Agentenvorwurf: Israel attackiert Mohammed el Baradei

(09.11.2011/dpa)

Gerade hat der ägyptische Diplomat und Friedensnobelpreisträger Mohammed el-Baradei unter dem Titel „Wächter der Apokalypse“ seine Erinnerungen veröffentlicht und dafür erstes Lob eingefahren. (1)  Nun gerät der ehemalige Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA unter politischen Druck. Nach Angaben israelischer Medien wirft ihm die Regierung des Landes vor, das nach ihrer Ansicht seit langem existierende iranische Atomwaffenprogramm jahrelang gedeckt zu haben. Von Seiten der Regierung werden diese Berichte freilich nicht kommentiert.

Mark Regev, Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, sagte am Mittwoch, er wolle sich zu dem entsprechenden Bericht der Zeitung Jediot Achronot nicht äußern.

Die Zeitung hatte einen namentlich nicht genannten ranghohen Regierungsvertreter in Jerusalem mit den Worten zitiert, der jüngste, unter Al-Baradeis Nachfolger Yukiya Amano veröffentlichte IAEA-Bericht decke auf, „dass der frühere Leiter (Al-Baradei) nicht weniger als ein iranischer Agent war“. Die Behörde und ihr Generaldirektor waren 2005 für ihre Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

„Er hat die Iraner vor dem Henkersstrang gerettet und war die ganze Zeit damit beschäftigt, nach ihrem Willen zu verdecken und zu vertuschen“, sagte der israelische Regierungsvertreter dem Blatt. „Er hat entsetzlichen Schaden angerichtet, indem er es dem Iran ermöglicht hat, die ganze Welt zu täuschen und Zeit zu gewinnen.“ Er werde möglicherweise „als der Mann in die Geschichte eingehen, der dem Iran zur Atombombe verholfen hat“.

Auch der israelische „Iran-Experte“ Uzi Eilam meint, Al-Baradei habe Bemühungen blockiert, das iranische Atomwaffenprogramm zu stoppen. „Al-Baradei hat nicht nur uns gebremst, er hat die ganze aufgeklärte Welt gebremst“, sagte der ehemalige Leiter der israelischen Atomenergie-Kommission der Zeitung. Er habe den UN-Sicherheitsrat auf diese Weise eigenhändig daran gehindert, härtere Sanktionen gegen den Iran zu verhängen und Teheran „Zeit geschenkt“.

Solche Vorwürfe sind laut Wikipedia freilich nicht neu. Dem mit der Kindergärtnerin Aida Elkachef verheirateten Diplomaten war schon während seine diplomatischen Tätigkeit vorgehalten worden, dass seine Ehefrau Iranerin sei und er aufgrund ihres Einflusses gegenüber dem Golfstaat keine neutrale Position einnehme. Dem wurde von der IAEO aber öffentlich widersprochen. (2)

Allem Anschein nach geht es bei den jüngsten Vorwürfen darum, den geplanten israelischen Militärangriff auf den Iran propagandistisch vorzubereiten.

(1) http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1598936/

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_el-Baradei

Drucken

Drucken

Teilen