Weltpolitik

Hip-Hop-Star will nicht mehr Präsident werden. Was steckt hinter Wyclefs Engagement in Haiti?

Von THOMAS WAGNER, 22. September 2010 –

Nun will er also doch nicht der Präsident Haitis werden. Überraschenderweise hat der Musiker Wyclef Jean am Dienstag in einer Erklärung gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN bekannt gegeben, nun doch die Entscheidung des haitianischen Wahlkomitees zu akzeptieren, ihn nicht als Kandidaten für das höchste politische Amt Haitis zuzulassen. Das Gremium war im August zu der Ansicht gelangt, dass der in Haiti geborene Musiker nicht, wie für die Bewerber vorgeschrieben, in den vergangenen fünf Jahren in Haiti gelebt hatte. Ende November wird in dem ärmsten Land Amerikas, dessen Hauptstadt Port-au-Prince bei einem verheerenden Erdbeben im Januar 2010 fast vollständig zerstört wurde, ein neuer Präsident gewählt.

Wyclef Jean hat sich nach dem Erdbeben, bei dem bis zu 300.000 Menschen getötet und über eine Millionen obdachlos wurden, für den Wiederaufbau stark gemacht. Er organisierte das Benefizkonzert „Hope for Haiti“, produzierte mit Mick Jagger ein Benefizalbum und gründete die Hilfsorganisation Yele Haiti Foundation, mit der er schon seit Jahren Jugendprojekte unterstützt.

Der Hip-Hop-Star, der mit seiner Band Fugees in den 1990er Jahren weltweit Erfolge feierte, hatte zunächst angekündigt, die Entscheidung anfechten zu wollen. Davon nahm er nun Abstand. „Mit der Anfechtung wollten wir vor allem das Ziel verfolgen, die Möglichkeiten der Bevölkerung zu fördern, an einem freien und fairen demokratischen Prozess teilzunehmen“, erklärte Jean. (1) Die Kandidatur aufzugeben sei keine leichte Entscheidung gewesen. „Nach wochenlangem Schweigen, aber schmerzhaftem Nachdenken zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter habe ich mich entschlossen, meine Bemühungen um eine Kandidatur für die haitianische Präsidentschaft zu beenden“, sagte der Musiker, der aus Protest gegen seinen Ausschluss von der Präsidentenwahl sogar einen „Protestsong“ veröffentlicht hatte. Möglicherweise wird das Lied „Prizon Pou K.E.P.A.“ („Gefängnis für die Wahlkommission“), das schwere Vorwürfe gegen den amtierenden Präsidenten René Préval und die Wahlkommission erhebt, auch auf seinem für Februar 2011 angekündigten Album „If I Were President, the Haitian Experience“ enthalten sein.

Nicht nur dieser Sachverhalt ist dazu geeignet, hinter Wyclef Jeans vorgeblich rein humanitär intendiertem Engagement für Haiti auch weniger ehrenwerte Motive zu vermuten. Auf Plakaten in Port-au-Prince macht der Sänger Werbung für einen Mobilfunkanbieter.“ (2) Seine Hilfsorganisation ist wegen Steuervergehen längst ins Gerede gekommen. (3) Außerdem war bekannt geworden, dass Jean von der Yele-Haiti-Stiftung für Auftritte bei Wohltätigkeitsveranstaltungen bezahlt wurde. (4)

Ist der steinreiche Musiker, der heute ein US-Staatbürger ist, vielleicht sogar ein Repräsentant neokolonialer Bestrebungen der Regierung Obama? Immerhin macht stutzig, dass Jean auf Haiti einen eigenen Radiosender betreibt und sein Onkel Raymond Joseph, ebenfalls ein Präsidentschaftskandidat, der derzeitige Botschafter Haitis in den USA ist. (5)

Der auf Seiten der US-Linken engagierte Schauspieler Sean Penn bezweifelte öffentlich, dass der politisch völlig unerfahrene Wyclef Jean das arme Haiti aus der Krise führen kann. Er sagte in der „Larry-King“-Show: „Er wird eine Menge Unterstützung von den Vereinigten Staaten erhalten. Ich muss sagen, dass ich der Sache wirklich misstrauisch gegenüberstehe.“ (6)

(1) http://www.ad-hoc-news.de/das-war-keine-leichte-entscheidung–/de/News/21617846
(2) http://www.tagesspiegel.de/meinung/es-ist-ein-grosses-opfer/1897552.html
(3) http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/musiker-will-praesident-haitis-werden/
(4) http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/leute/2010/08/23/rapper-wyclef-jean/wehrt-sich-gegen-abgesagte-praesidentenkandidatur-in-haiti.html
(5) http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/musiker-will-praesident-haitis-werden/
(6) http://top.de/013x-Kein-guter-Praesident

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