Terrorismus

Die ETA – als Täter erste Wahl

Kurz kommentiert von MARKUS JAHNSON, 2. August 2009 –

Irgendwo auf Seite Eins unserer Zeitungen steht immer noch der anscheinend nebensächliche Hinweis, dass bisher nicht geklärt werden konnte, wer hinter dem Mallorca-Anschlag steckt.

In der weiteren Berichterstattung wird dann aber so fortgefahren, als wenn nur die ETA für die Tat in Frage kommt. Das Anbringen von Sprengstoff unter einem Wagen sei typisch für die Organisation, so ein Argument. Also nur die ETA bringt Sprengstoff unter Autos an? Dass es in diesem Fall keine Warnung gegeben hat, was nicht typisch für die ETA ist, wurde von den Journalisten mit den Worten weggewischt, die ETA wolle so viele Tote wie möglich. Es starben zwei Polizisten – per Fernzündung, wie zunächst berichtet wurde. Nicht gerade ein Massenmord, dazu stand der Wagen viel zu weit von Menschenmassen entfernt. Plötzlich ist auch nicht mehr von einer gezielten Fernzündung die Rede, sondern von einem Zeitzünder. Es waren also vielleicht gar keine Toten eingeplant. Der Terroranschlag sollte die Achillesferse Mallorcas treffen – den Tourismus. Dazu kam der Anschlag aber viel zu spät, denn die Touristenmassen befinden sich bereits auf der Insel, für Umbuchungen ist es zu spät. Um den Touristenstrom zu beeinflussen, hätte der Anschlag spätestens vor zwei Monaten erfolgen müssen.

Jedenfalls ist die Autobombe gut dafür geeignet, einig gegen die Separationsbewegungen aufzutreten, just zu dem Zeitpunkt, als sich das Königspaar auf der Insel befindet. Bei den Anschlägen auf die Vorortzüge in Madrid vor den spanischen Präsidentschaftswahlen 2004 dauerte es Wochen, bis das Märchen mit der ETA-Täterschaft aufflog, das dem damaligen Präsidenten Aznar die Wiederwahl sichern sollte. Erst dann einigte man sich auf das für die Politik zweitbeste Märchen: Al Qaeda .

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