Literatur

Henning Mankell – ein entschiedener Unterstützer der Gaza-Solidaritätsflotte

Von REDAKTION/dpa, 31. Mai 2010 – 

Der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell (62) ist überzeugter Sozialist – und ein streitbarer Mann. Seit langem setzt er sich auch für die Sache der Palästinenser ein. Er unterstütz die Gaza-“Solidaritätsflotte“ nicht nur mit Worten sondern auch durch Taten, sprich durch seine Anwesenheit auf einem der Schiffe. Und so wurde er am Montag offensichtlich auch Zeuge der israelischen Militäraktion gegen die Schiffe, einer Aktion bei der mehr als zehn Menschen getötet wurden.

Im Vorfeld der Aktion Free Gaza hatte Mankell erklärt, genau so wichtig wie Hilfsgüter nach Gaza zu bringen, sei es, den dort lebenden Henning MankellPalästinensern zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Für den Schriftsteller ist „Solidarität“ kein leeres Wort. „Solidarität“, so äußerte sich Mankell auf der Internet-Seite des dtv-Verlages, „bedeutet handeln, nicht nur Worte“. Er sah „erschreckend viele Parallelen“ zwischen Südafrika unter der Apartheid und dem Konflikt im Mittleren Osten. Die Palästinenser bräuchten Hilfe. „Vor allem in Gaza ist die Situation entsetzlich, gleicht einem Freiluftgefängnis.“

Wegen seines Engagements für die „Solidaritätsflotte“ sagte der Autor auch Stationen seiner Lesereise für seinen neuesten und letzten Wallander-Krimi „Der Feind im Schatten“ ab. Christina Knecht, Sprecherin des Paul Zsolnay Verlags in München, teilte mit, dass die Lesungen am Montag in Zürich und an diesem Dienstag in Konstanz ausfallen. Ob Mankell die nächsten Stationen vom 3. bis 5. Juni in Berlin, Düsseldorf und Braunschweig wahrnehmen könne, hänge von der Entwicklung ab. „Es gibt derzeit überhaupt keinen Kontakt“, sagte Knecht der Nachrichtenagentur dpa am Montag. „Der Feind im Schatten“ steht derzeit auf den Bestsellerlisten in Deutschland weit vorn.

Mit dem mürrischen Kommissar Kurt Wallander als Hauptfigur hat der Schwede eine Auflage von weit mehr als 40 Millionen geschafft und gehört damit zu den erfolgreichsten Krimiautoren der Welt. Die Serie ist zudem mehrfach höchst erfolgreich für Kino und TV verfilmt worden, zuletzt von der britischen BBC mit Kenneth Branagh in der Hauptrolle.

Ehe sich Mankell ab Ende der 60er Jahre als Buchautor und mit Regiearbeit am Theater versuchte, fuhr der Richtersohn aus Härjedalen für die schwedische Handelsmarine zur See. Zunächst schrieb er Bücher über die Arbeiterbewegung und arbeitete als Regisseur, Intendant sowie Autor an schwedischen Provinztheatern.

Noch vor dem ersten Wallander-Krimi 1991 machte Mankell Mosambiks Hauptstadt Maputo zu seiner zweiten Heimat. Hier lebt er bis heute im Wechsel mit Schweden und leitet das von ihm selbst gestartete Theater „Teatro Avenida“. „Ich weiß nicht warum, aber wenn ich in Afrika aus dem Flugzeug steige, habe ich das merkwürdige Gefühl, nach Hause zu kommen“, schreibt Mankell auf seiner Internetseite. „Ich habe mehr von der Welt verstanden, seit ich mit einem Fuß im Schnee und mit dem anderen im Staub lebe“, sagte er in einem Interview der „Times“. In dritter Ehe verheiratet ist der Vater von vier Kindern mit der Theaterregisseurin Eva Bergman, einer Tochter des 2007 gestorbenen Filmemachers Ingmar Bergman.

Die Leidenschaft für Afrika und die Menschen dort hat sich literarisch in Romanen wie „Der Chronist der Winde“ über das Leben und Sterben eines Straßenkindes niedergeschlagen. Über eine an Aids erkrankte Frau („Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt“) schrieb Mankell ein halbdokumentarisches Buch. Doch der weltberühmt und reich gewordene Krimi-Autor verfasst weiter auch Jugendbücher und Theaterstücke. In Stockholm betreibt er seinen eigenen Leopard- Verlag.

Den Weltruhm aber verdankt er vor allem den Krimis über den Fahnder aus Ystad. Ganz nebenbei bescherte er damit dem „wirklichen“ Ystad an Schwedens Südspitze einen Touristenboom. Immer wieder überschwemmen Scharen von Wallander-Fans den Ort auf der Suche nach den Schauplätzen der Romane.

Für den Roman „Der Feind im Schatten“ hatte Mankel nach zehn Jahren Pause sein Versprechen an sich selbst gebrochen, keinen zehnten Wallander-Krimi zu schreiben. Unbewältigte schwedische Konflikte aus der Zeit des Kalten Krieges hätten ihn dann ebenso wieder zum Schreiben gebracht wie der Kampf vieler Menschen jenseits der 60 mit Gedächtnislücken, erzählte Mankell. Der Kampf gegen ernste Demenzprobleme des gut 60-Jährigen Fahnders wird wichtiger als die Krimihandlung. Dem Autor aber bot sich so auch eine Gelegenheit zum Abschied: Aus Respekt lasse er seine Figur allein, schließe die Tür und verlasse das Haus, beschrieb es Mankell.


Vgl. auch den Text von Henning Mankell bei HINTERGRUND

„Von Apartheid gestoppt“

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