Bankenverband gegen Bankenzerschlagung

(30.07.2012/dpa)

Eine Zerschlagung von Banken löst nach Einschätzung des Bankenverbandes die Probleme der Branche nicht. „Sie müssen nur schauen, welche Banken die ersten Krisenopfer waren: IKB, Lehman, Hypo Real Estate – alle diese Institute hätte es auch gegeben, wenn wir damals schon ein Trennbankensystem gehabt hätten, und die Probleme vermutlich auch“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, am heutigen Montag in Frankfurt.

„Wir verstehen die Wut der Bevölkerung angesichts dessen, was in den letzten Wochen an Themen hochgekommen ist. Da ist in der Branche zu viel passiert, als dass wir sagen könnten: Ist doch alles halb so schlimm“, räumte Kemmer ein. Bestechung, Zinsmanipulation (Libor), Steuerhinterziehung, Geldwäsche – die Liste der Betrügereien von Bankern wurde zuletzt fast täglich länger. „Nur: Mit populistischen Schnellschüssen ist niemandem gedient“, betonte Kemmer. „Deutschland hat ein bewährtes System von Universalbanken,“ meint der Bankenvertreter.

Kein Linksradikaler, sondern der Chef der Munich-Re, Nikolaus von Bomhard, hatte vor zwei Wochen mit Forderungen nach einer Zerschlagung von Großbanken für Aufsehen gesorgt. Kein Institut dürfe zu groß zum Scheitern sein, sagte von Bomhard: „Ich würde alles so klein machen, dass nichts mehr too big to fail ist.“

Der Bankenverband warnte auch in Bezug auf den sogenannten Schattenbankensektor vor übereilten neuen Regeln. Es stehe außer Frage, dass etwa Verbriefungen besser überwacht werden müssten, die zu den Auslösern der Finanzkrise 2007/08 zählten. Das Hauptaugenmerk sollte nach Ansicht des Bankenverbandes dabei aber Produkten und Prozessen gelten, nicht Institutionen. Oder anders gesprochen: Die Schattenbanken sollen nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Aus der Verantwortung für die Finanzkrise versuchen sich auch die Vertreter der großen Parteien zu stehlen, indem sie sich nun als Kritiker der zügellosen Finanzmärkte gebärden.

So will auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Zerschlagung von Universalbanken nicht ausschließen. SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert außerdem strengere Regeln für die Finanzbranche.

„Die SPD und die Finanzmärkte – da war doch was? Richtig ist, dass unter Rot-Grün hochspekulative Hedgefonds in Deutschland zugelassen wurden, dass Banken ihre Beteiligungen an Konzernen plötzlich steuerfrei verkaufen durften, dass sich ein „Finanzmarktförderungsgesetz“ an das andere reihte, dass neue, komplexe Wertpapiere gefördert wurden: jene berüchtigten Asset Backed Securities (ABS), die später die Finanzkrise auslösten,“ kommentiert die ZEIT den Versuch des SPD-Chefs, auf den Zug der Finanzmarktkritik aufzuspringen.

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Das Hamburger Wochenblatt ruft außerdem in Erinnerung, dass „Union und Liberalen die rot-grünen Gesetze nicht weit genug gingen“ und sie „noch viel mehr Liberalisierung“ forderten. Die beiden Politiker würden einfach auf die Vergesslichkeit der Menschen spekulieren, wenn sie geschichtliche Begebenheiten in ihrem Sinne umdeuten. Gerade Schäuble sei ein „Meister dieses Fachs“.

Anmerkungen

(1) http://www.sueddeutsche.de/politik/debatte-ueber-die-finanzkrise-geschichtsstunde-mit-gabriel-und-schaeuble-1.1420525

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