Medien

Verschwörungstheorien einmal anders. Gert Scobel moderierte einen seltenen Lichtblick im Talkshow-Einerlei

Von THOMAS WAGNER, 7.  September 2012 –

Wenn im deutschen Fernsehen das Thema Verschwörungstheorien auf dem Programm steht, dann geht es meist weniger um die Aufdeckung staatsterroristischer Machenschaften als um die Diffamierung all jener, die um die Aufdeckung verdeckter Operationen von Militärs und Geheimdiensten bemüht sind. Vor diesem Hintergrund war die am Donnerstag (6.09.2012) auf 3sat ausgestrahlte Sendung „scobel“ zum Thema Verschwörung ein seltener Lichtblick der Aufklärung im weitgehend staatsfrommen TV-Einerlei.  

Das lag vor allem an den sachkundigen und eloquenten Beiträgen der beiden Studiogäste, dem Schweizer Historiker, Engergie- und Friedensforscher Daniele Ganser und dem ehemaligen SPD-Politiker Andreas von Bülow, die ihre Kenntnisse über die Machenschaften der CIA, den französischen Geheimdienst und verdeckte NATO-Aktivitäten in Europa so überzeugend dazulegen vermochten, dass die Frage des Moderators, wie die Menschen ihr Vertrauen in die Politik zurückerlangen könnten, einigermaßen abwegig erschien. Immer dann, wenn staatliche Behörden offensichtlich Nachforschungen zu behindern trachteten, sei es geradezu geboten, den offiziellen Verlautbarungen zu misstrauen und sich auf die Kraft der Vernunft zu verlassen.

In diesem Punkt waren sich zumindest Ganser und Bülow vollkommen einig. Der dritte Studiogast, der Wissenschaftsautor Thomas Grüter, blieb dagegen etwas blass. Seine Ausführungen zur generellen Wirkungsweise von Verschwörungstheorien waren zu allgemein, als dass sie die in der Sendung zahlreich geschilderten Fälle tatsächlicher Staatsverschwörungen hätten entkräften können. Zu einer Zeit, da den Staaten der Zugriff auf das Erdöl immer wichtige werde, ist für Daniele Ganser die Aufmerksamkeit der Bürger für verdeckte Aktionen der Geheimdienste umso mehr das Gebot der Stunde.

Moderator Gert Scobel wiederum ließ seinen Gästen genügend Raum, um ihre Positionen deutlich zu machen. Auch die zum Teil misslungen und großenteils überflüssigen Filmeinspieler konnten den insgesamt aufklärerischen Wert der Sendung nicht schmälern.  

Link zur Sendung:

http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=32359

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