Weltpolitik

Säbelrasseln im Südatlantik

Argentinien und Großbritannien streiten sich erneut um die Falklandinseln. Bei dem Konflikt geht es um Öl –

Von THOMAS WAGNER, 8. Februar 2012 –

Vor dreißig Jahren war die Auseinandersetzung um die Falkland-Inseln Anlass für einen blutigen Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien. Auf britischer Seite waren mehr als 250, auf argentinischer Seite knapp 650 Soldaten ums Leben gekommen. Aus dem Schlagabtausch gingen die damals von Margaret Thatcher regierten Briten als Sieger hervor. Unter den Folgen müssen die Inselbewohner bis heute leiden. Teile der Inseln können nicht betreten werden, weil sie nach wie vor vermint sind.

Nun gibt es Anzeichen, dass sich die Geschichte wiederholen könnte. Großbritannien zeigt vor Ort militärische Stärke. Die gegenseitigen Vorwürfe der Regierungen gehen hin und her. Doch gibt es einen wichtigen Unterschied. Argentinien ist heute keine Militärdiktatur mehr, sondern eine Demokratie, die von einem Bündnis selbstbewusster und fortschrittlicher lateinamerikanischer Staaten unterstützt wird.  Immer deutlicher wird, dass es bei dem Konflikt weniger um Souveränitätsrechte, denn um den Zugriff auf die südatlantischen Ölfelder geht.

Militärische Drohgebärden

Nachdem Großbritannien derzeit moderne Kriegsschiffe zu den Falklandinseln schickt, wirft die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner dem Land eine Militarisierung des Südatlantiks vor. Argentinien werde dagegen bei den Vereinten Nationen Protest einlegen, sagte sie am Dienstagabend in Buenos Aires. Sie habe Außenminister Héctor Timerman angewiesen, im Weltsicherheitsrat und in der UN-Vollversammlung entsprechende Beschwerden vorzulegen.

Zuvor hatten die Mitglieder des lateinamerikanischen Staatenbündnisses ALBA (Bolivarianische Allianz für Amerika) bei ihrem Gipfeltreffen in der venezolanischen Hauptstadt Caracas am Sonntag bereits Sanktionen gegen Großbritannien erwogen, falls sich die Regierung des konservativen britischen Premiers David Cameron nicht zu Gesprächen über die Rückgabe der Malwinen-Inselgruppe (Falkland-Inseln) an Argentinien bereit finde. (1) Nach Ansicht des ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa ist es an der Zeit, dass Lateinamerika Sanktionen gegen Mächte verhänge, die noch im 21. Jahrhundert imperial und kolonialistisch agierten. (2)

Argentinien hatte bereits kurz vor Weihnachten zusammen mit den drei Mercosur-Partnerländern Brasilien, Uruguay, Paraguay seine Häfen für Schiffe mit der Flagge der Falkland-Inseln gesperrt, um seinem Wunsch nach Gesprächen über den Status der Inseln mehr Nachdruck zu verleihen. Daraufhin kündigte die Regierung in London an, die „HMS Dauntless“, eines ihrer modernsten Kriegsschiffe, in die Gewässer um die Falklandinseln zu verlegen. Nach britischen Medienberichten wurde auch ein Atom-U-Boot dorthin entsandt. Während Großbritannien immer wieder erklärt, dass die Bewohner der Falklandinseln auf eigenen Wunsch britisch seien, beansprucht Argentinien das Territorium für sich.

Den Versuch der argentinischen Militärs die Malvinas zurückzuerobern, sieht Präsidentin Kirchner heute freilich nicht mehr als gerechtfertigt an. Außerdem unterzeichnete sie ein Dekret, das die Geheimhaltung der Akten einer argentinischen Untersuchungskommission zum Falklandkrieg aufhebt. Der britische Premierminister David Cameron ging unterdessen zum rhetorischen Gegenangriff über und warf Argentinien „Kolonialismus“ vor, was der argentinische Außenminister Héctor Timerman umgehend und energisch zurückwies.

Ölförderung geplant

Doch worin ist die eigentliche Ursache des Konflikts zu suchen? Immerhin leben auf den Inseln nur etwa 3.000 Menschen. Die Antwort ist einfach: Es geht um die Rohstoffreserven. Lange Zeit galten die Falkland-Inseln als wirtschaftlich bedeutungslos. Inzwischen bohren dort aber britische Unternehmen nach Öl. 1998, als die ersten Probebohrungen erfolgreich waren, erschienen die Vorkommen noch eher vernachlässigbar. Inzwischen hat sich jedoch der Ölpreis vervielfacht und die Vorkommen erscheinen vielversprechender. Das britische Öl-Unternehmen Rockhopper Exploration, das seit April 2010 neue Probebohrungen im Norden der Inselgruppe vornimmt, will von 2016 an Öl fördern. Die Kosten für die Vorbereitungen bezifferte das Unternehmen auf zwei Milliarden US-Dollar. Es vermutet, dass in dem Ölfeld 350 Millionen Barrel (je 159 Liter) förderbares Öl liegen. Da Argentinien das Gebiet als Teil seiner Region Feuerland ansieht, bewertet es die britische Ölsuche als einen Verstoß gegen internationales Recht

Die USA agieren bislang zurückhaltend. Das State Department beließ es dabei, eine Verhandlungslösung anzumahnen. (mit dpa)


(1) http://amerika21.de/meldung/2012/02/48248/alba-falkland-sanktionen

(2) ebd.

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