EU-Politik

Neue Geheimdienstaffäre? BND soll Haider unterstützt haben

Von REDAKTION, 25. Oktober 2010 –

Nach Angaben des österreichischen Nachrichtenmagazins Profil gibt es ernstzunehmende Anhaltspunkte dafür, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) eine Reise des vor zwei Jahren verstorbenen Rechtsaußenpolitikers Jörg Haider zu Saddam Hussein in den Irak finanziert haben könnte. „Zumindest bei der zweiten Reise des Kärntner Landeshauptmanns nach Bagdad vom 3. bis 6. Mai 2002 war nach Recherchen von Profil ein V-Mann des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) in die Delegation eingeschleust worden, der auch die Flugkosten übernahm.“ (1)

An der fraglichen Reise soll auch Haiders Parteikollege Ewald Stadler und sein Pressesprecher teilgenommen haben. Der BND sei an Haiders Kontakten zur Familie des damaligen Machthabers Saddam Hussein interessiert gewesen, hieß es in einem weiteren Pressebericht. (2)

Der deutsche Geheimdienst soll den österreichischen Geschäftsmann Klaus S. eingeschaltet haben, der für eine Salzburger Detektei gearbeitet und Aufträge für den BND ausgeführt habe.

Der Geschäftsmann habe Kontakte zu einer in Salzburg angesiedelten Detektei namens HCL International Ltd. unterhalten. Dabei handelt es sich nach Angaben von Profil um ein Tarnunternehmen des BND zur Undercoverrecherche. Auch der Irak habe nachweislich im Blickfeld von HCL gestanden.

Der Geheimdiensthintergrund der Detektei sei aufgeflogen, als ihre Inhaber 2004 in eine Bestechungsaffäre schlitterten, die in gerichtlichen Ermittlungen gegen sie mündete. Im Zuge des Verfahrens habe der BND bestätigt, dass die beiden Männer als Agenten tätig gewesen waren.

„Nunmehr bestätigen ehemalige Mitarbeiter der 2006 in den Konkurs geschlitterten HCL gegenüber Profil, dass Klaus S. in direkter Verbindung zur Salzburger Spionage-Dependance des BND stand. Wie übrigens auch Saad G., ein damaliger Agent des Saddam-Geheimdienstes, der an der irakischen Botschaft in Wien tätig war.“ (3)

Die Verbindungen von Klaus S. und seine Rolle als Begleiter der Haider-Delegation werfen nach Ansicht von Profil die Frage auf,  ob und mit welchen Hintergedanken der BND die zweite Reise von Haider zumindest mitfinanziert hat. „Ob Klaus S. für den BND als Agent tätig war, ob er als Informant und Zuträger fungierte oder bloß abgeschöpft (also unwissentlich als Quelle benutzt) wurde, ist vorerst nicht zu klären. Gegenüber Profil verweigerte der Geschäftsmann jede Stellungnahme.“ (4)

Die Summe, die der BND für die „Überwachung“ Haiders ausgegeben haben soll, soll laut Presseangaben mehrere 100.000 Euro betragen haben. Dazu hätten sich  sowohl der BND als auch der  mutmaßliche Agent nicht äußern wollen. (5)

Laut Profil deutet vieles darauf hin, dass die Aktion des BND in Absprache mit dem US-amerikanischen Geheimdienst CIA erfolgt war. „Es liegt auf der Hand, dass die westlichen Geheimdienste sich intensiv für Haiders Reisediplomatie zu interessieren begannen – und möglicherweise sogar versuchten, ihn für ihre Zwecke einzuspannen. Zumal der Kärntner ja keinen Zweifel daran gelassen hatte, dass er dem Saddam-Regime gewogen und an weiteren Kontakten interessiert war.“ (6)


(1) http://www.profil.at/articles/1041/560/279853/haider-millionen-was-bundesnachrichtendienst
(2)   http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,725036,00.html
(3) http://www.profil.at/articles/1041/560/279853/haider-millionen-was-bundesnachrichtendienst
(4) http://www.profil.at/articles/1041/560/279853/haider-millionen-was-bundesnachrichtendienst
(5)  http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,725036,00.html
(6) http://www.profil.at/articles/1041/560/279853/haider-millionen-was-bundesnachrichtendienst

Drucken

Drucken

Teilen

Voriger Artikel EU-Politik Arbeitsmigration in der Krise
Nächster Artikel EU-Politik Britischer Geheimdienstchef rechtfertigt Folter