiosen Überzeugungen zum Entschluß kamen, sie müßten was tun. Die Gasofenexplosionstechnik ist, wie dargelegt, in vielen islamischen Ländern ein offenes Männergeheimnis. (…)Solche Netzwerke – solche Willigen – sind für jeden ND – der Idioten für einen Anschlag benötigt ein ‚Geschenk des Himmels’. Mit etwas Geld und motivierenden Worten, notfalls mit etwas technischer oder logistischer Hilfe, setzen solche Personen ihre Pläne in der Regel zielgerichtet um. (…) die finanzielle Situation der mutmaßlichen Attentäter und der Umstand, daß beide Personen angeblich konspirative Wohnungen unterhielten, macht deutlich, daß ein Hintergrund außerhalb des Netzwerkes der Kontaktpersonen bestehen muß.Auch könnte man fas den Eindruck haben, die beiden Einfachbomben sollten nicht zünden. Welcher Art dieser Hintergrund ist, ist völlig offen. Fakt dürfte sein, daß Youssef Mohamad al-Hajdib diesen Hintergrund nicht kennt. Er hätte – nach Ausstrahlung des Videos (des BKA) – seinen Führungsoffizier – und nicht Mami du Papi angerufen und um Rat gefragt, wie er sich verhalten soll“ („Kofferbomber“ ND Hintergrund?; R-Archiv.de; 24.08.06)

• In einem weiteren Internet-Bericht – über Khaled el Masri – nimmt der Autor erneut Bezug auf seinen Geheimdienst-Informanten: Ein Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes soll den sogenannten Kofferbombern mit Rat zur Seite gestanden haben („Khaled el Masri“ Spuren im Stern; www.r-archiv.de/article-print-2777.html)

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