Innenpolitik

Sinnloser Tod in Afghanistan: Bundeswehroffiziere appellieren an Bundestagsabgeordnete

Von THOMAS WAGNER, 11. Oktober 2010 –

Auf den Tod eines Oberfeldwebels der Bundeswehr durch einen Selbstmordanschlag in der afghanischen Provinz Baghlan reagierten die im Darmstädter Signal zusammengeschlossenen kritischen Offiziere und Unteroffiziere am Sonntag mit einer Pressemeldung, die den Angehörigen, Freunden und Kameraden des gefallenen Soldaten ihr Mitgefühl ausspricht, darüber hinaus aber auch politische Konsequenzen fordert:

„Wann endlich begreifen die verantwortlichen Politiker, dass der Militäreinsatz der Bundeswehr in eine Sackgasse geführt hat und die Lage in Afghanistan eher unsicherer als sicher geworden ist“, heißt es in dem von Kapitänleutnant Jörg Wiebach gezeichneten Schreiben. (1)

Der Vorsitzende des kritischen Forums für Staatsbürger in Uniform fordert die Abgeordneten des Deutschen Bundestages im Namen des Arbeitskreises Darmstädter Signal dazu auf, „nun endlich darauf hinzuwirken diesen Irrsinn mit der Beteiligung Deutschlands an dem nicht internationalen bewaffneten Konflikt so schnell wie möglich zu beenden, weitere deutsche Opfer zu verhindern und der hohen Ablehnung der deutschen Bevölkerung an diesem Krieg nachzugeben“.

Die Soldaten vom Darmstädter Signal bitten die Abgeordneten des Deutschen Bundestages im Hinblick auf die folgende Verlängerung des Einsatzes, dieser nur noch zuzustimmen, wenn das Mandat erstens wieder auf die defensive Rolle der Bundeswehr in Afghanistan zurückgeführt und mit einer klaren, zeitlich festgelegten Abzugsoption versehen wird sowie eine vorrangig auf zivilen Aufbau orientierte und auf politische Lösungen zielende Richtung erhält.

Unterdessen sind deutsche Soldaten nur drei Tage nach dem tödlichen Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr erneut Ziel eines Sprengstoffangriffs geworden.

Dabei sollen diesmal aber keine Soldaten verletzt worden sein, teilte die Bundeswehr am Sonntag im Internet mit. Demnach explodierte wenige Kilometer östlich des Stützpunkts Kundus eine Sprengfalle, als eine Fahrzeugkolonne der Bundeswehr auf dem Rückweg ins Lager war.

Wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam sagte, detonierte die Sprengfalle erst, als die Fahrzeuge die Stelle bereits passiert hatten.

Am Donnerstag vergangener Woche waren außer dem getöteten Oberfeldwebel weitere 14 deutsche Soldaten verletzt worden. Zunächst war von nur sechs Verwundeten die Rede gewesen. Damit stieg die Zahl der toten Bundeswehrsoldaten seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan auf 44.

(1) http://www.darmstaedter-signal.de/aktuell/2010_11_10_Presse_Afghanistan_Kondolenz.php

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