Castortransport Richtung deutscher Grenze unterwegs

(15.12.2010/dpa)

Der Castor rollt schon wieder. Nur fünf Wochen nach dem von Massenprotesten begleiteten Transport nach Gorleben ist erneut ein Zug mit Atommüll von Frankreich nach Deutschland unterwegs. Demonstranten rüsten sich zum Protest.

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat sich der Castor-Transport mit deutschem Atommüll am Mittwoch der französisch- deutschen Grenze genähert. Am späten Vormittag steuerte er auf die lothringische Stadt Metz zu, wie ein Sprecher von Greenpeace mitteilte. Von dort aus könne er entweder über Saarbrücken weiter durchs Saarland oder über Straßburg weiter durch Baden-Württemberg fahren. Eine offizielle Bestätigung der Strecke gibt es aus Sicherheitsgründen nicht.

In Saarbrücken wurde nahe der möglichen Castor-Route eine Fünf- Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Im Umkreis lief eine Evakuierungsaktion, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. Die Auswirkungen auf den Transport seien zunächst unklar.

Die Bahnstrecke wird von zahlreichen Sicherheitskräften überwacht. Es sind auch Hubschrauber im Einsatz, um mögliche Störungen früh zu erkennen. Der Zug transportiert in vier Spezialbehältern etwa 2.500 Brennstäbe aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe und vom deutschen Atomschiff Otto Hahn, die jahrelang im südfranzösischen Kernforschungszentrum Cadarache lagerten. Sie sollen ins Zwischenlager Nord bei Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden, wo sie voraussichtlich am Donnerstag eintreffen.

Fünf Wochen nach dem von schweren Protesten begleiteten Transport ins niedersächsische Gorleben wird der Atommüll auch diesmal von einem Großaufgebot der Polizei gesichert. Etwa 3.000 Beamte werden nach Angaben des Innenministeriums von Mecklenburg-Vorpommern auf deutscher Seite im Einsatz sein. Die Bundespolizei begleite den Transport “in vierstelliger Zahl”, sagte der Präsident der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, Joachim Franklin. In Gorleben sollen rund 20.000 Polizeibeamte im Einsatz gewesen sein. Die Kosten für das Land werden auf 1,6 Millionen Euro geschätzt.

Bislang genehmigten die Behörden elf Mahnwachen entlang der Strecke zum Zwischenlager bei Lubmin; insgesamt soll es aber 70 Veranstaltungen geben, die meisten davon im Raum Greifswald. “Der Karlsruher Atommüll ist in Lubmin völlig fehl am Platz”, kommentierte Greenpeace-Sprecherin Anike Peters. So lange kein sicheres Endlager existiere, müsse der Müll wieder zurück in das Bundesland, in dem er produziert wurde.

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