Film / Fernsehen

Ein rechtsextremer Filmkaufmann klagt gegen die VVN-BdA

Die Betroffenen: „Wir werden uns den Mund nicht verbieten lassen“ –

Von ULRICH SANDER, 25. März 2010 –

Karl Höffkes, Besitzer einer Unmenge von filmischem Nazi-Propagandamaterial, das er entsprechend einsetzt, will Kritiker an seinen Aktivitäten mundtot machen. Am 13. April stehen Vertreter der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) in Berlin vor Gericht, die es gewagt hatten, vor Höffkes zu warnen und ihn einen Rechtsextremisten zu nennen.

Höffkes
„Medienfreund“ Karl Höffkes –
vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart als rechtsextremer Historiker eingestuft

Am 23. Juli vorigen Jahres berichtete die Westfälische Rundschau (WR) aus der WAZ-Gruppe: „Karl Höffkes sammelt Filmmaterial aus der Zeit bis 1946. Sein Archiv im westfälischen Gescher zählt zu den größten der Republik. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die Großen der TV-Branche gerne bei ihm bedienen.“ Alles deutete darauf hin, dass sich auch die WAZ-Gruppe bei Höffkes bedienen wollte, so wie Stefan Aust und Guido Knopp. Denn am Schluss des Artikels wurden die Leserinnen und Leser unverhohlen zur Mitarbeit bei den Projekten des Höffkes aufgerufen. Wollte die WAZ-Gruppe ihrer „Mediathek für die Ruhr und ganz NRW“, die sie aufbaut, nun auch Filme wie „Der Nationalsozialismus im Alltag“ hinzufügen, wie sie Karl Höffkes bereits seit Jahren mit „Zeitzeugen“ aus der NSDAP produzierte?

Die VVN-BdA aus NRW protestierte bei der WR-Chefredaktion gegen die sich anbahnende Zusammenarbeit. Denn Höffkes war ihr kein Unbekannter. Sprecher der VVN-BdA nannten ihn einen „rechtsextremistischen Propagandisten“.

Dafür gab es viele Gründe. Höffkes, 1954 in Oberhausen geboren, hatte solche Funktionen inne wie: Vorstandsmitglied der neonazistischen „Gesellschaft für freie Publizistik“, Autor des einschlägig bekannten Grabert-Verlags, Redakteur der nationalrevolutionären Zeitschrift „Wir selbst“, Leiter des „Heitz & Höffkes“-Verlags mit unzähligen kriegsverherrlichenden und die Nazis verharmlosenden Produktionen, Autor des rechten Druffel-Verlags und der „Nation und Europa“. Seine Aktivitäten und Eigenschaften werden vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart in den Worten zusammengefasst: „Der rechtsextreme Historiker Karl Höffkes befragt Artur Axmann, der von 1940 bis 1945 Reichsjugendführer war.“ (1) Höffkes hat die Schriften Axmanns, der die Jugend in den Tod trieb, selbst aber 83 Jahre alt wurde, verlegt und hat ihm in „Nation und Europa“ einen hymnischen Nachruf gewidmet (2). Doch nicht nur länger zurück liegende Produktionen weisen Höffkes als Rechtextremen aus, auch heute liefert er den Nazis das nötige Rüstzeug für den Heimabend und die Aufmarschvorbereitung, so die „Geheimakte Hess“, als DVD 2004 vom NPD-Parlamentsmitarbeiter Olaf Rose produziert.

Derzeit ist Höffkes Chef bei „Polarfilm“, der Firma mit den guten Beziehungen zu „Spiegel“ und ZDF, derer er sich rühmt. Die VVN-BdA hat allerdings Hinweise, dass in anderen Medienhäusern die Fa. „Polarfilm“ und ihr  Chef nicht einmal mit spitzen Fingern angefasst werden. Damit dies anders wird und weil er weitere gute Geschäftsbeziehungen knüpfen will, darunter auch solche, die der Finanzierung rechtsextremer Unternehmungen dienen könnten, wie fachkundige Beobachter vermuten, will er sich nicht durch Enthüllungen stören lassen. Was das Hauptstaatsarchiv Stuttgart darf, soll die VVN-BdA nicht dürfen: Höffkes einen Rechtsextremen nennen – und die Wahrheit über ihn verbreiten.

Deshalb sollen die VVN-BdA-Vertreter Jürgen Schuh (Düsseldorf)  und Thomas Willms (Berlin) ihre im Internet verbreiteten Urteile und Fakten über Höffkes zurücknehmen und nie wiederholen, es sei denn sie nehmen 250.000 Euro oder 6 Monate Ersatzhaft in Kauf. Am 13. April sollen sie bei einer mündlichen Verhandlung vorm Landgericht Berlin um 11.30 Uhr am Tegeler Weg 17 erscheinen.

Höffkes hat sich nie öffentlich und umfassend von seinen früheren Auffassungen und Veröffentlichungen distanziert. Er meint gelernt zu haben, dass die Meinungsfreiheit, die heute gegeben ist, im Nationalsozialismus gefehlt habe. Für ihn ist das aber wohl vor allem die Freiheit, seine kriegsverherrlichenden Machwerke weiter zu vertreiben, seinen antifaschistischen Kritikern will er aber weiter verbieten, ihre Meinung zu sagen. Er will eben doch  wohl lieber den „Alltag im Nationalsozialismus“ zurück haben. Die VVN-BdA wird sich aber den Mund nicht verbieten lassen, erklärte ein Sprecher. Sie fordert ZDF und Spiegel-TV auf, die Zusammenarbeit mit Höffkes aufzukündigen und es den Redaktionen gleichzutun, die Kontakte zu Höffkes ablehnen.

1)    www.2.landesarechiv-bw.de
2)    NE 11-12/1996

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