Kriege

Von der Ukraine zum Iran

Auf dem Weg in den dritten Weltkrieg?

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Foto: TheDigitalArtist; Quelle: Pixabay; Lizenz
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Am 9. März 2026 rief US-Präsident Donald Trump seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Moskau an, um zwei Themen mit ihm zu besprechen – den seit mehr als vier Jahre währenden Krieg in der Ukraine und den Krieg im Iran, den die USA und Israel am 28. Februar vom Zaun gebrochen hatten. Neben der Tatsache, dass die Initiative für das einstündige Telefonat von Trump ausgegangen war und das letzte Gespräch zwischen den beiden am 29. Dezember 2025 stattgefunden hatte, sind vor allem drei Aspekte hervorzuheben:

Erstens war das bisherige Thema Nummer eins – die Ukraine – zugunsten des neuen Krieges im Iran an die zweite Stelle gerückt; zweitens zeigt sich, dass der russische Präsident seine Position deutlich stärken konnte; drittens sind die neuen Gestaltungsmöglichkeiten Putins nur zu erklären, wenn die Verzahnungen beider Konflikte angemessen erfasst und begriffen werden. 1 Will man die Tiefe und Reichweite der Zäsur vom 28. Februar ermessen, die diesen drei Aspekten zugrunde liegt, führt kein Weg an einem Vergleich des neuen Krieges im Iran mit dem Ukraine-Konflikt vorbei.

Was ist neu?

In beiden Fällen handelt es sich um einen Abnutzungskrieg, wobei dieser Aspekt beim Iran schon wenige Tage nach Ausbruch des Krieges deutlich wurde, während diese Phase in der Ukraine erst nach mehreren Monaten begann. Die Eskalation des Krieges besitzt im Iran-Krieg von Anfang an eine größere Brisanz. Dies lässt sich anhand der Gefahr einer Ausweitung zu einem dritten Weltkrieg gut illustrieren. Diese ist in beiden Fällen vorhanden, wobei auch hier wichtige Unter- schiede zu beachten sind. Bei der Ukraine hat sich diese Gefahr schrittweise aufgebaut und war besonders in der Endphase der Biden-Administration akut. Mit der Übergabe des Präsidentenamtes an Donald Trump und seiner Ankündigung, den Ukraine-Krieg möglichst schnell durch Verhandlungen beenden zu wollen, rückte die Möglichkeit eines nuklearen Weltkriegs zunächst in den Hintergrund.

Erst mit dem Eskalationskurs der NATO-Europäer gegenüber Russland ist sie wieder gestiegen. Obwohl das Kräfteverhältnis eindeutig zugunsten Russlands ausfällt, stellt das irrationale Verhalten der transatlantischen Eliten Europas Moskau vor ein Abschreckungsdilemma. Da das »Trio Infernale« – der britische Premier Keir Starmer, der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz – trotz wiederholter Warnungen Russland weiterhin provoziert, steht die russische Führung vor dem Problem, wie sie dennoch eine glaubwürdige Abschreckung herstellen kann. 2

Ungeachtet dessen ist die Situation im Iran weitaus gefährlicher. Wenn ausgewiesene Experten wie Michael Hudson und Jeffrey Sachs im dortigen Konflikt den Beginn oder die Vorstufe eines dritten Weltkrieges zu erkennen glauben, dann sind diese Warnungen sehr ernst zu nehmen.3 Woraus ergibt sich diese Gefahr? Während ein regionaler Konflikt zwischen NATO und Russland im Fall der Ukraine zwar möglich, aber (noch) nicht ausgebrochen ist, stellt sich dies für Westasien anders dar: »Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran wurde 2026 faktisch zu einem regionalen Konflikt mit direkter Beteiligung einer Weltmacht und mit dem Risiko globaler Folgen.« 4

Ausschlaggebend für die unterschiedliche Eskalationsdynamik sind die Motive und der Charakter der Kriegsführung seitens der involvierten Nuklearmächte. Russland sieht im Krieg gegen die Ukraine den letzten Ausweg, um seine existenzielle Gefährdung durch die NATO-Ostexpansion abzuwehren, während die USA ihren Krieg gegen ein Land führen, das deren nationale Interessen in keiner Weise gefährdet.

Die USA: »toxischer Verbündeter«

Die Motive für die Entscheidung, einen neuerlichen Krieg gegen den Iran vom Zaun zu brechen, beruhen sowohl im Falle der USA als auch Israels auf der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und der Unterschätzung der Stärke des Gegners. Trump und Netanjahu glaubten mit einer kurzen Militäraktion den lang ersehnten Regimewechsel in Teheran herbeiführen zu können. Die Vernichtung von staatlichen Führern der Gegenseite und deren Täuschung durch Verhandlungen sind inzwischen zu Markenzeichen der US-amerikanischen und israelischen Kriegsführung geworden. Während Trump und Netanjahu ihren Krieg gegen den Iran mit der Ermordung des obersten religiösen Führers Ayatollah Ali Khamenei und zahlreicher Militärchefs eröffnet haben, hat sich Moskau trotz der zahlreichen Provokationen bisher eines ähnlichen Enthauptungsschlages gegen Kiew enthalten. Der Besonnenheit Russlands steht die Hybris der beiden westlichen Nuklearmächte USA und Israel gegenüber – ein Unterschied, der auf dem Weg zum dritten Weltkrieg über die Existenz der Menschheit entscheiden kann.

Von den massiven iranischen Gegenschlägen, die inzwischen zur völligen oder teilweisen Zerstörung der US-Militäreinrichtungen in der Region geführt haben, ist auch Israel hart getroffen und kann sich der aufeinanderfolgenden Wellen iranischer Drohnen und Raketen immer schlechter erwehren. Inzwischen sind auch wichtige Einrichtungen der Förderung und Verarbeitung von Erdöl und Erdgas zerstört. Die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel bis ein Viertel des globalen Öltransports gehen, ist faktisch geschlossen. Der anhaltende Widerstand des Iran hat nicht nur das Geschäftsmodell der arabischen Golfmonarchien zu Fall gebracht, sondern auch die Schwächen und Fallstricke eines Bündnisses mit den USA offengelegt. Statt des versprochenen Schutzes macht es die Verbündeten Washingtons zu Zielscheiben gegnerischer Angriffe, die die USA entweder nicht abwehren können oder es wegen der Priorisierung eigener Interessen nicht wollen. Wie auch immer: Die USA erweisen sich als »toxischer Verbündeter […] Sie missbrauchen ihre Verbündeten, ohne sie zu schützen. Sie bedenken nicht die Konsequenzen ihres Handelns.« 5

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PETER GÄRTNER ist promovierter Politikwissenschaftler mit den Fachgebieten Internationale Beziehungen, Globalisierung, Geopolitik, Energie- und Klimapolitik, indigene Völker. Er lehrt an der Universität Leipzig und ist auf Lateinamerika und die USA spezialisiert. Lehraufträge führten ihn an die Universitäten in Leipzig, Dresden, Jena, Wien und Havanna.

1 Zum Telefonat Trumps mit Putin vgl. Kremlin, »Commentary by Presidential
Aide Yury Ushakov on the telephone conversation between President of Russia Vladimir Putin and President of the United States Donald Trump«, March 9,
2026, 22:30, www.en.kremlin.ru/events/president/news/79294; sowie Ritter, Scott, »Trump bittet Putin um Ausweg aus dem Iran-Krieg«, 12. März 2026, https://www. youtube.com/watch?v=tAgW95GMv8g
2 Zum russischen Abschreckungsdilemma vgl. Karaganov, Sergey, »Middlegame and a Strategy fort he Day after Tomorrow«, in: Russia in Global Affairs, 16. Februar 2016, https://karaganov.ru/en/middlegame-and-a-strategy-for-the-day-after-tomorrow/
3 Vgl. Hudson, Michael, »Der Angriff auf Iran ist der wahre Beginn des Dritten Welt- kriegs«, https://uncutnews.ch/michael-hudson-der-angriff-auf-iran-ist-der-wahre- beginn-des-dritten-weltkriegs/; sowie Sachs, Jeffrey: »Am Anfang von Weltkrieg III – Trump scheitert im Iran«, https://www.youtube.com/watch?v=Svx_J0P7xzk
4 Trenin, Dmitri, »So hat sich der Charakter der Kriege der neuen Ära in letzter Zeit verändert«, 6. März 2026 (Original 5. März), https://globalbridge.ch/so-hat- sich-der-charakter-der-kriege-der-neuen-aera-in-letzter-zeit-veraendert/
5 Baud, Jacques, »Der Nahe Osten hat sich für immer verändert«, bei Dialogue Works, 10. März 2026, https://www.youtube.com/watch?v=pqcMgciUsnI

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