Terrorismus

Flug verpasst und festgenommen: Wie zwei Jemeniten zu „Terrorverdächtigen“ wurden

Von THOMAS WAGNER, 01. September 2010 –

Wie leicht Menschen, die aus muslimischen Ländern stammen, heute in die Fänge der Terrorfahndung geraten können, zeigt das Beispiel von zwei Jemeniten, die seit Jahren legal in den USA leben und am Montag bei einem Flug in ihre ursprüngliche Heimat beim Zwischenstopp auf dem Flughafen von Amsterdam als sogenannte Terrorverdächtige festgenommen worden waren.

Bei den beiden Männern handelt es sich entgegen erster Angaben nun anscheinend doch nicht um Terroristen, die Anschläge auf Flugzeuge geplant hatten.

Auf Veranlassung des US-Heimatschutzministeriums waren Ahmad Mohamed Nasser al-Soofi, 48, aus Alabama und Hezem al-Murisi, 37, aus Memphis auf dem Flughafen von Amsterdam wegen des Verdachts auf ein Terrorkomplott festgenommen worden. Sie saßen am Mittwoch noch in Untersuchungshaft. Ob sie tatsächlich einem Richter vorgeführt und angeklagt werden, wollten die niederländischen Behörden bis spätestens Donnerstag entscheiden. Nach den neuen Angaben aus den USA wird aber nun eher mit ihrer baldigen Freilassung gerechnet.

Flugverspätung

Zunächst hatten es US-amerikanische Sicherheitsbeamte als alarmierend eingestuft, dass das Gepäck der Männer in Chicago planmäßig auf einen Flug nach Washington umgeladen worden war, sie selbst jedoch mit einer anderen Maschine nach Amsterdam flogen.

Dafür gibt es nun aber laut US-Medienberichten eine einfache Erklärung: Die aus verschiedenen Richtungen nach Chicago angereisten Männer verpassten wegen einer Flugverspätung die Maschine nach Washington, wo sie einen Anschlussflug über Dubai nach Sanaa nehmen wollten. Sie seien daraufhin auf einen Flug der United Airlines nach Amsterdam mit Anschluss nach Jemen umgebucht worden.

„Das FBI hat die Sache geprüft und keinen Grund gefunden, Terrorismus zu befürchten“, zitierte die New York Times am Mittwoch einen anonym bleibenden Sicherheitsbeamten. (1) Ein ebenfalls nicht namentlich genannter US-Geheimdienstler sagte der Zeitung: „Am Ende wird man das seltsam und unüblich finden, aber es hat nichts mit Terrorismus zu tun.“ Am Dienstagabend hatte bereits das US-Ministerium für Heimatschutz begonnen, zurückzurudern. Man warne in der Sache der zwei festgenommenen Jemeniten „vor voreiligen Schlussfolgerungen“, hatte es in einer Presseerklärung geheißen.

Geschenke statt Bombenattrappen

Bei den angeblich gefährlich anmutenden Gegenständen, die bei einer Kontrolle in den USA im Koffer des 48 Jahre alten Verdächtigen entdeckt wurden, handele es sich wahrscheinlich um Geschenke für verschiedene Empfänger im Jemen.

US-Ermittler hatten zunächst angegeben, dass es sich bei den Gegenständen um Bombenattrappen handele und zumindest einer der Männer damit zur Vorbereitung von Anschlägen die US-Sicherheitskontrollen habe testen wollen. Bei den Gegenständen handelte es sich um mehrere Messer, mit Klebeband zusammengebundene Handys und Uhren sowie ein an einer Plastikflasche befestigtes Handy. Außerdem trug der Mann 7000 US-Dollar in bar bei sich.

Aller Wahrscheinlichkeit handelte es sich bei den Gegenständen um Geschenke für Familienangehörige. Das meinte jedenfalls Imad Hamad, der Direktor des American-Arab Anti-Discrimination Committee in Michigan. Die Mitnahme von Bargeld bei Reisen in die Heimat ist im Jemen durchaus üblich.

Selbst wenn sich auch der neueste Fang der Terrorfahnder wieder rasch als Irrtum herausgestellt hat. Einen Zweck hat der Vorfall erfüllt: Die Angst der Flugreisenden vor islamistischen Terror am köcheln zu halten.


(1) http://www.nytimes.com/2010/09/01/world/europe/01plane.html?_r=1&scp=1&sq=48%20years%20old%20amsterdam&st=cse

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