„Abscheulich“: Türkische Gemeinde verurteilt Erdoğans Bluttest-Äußerungen

(06.06.2016/dpa)

Die Türkische Gemeinde in Deutschland hält die Armenien-Resolution für ein falsches Signal. Die Angriffe des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf türkischstämmige Abgeordnete im Bundestag wies der Verband jedoch in scharfer Form zurück. „Morddrohungen und Bluttestforderungen finden wir abscheulich“, sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Gökay Sofuoglu, der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. „Ich denke, dass Leute nach Blut definiert werden, hat 1945 aufgehört. Das ist absolut deplatziert.“

„Wir können unterschiedlicher Meinung sein“, sagte Sofuoglu. Aber Menschen könnten nicht in der Öffentlichkeit so bloßgestellt und Angriffen freigegeben werden. Die Lage sei aufgeheizt. Türkischstämmige Abgeordnete hätten Morddrohungen erhalten.

Nach der Völkermord-Resolution in Deutschland hatte Erdogan seine Angriffe auf türkischstämmige Abgeordnete im Bundestag verschärft. „Manche sagen, das seien Türken“, sagte er am Sonntag. „Was denn für Türken bitte?“ Erdoğan sprach sich dafür aus, den Abgeordneten Blutproben entnehmen zu lassen.

Bereits am Samstag hatte er die türkischstämmigen Abgeordneten im Bundestag angegriffen. „Sie haben nichts mit Türkentum gemein. Ihr Blut ist schließlich verdorben.“ Er warf den Abgeordneten vor, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als verlängerter Arm in Deutschland zu dienen. „Es ist sowieso bekannt, wessen Sprachrohr sie sind“, sagte Erdoğan. „Von der separatistischen Terrororganisation in diesem Land sind sie die Verlängerung in Deutschland.“ Sofuoglu sagte zu den Anschuldigungen: „Das ist die Aussage, die wir inzwischen für alle Oppositionellen hören.“

Der Bundestag hatte am Donnerstag fast einstimmig die umstrittene Resolution zur Einstufung der historischen Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord beschlossen. Ein gemeinsam von Union, SPD und Grünen eingebrachter Antrag war bei nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen worden. Die Türkische Gemeinde hatte die umstrittene Armenien-Resolution des Bundestages am Donnerstag als eine „Politshow“ mit negativen Folgen für das deutsch-türkische Verhältnis bezeichnet.

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