Medien

„Entweder handelt es sich um eine Fälschung oder man hat ihr etwas untergeschoben.“

Ein Gespräch mit Frank Schumann über ein Fernseh-Interview, das Margot Honecker dem NDR nicht gegeben haben will –

20. April 2012 –

Lange Zeit stand fest: ein Interview mit der früheren DDR-Ministerin und Witwe des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker ist für Journalisten bürgerlicher Medien nicht zu haben. Viele Anfragen kamen, doch Margot Honecker blieb bei ihrer Haltung.

Einer Sensation kam es daher gleich, als die ARD am 2. April in ihrem Ersten Programm eine Fernsehdokumentation über Erich Honecker zeigte, die Ausschnitte aus einem Interview mit Margot Honecker enthielt. Hatte sie etwa ihre Haltung geändert? Es gibt gute Gründe, das zu bezweifeln. Denn kurz nachdem Eric Friedlers Film „Der Sturz – Honeckers Ende“ ausgestrahlt worden war, berichteten die Kollegen von der jungen Welt, ihnen lägen Informationen vor, nach denen die darin enthaltenen Interviewpassagen mit Frau Honecker ohne deren Einverständnis veröffentlicht wurden. (1) Der Verlag Das Neue Berlin bekräftigte den Vorwurf. Die Aufnahmen seien für das Archiv des Verlags und nicht für eine Veröffentlichung durch den NDR vorgesehen gewesen.(2) Ist das Interview unter falschen Angaben erschlichen worden?

Patricia Schlesinger, Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation / Fernsehen im NDR stellte sich unterdessen vor ihren Mitarbeiter Friedler: „Selbstverständlich waren die Aufnahmen für eine Sendung im Fernsehen bestimmt und nicht für ein Archiv. Dem NDR liegt eine uneingeschränkte, von Margot Honecker unterzeichnete Einverständniserklärung zur Veröffentlichung der Interviews vor. Die im Film befindlichen Interviews wurden alle ausschließlich von Herrn Friedler geführt. Dabei ist Eric Friedler selbstverständlich nicht als „technischer Assistent der edition ost“ aufgetreten, wie Herr Schumann behauptet. Darüber hinaus wurde während der Begegnung klar, dass es sich um eine Aufzeichnung für das Fernsehen handelt.
Dass Herr Schumann als Vertrauter und Berater von Margot Honecker das Interview begleiten sollte, war im Vorfeld der Dreharbeiten von Frau Honecker zur Bedingung gemacht worden. Der NDR hat dafür ausschließlich die Flug- und Hotelkosten für Herrn Schumann übernommen. Schon deshalb kann es über die Identität von Eric Friedler und über seine Zugehörigkeit zum NDR keinen Zweifel gegeben haben. Zudem gibt es einen umfangreichen E-Mail-Wechsel unter der NDR-Adresse von Eric Friedler. Es gab keine sonstigen Vereinbarungen zwischen dem NDR und Herrn Schumann. Herr Schumann hat zu keinem Zeitpunkt die Kamera bedient. Dass vielmehr ein professioneller Kameramann zugegen war, kann keinem der Beteiligten, auch Herrn Schumann nicht, entgangen sein. Der Kameramann hat auch die Reise von Herrn Friedler und Herrn Schumann – zum Beispiel im Flugzeug – dokumentiert, auch dieser Umstand wurde im Film offen dargelegt“, so der NDR. (3)

Für HINTERGRUND sprach Thomas Wagner mit dem Verleger Frank Schumann über seine Vorwürfe gegen Eric Friedler und den NDR.

Frank Schumann, 1951 in Torgau an der Elbe geboren, arbeitet als Publizist und Verleger in Berlin. Sein Verlag edition ost gehört zur Eulenspiegel Verlagsgruppe. Mit zwei von ihm initiierten Büchern über Erich und Margot Honecker sorgte er zu Beginn dieses Jahres für Furore. Es handelt sich um: Erich Honecker: Letzte Aufzeichnungen. Mit einem Vorwort von Margot Honecker. Edition Ost, Berlin 2012. Margot Honecker: Zur Volksbildung. Gespräch. Das neue Berlin, Berlin 2012

HINTERGRUND: Die Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation/Fernsehen im NDR, Patricia Schlesinger, hat mitgeteilt, dass eine uneingeschränkte schriftliche Einverständniserklärung von Frau Honecker zur Veröffentlichung des Interviews vorlag.

Frank Schumann: Mir liegen von Margot Honecker zwei Erklärungen vor, die im Prinzip das gleiche aussagen, nämlich: Eine solche Zustimmungserklärung ist von Margot Honecker nicht unterschrieben worden. Eine solche Erklärung, die sonst alle Interviewpartner von Friedler unterzeichnen mussten, ist ihr auch nicht vorgelegt worden. Friedler ist ihr auch nie als Mitarbeiter des NDR unter die Augen getreten. Er ist bei Margot Honecker in Santiago von mir als Freund und Mitarbeiter eingeführt worden, der mich technisch bei der Realisierung von zwei Buchprojekten unterstützt sollte. Als Angestellter eines Fernsehsenders wäre er nie über ihre Hausschwelle gekommen.

HINTERGRUND: Gibt es von Frau Honecker eine schriftliche Erklärung, die bestätigt, was Sie sagen oder handelt es sich um mündliche Aussagen, von denen Sie berichten?

Frank Schumann: Mir liegen zwei E-Mails von ihr vor. Nachdem ich sie noch einmal gefragt habe, teilte sie mir am 11. April 2012 mit: „Lieber Frank, ich verstehe Deine Anfrage nicht, ich kann nur zum wiederholten Male erklären, dass ich erstens zu keiner Zeit annehmen konnte, dass Friedler für ein bürgerliches Medium arbeitet, da ich davon ausgehen musste, dass er als Mitarbeiter von Schumann agierte und seine Aufnahmen für den Verlag edition ost machte. Zweitens kann ich nur zum wiederholten Male erklären, dass es weder eine schriftliche noch mündliche Erklärung meinerseits für eine andere Verwendung meiner Aussagen als für die von der edition ost geplanten Publikationen gegeben hat. Drittens: Für eine solche historisch verlogene, vom NDR ausgestrahlte Dokumentation habe ich keine Zustimmung gegeben. Eine solche hätte ich mit aller Entschiedenheit verweigert.“ Ein paar Stunden später hat sie das mit einer zweiten E-Mail noch einmal bekräftigt. Ich hatte Sie nämlich gefragt: „Könnte es sein, dass Du ihm ein Autogramm gegeben hast, so dass er Dir irgendetwas unterjubeln konnte?“ Darauf antwortete sie: „Lieber Frank, selbst wenn ich ihm ein Autogramm gegeben haben könnte, was mir nicht erinnerlich ist, ist es eine Fälschung, wenn er dies für eine sogenannte Erklärung verwendet hätte. Ich habe mit ihm keinen Kontakt gehabt, weder während Eures Aufenthaltes noch danach, von dem du nichts wüsstest. So weit ging meine Sympathie nicht, dass ich mit ihm, der ja nicht mein Verhandlungspartner war, irgendetwas vereinbart hätte. Wenn er aus den Dokumenten, die er ja in der Hand hatte, einen Namenszug von mir abgekupfert hat, wäre auch das eine nachweisbare strafbare Fälschung.“

HINTERGRUND: Frau Schlesinger hat auch mitgeteilt, dass der NDR Ihre Reisekosten nach Chile und die Hotelrechnung übernommen habe.

Frank Schumann: Ich habe auf Veranlassung von Friedler von einer Firma namens Cinecentrum am 24. August 2011 ein elektronisches Ticket gebucht bekommen, dass ich dann auf dem Flughafen Tegel erhalten habe. Ich traf Friedler in Paris. Er war in Begleitung des Kameramannes Armin Plöger, den ich nicht kannte. Von dort ging es weiter nach Chile. Plöger stieg mit im Hotel ab und bezog, wie auch ich, ein eigenes Zimmer. Meine Hotelrechnung übernahm Friedler. Es ist kein Geld zwischen Friedler und mir geflossen. Warum auch? Ich war Koch, er Kellner. Ich habe es darum auch abgelehnt, Plöger zu Margot Honecker mitzunehmen. Er saß die ganze Zeit im Hotel und übernahm Friedlers technischen Support.

HINTERGRUND: Er war also nicht bei den Aufnahmen dabei?

Frank Schumann: Am Mittwoch waren Friedler und ich ohne Technik bei Frau Honecker. Am Donnerstag führten wir beide das erste Gespräch mit Technik. Erst interviewte ich, dann nahm Friedler meinen Platz ein. Die Aufzeichnungen, so hatte ich Margot Honecker informiert und dem stimmte sie auch zu, dienten ausschließlich als Hintergrundmaterial für eine von mir geplante Honecker-Biografie und ein Interview-Buch zur Volksbildung. Und dass ich auch Aufzeichnungen für die Nachwelt wollte. Aus den vergangen 20 Jahren gab es von ihr nur diese verwackelten Amateur-Aufnahmen von irgendwelchen Feiern oder von journalistischen Überfällen auf der Straße. Diese bewegten Bilder von Margot Honecker waren denunziatorisch und herabwürdigend. Ich wollte und will nicht, dass diese bewegten Bilder die letzten sein sollten, die wir von ihr als wichtiger Person der Zeitgeschichte haben. In dieser Hinsicht war ich ihr gegenüber zunächst auch nicht ganz ehrlich. Denn ich habe ihr das so offen nicht gesagt: „Margot, wenn du tot bist, soll es anständige Bilder von dir im Archiv geben.“ Ich habe ihr das erst später gesagt, und darauf hat sie sehr souverän reagiert. Sie hat mir zwar den Kopf gewaschen, aber nicht die Freundschaft aufgekündigt. Sie hat gesagt: „Mein Lieber, diese Überlegung, der Zweck heiligt die Mittel, solltest du aus deinem Arsenal streichen.“ Auf diese Weise kamen etwa vierzig Stunden Gespräche zusammen, bei denen die meiste Zeit die Kamera mitlief.

HINTERGRUND: Was war nun mit dem Kameramann?

Frank Schumann: Friedler hat am Donnerstag die Kamera installiert, ich habe mich hingesetzt und Margot Honecker interviewt. Im zweiten Teil haben wir die Plätze gewechselt und Friedler hat sie befragt, während ich die Kamera kontrollierte. Auf der Rückfahrt ins Hotel kriegte Friedler einen Tobsuchtsanfall. Er sagte, der Ton sei schlecht, die Aufnahmen, die wir gemacht hätten, wären nicht zu verwerten. Morgen müsste der Techniker ran, also der Kameramann. Ich habe gesagt: „Dann wechsle das Mikrofon. Ich fahre auch morgen nur mit dir.“ Am Freitag sind wir wieder zu zweit zu Margot Honecker. Es lief haargenau wie am Vortag. Selbst der Tobsuchtsanfall kam. Da nur noch ein Tag zum Gespräch blieb – am Sonntag war der Ausflug nach Valparaiso geplant (darum hatte ich Margot gebeten, und ich bezahlte den Fahrer auch mit 200 Euro) –, stimmte ich dem einmaligen Auftritt des Kameramanns am Samstagnachmittag zu. Wie ihn aber einführen? Da Margot Honeckers Fernsehgerät in der Woche aus Altersschwäche seinen Geist aufgegeben hatte, kauften wir einen neuen, den Plöger als Techniker ins Haus von Margot Honecker trug und installierte. Friedler forderte ihn in Englisch auf, auch die Kamera zu überwachen, während wir mit Margot Honecker sprachen. Plöger sagte kein Wort und verschwand nach einiger Zeit wieder.

HINTERGRUND: Eine Sache habe ich nicht ganz verstanden. Sie schreiben, dass die Filmaufnahmen, die mit Frau Honecker gemacht wurden, von Herrn Friedler für die Buchprojekte in Ihrem Verlag transkribiert werden sollten. Die Bücher sind nun längst erschienen. Sie sagen jedoch, dass sie sowohl die Abschriften als auch das Filmmaterial von Herrn Friedler nie gesehen haben. Jetzt frage ich mich: Wie haben Sie denn die Bücher fertig gestellt?

Frank Schumann: Das müssen wir auseinanderhalten. Von der Existenz der Moabiter Gefängnisaufzeichnungen wusste ich bis dato nichts. Die drückte mir, völlig überraschend, Margot Honecker am dritten oder vierten Tag in die Hand. Damit war der Plan einer Honecker-Biografie im Moment obsolet. Wieso eine Biografie schreiben wenn es einen unbekannten Originaltext gibt? Dieses Manuskript wurde in Berlin lektoriert und zum Druck vorbereitet.
Das Gespräch über die Volksbildung, so war es mit Friedler vereinbart, wollte er abschreiben und für das geplante Buch liefern. (Daher war er ja auch Mitarbeiter des Verlages.) Ich habe aber abends im Hotel vorsichtshalber immer Stichworte und wichtige Sätze notiert, falls es Probleme mit der Technik respektive dem Abschreiben geben sollte. Mit diesen Aufzeichnungen und meinem vielleicht ganz guten Gedächtnis habe ich das Gespräch rekonstruiert und Margot Honecker zur Autorisierung vorgelegt. Die Korrekturen waren minimal.

HINTERGRUND: Wieso haben Sie Herrn Friedler vertraut? Schon eine kurze Internetrecherche hätte Sie doch erkennen lassen müssen, dass es sich um einen Journalisten handelt, der für seine unkonventionellen investigativen Methoden bekannt ist. War es nicht furchtbar naiv von Ihnen, sich überhaupt mit ihm einzulassen?

Frank Schumann: Im Nachhinein kann man das so sehen, und vielleicht war ich es auch. Der Erstkontakt kam schon 2010 zustande. Er hat mich damals mit seiner Vita (Kind von den Nazis verfolgter Juden, die nach dem Krieg nach Australien emigrierten, er ist zudem australischer Staatsbürger) und seinem Film „Das Schweigen der Quandts“, worin es um die Nazi-Verstrickungen der BMW-Familie geht, überzeugt. Dort hat er eine klare antifaschistische Position vertreten. Auch nahm mich die Idee seines Filmprojektes, mit dem er an mich herantrat, sehr für ihn ein. Ich sah darin einen Beitrag zur Entdämonisierung der DDR und ihres Führungspersonals. „Die Honeckers in Lobetal“ sollte jenes Vierteljahr behandeln, in dem beide in diesem Pfarrhaus bei Pfarrer Uwe Holmer lebten. Das war ein völlig anderer als der seit 1990 übliche Umgang mit der DDR-Geschichte. Als er mir das schilderte, habe ich ihm gesagt, dass er sich damit völlig gegen den Mainstream stellen würde. Als Grimme-Preisträger und Macher des Quandt-Films glaubte er aber, das bewerkstelligen zu können.
Insgesamt hatte ich den Eindruck: Das ist ein seriöser, verlässlicher Partner. Ich war der festen Überzeugung, dass er genau dieses vorhatte, was er mir erzählte Auch bei dem Film über die Quandts hatte er sich gegen den Mainstream und andere Widerstände gestellt, warum nicht auch hier? Ich habe mich deshalb für ihn engagiert, dass er dieses mir präsentierte Projekt realisieren konnte, ich habe ihn, worum er mich bat, beraten und auch Kontakte zu Zeitzeugen vermittelt. Egon Krenz zum Beispiel hätte sich nicht ohne mein Zutun vor Friedlers Kamera gesetzt. Er mache es für mich, nicht für Friedler, sagte Egon. Und das traf auch zu.

HINTERGRUND: Ich könnte mir vorstellen, dass Herr Friedler ursprünglich tatsächlich das vorhatte, was er Ihnen erzählte. Denn der Film, den er dann realisierte, scheint mir noch Reste von dieser Idee zu enthalten. Wahrscheinlich hat er damals selbst an das Projekt geglaubt und konnte es Ihnen deshalb auch überzeugend vermitteln.

Frank Schumann: Vermutlich, denn für einen derart exzellenten Schauspieler halte ich ihn nicht, dass er von Anfang an das geplant hatte, was dann geschah, und vom ersten Tage an mich hinterging. Meine Interpretation ist: Nachdem wir mit unserem Erich-Honecker-Buch erfolgreich in den Medien waren und auch unser Gesprächsbuch mit Margot Honecker gut angenommen wurde, wollte er offenbar auf der Welle mitschwingen. So wurde in aller Eile aus dem bereits abgedrehten Material mit anderen Zeitzeugen und dem Gespräch mit Margot Honecker dieses üble Rührstück mit heißer Nadel genäht. Ein klassischer Schnellschuss, der nichts von jenem aufklärerischen Ansatz hatte, mit dem Friedler die „Honeckers in Lobetal“ zeigen wollte, aber umso mehr von dieser verlogenen Mainstream-Lesart: Diktatur, Mauer, Schießbefehl, Zwangsadoptionen etc.
Das ist ärgerlich genug. Doch ich hätte selbst darüber hinweggesehen, dass er sich mit fremden Federn schmückte, nämlich dass es ihm allein gelungen sei, Margot Honeckers Schweigen zu brechen, dass er – wie von ihm selbst erklärt – „Reporterglück“ gehabt habe und es ihm als ersten Fernsehjournalisten gelungen sei, sie zum Gespräch zu bewegen. Geschenkt. Was mich wütend macht ist seine Lüge, Frau Honecker habe dem wissentlich zugestimmt. Das hat sie nicht. Sie hat, wie ich schon eingangs sagte, zweimal dementiert. Und der zweite Grund, weshalb ich die Sache nicht auf sich beruhen lassen möchte, ist diese hochgradig unseriöse Arbeit als Journalist. So etwas habe ich nicht einmal mit dem schmierigsten Boulevard-Journalisten erlebt: Die halten sich an Absprachen und hauen nicht jene in die Pfanne, die ihnen halfen.
Ich habe Friedler, bevor wir nach Chile flogen, gesagt, dass er durch seine Zusammenarbeit mit mir vielleicht Ärger bekommen könnte. Denn ich bin als Kurier der Auslandsaufklärung der DDR gefahren, was als Stasi-IM-Tätigkeit gewertet wird. Ich habe ihn also gewarnt, dass es deshalb Angriffe geben könnte. Er hat gesagt, dass sei für ihn überhaupt kein Problem. Meine Offenheit nutzte er zu meiner öffentlichen Denunziation. Im Nachgang habe ich begriffen, warum er mich so ein- und vorführen musste: Ich bin neben Margot Honecker der einzige Zeuge der Aufnahmen und Absprachen. Deshalb musste ich bloßgestellt werden und als unglaubwürdig erscheinen, weil nach hiesiger Lesart einer, der sich mit dem MfS eingelassen hat, a priori unglaubwürdig ist und gefälligst die Klappe halten soll. Und Margot Honecker, der Diktatoren-Witwe, glaubt man ohnehin kein Wort. Darum hat am Ende nur einer Recht und spricht einzig die Wahrheit: Eric Friedler, „einer der besten Dokumentarfilmer in Deutschland“, wie ihn am 3. April NDR-Intendant Lutz Marmor in einer Presseerklärung nannte.

HINTERGRUND: Haben Sie vor, juristisch gegen Herrn Friedler oder den NDR vorzugehen?

Frank Schumann: Momentan prüfen wir bei uns im Verlag mit den uns verbundenen Juristen, ob ein Verfahren wegen Verletzung meiner Urheberrechte Erfolg haben könnte. Die Frage ist, ob wir nachweisen können, dass Herr Friedler Material aus dem von mir geführten Gespräch verwendet hat. Und spannend ist die Frage zu klären, wie echt die angeblich schriftlich erteilte Zustimmung Margot Honeckers ist, die laut Erklärung des NDR in Hamburg vorliegt. Ich glaube Margot Honecker, die wiederholt sagte, keine Zustimmungserklärung dieser Art unterschrieben zu haben. Entweder handelt es sich um eine Fälschung oder man hat ihr etwas untergeschoben, sie also gelinkt. In meinem Beisein hat sie jedenfalls nichts unterschrieben, und vor und nach der Chile-Reise hat Friedler, wie der NDR bestätigte, keinen Kontakt mit ihr gehabt.

Anm. Redaktion: HINTERGRUND hat über die Presseabteilung des NDR eine Interviewanfrage an Herrn Eric Friedler gestellt, damit er seine Sicht der Vorgänge um das Honecker-Interview darstellen kann.


(1) http://www.jungewelt.de/2012/04-07/002.php?sstr=margot|honecker

(2) http://www.jungewelt.de/2012/04-12/036.php?sstr=margot|honecker

(3) http://www.ndr.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/pressemeldungndr10067.html

Drucken

Drucken

Teilen

Voriger Artikel Medien Sorgsame Nachrichtenauswahl
Nächster Artikel Medien Wie man lügt, wenn es um Russland geht