Innenpolitik

Guttenberg unter Plagiatsverdacht: Der Verteidigungsminister kämpft um seine Ehre

Von REDAKTION, 16. Februar 2011 –

Das Saubermann-Image des smarten Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bekommt immer mehr Risse. Nach diversen Missgeschicken und Skandalen im Zusammenhang mit seiner Amtsführung als Verteidigungsminister (Fernsehauftritt bei „Kerner“ in Afghanistan, Gorch Fock, geöffnete Feldpost) steht nun sein Ruf als Wissenschaftler auf dem Spiel, denn der schneidige Adlige mit den betont feinen Manieren soll bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben, ohne die betreffenden Passagen zu kennzeichnen. Entsprechende Vorwürfe machte am Mittwoch die Süddeutsche Zeitung (SZ) publik.

Guttenberg Kundus
Vorbei mit lustig? Nach den Plagiatsvorwürfen bekommt das Saubermann-Image des smarten Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) immer mehr Risse.

Die Doktorarbeit sei an mehreren Stellen „ein dreistes Plagiat“ und „eine Täuschung“, sagte der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano, der auch Vertrauensdozent der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung ist. „Die Textduplikate ziehen sich durch die gesamte Arbeit und durch alle inhaltlichen Teile.“ Er soll die Parallelen mit anderen Texten bei einer Routineprüfung entdeckt haben. Guttenberg erklärte dagegen der Zeitung: „Ich habe die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt.“ Außerdem teilte er am Mittwoch in Berlin mit: „Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus“.

Bei den Beschuldigungen geht es laut SZ um eine Textpassage aus einem Bericht der Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vom 22. Juni 2003, eine Passage aus einem Aufsatz des Politikwissenschaftlers Hartmut Wasser sowie eine weitere Passage aus der schriftlichen Fassung eines Vortrags des Politologen Wilfried Marxer am Liechtenstein-Institut von 2004.

Im Verteidigungsministerium werden die Vorwürfe sehr ernst genommen. Ein Sprecher sagte gegenüber dpa: „Diese Recherche wurde bereits an den Ombudsman für wissenschaftliche Selbstkontrolle der Universität Bayreuth übermittelt.“ Laut SZ prüft der Ombudsmann Diethelm Klippel in Bayreuth die Vorwürfe. Im schlimmsten Fall könnte Guttenbergs Buch vom Markt genommen werden, sagte Florian Simon, der Geschäftsführer des Berliner Verlag Duncker & Humblot, in dem die Dissertation in einer Auflage von 400 Exemplaren erschien.

Merkwürdig ist der Umstand, dass sich Guttenberg im Sinne einer vorsorglichen Gefahrenabwehr gegen Vorwürfe verwahrt, er habe die Dissertation nicht alleine geschrieben. „Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung“, verkündete der Minister und leistete dem Verdacht damit ungewollt selbst Vorschub.

Guttenberg wirbt auf seiner Webseite mit Werten wie Verantwortung und Vertrauen für sich. Der heute 39 Jahre alte CSU-Politiker hatte

Guttenberg Helm statt Doktorhut?
In Zukunft nur noch Helm statt Doktorhut? Die Frage ist, ob der Stuhl des adligen Strahlemanns im Verteidigungsministerium derart wackelt, dass seine forschen, medienwirksamen Auftritte am Hindukusch bald der Vergangenheit angehören.

seine Doktorarbeit 2006 an der juristischen Fakultät in Bayreuth abgegeben. Die Arbeit trägt den Titel Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU. 2007 wurde er mit der Bestnote summa cum laude zum Dr. jur. promoviert.

Während Doktorvater Prof. Peter Häberle den CSU-Politiker vor Plagiatsvorwürfen in Schutz nahm, findet die Schweizer Journalistin Klara Obermüller, bei der Guttenberg abgeschrieben haben soll, dessen Verhalten „nicht sehr ehrenhaft und eigentlich auch nicht sehr klug“. So etwas komme eigentlich immer irgendwann heraus, sagte die Autorin am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. „Ich scheine ja auch nicht die einzige zu sein, der diese Ehre widerfährt“, sagte sie. Wenn die kopierten Teile ein gewisses Maß überschreiten würden, „muss man sich natürlich auch auf akademischer Seite schon fragen, ob das dann noch einen Doktortitel wert ist“.

Bayerns SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher legte Guttenberg nahe, bis zur Klärung der Vorwürfe auf seinen Doktortitel zu verzichten. Der Medienwissenschaftler Stefan Weber sagte der Zeitung Die Welt: „Wenn noch circa fünf weitere Stellen dieser Art gefunden werden, dann muss Guttenberg meinen Erfahrungen nach der Doktortitel aberkannt werden.“

Ein solcher akademischer Ehrverlust würde die Glaubwürdigkeit des Ministers nachhaltig beschädigen und könnte seine rasante politische Karriere früher beenden, als es Guttenbergs Anhänger wahrhaben wollen.

Darin mag auch der Grund zu suchen sein, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) momentan eher abwartend verhält. „Die Bundeskanzlerin hat davon wie der Rest der Republik auch gerade erst erfahren, interessiert sich dafür und glaubt, dass es beim Ombudsmann der Universität Bayeruth in genau den richtigen Händen ist“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Es sei jetzt sinnvoll, „das Verfahren abzuwarten“.

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