Weltpolitik

Apple unter Druck: Sammelklage gegen Datenmissbrauch

Von REDAKTION, 28. April 2011 –

Das Softwareunternehmen Apple sorgte im Umfeld der Osterfeiertage mit einem hausgemachten Datenschutzskandal für reichlich Wirbel.

In der zweiten Aprilhälfte  war bekannt geworden, dass Apple-Geräte dauerhaft und kontinuierlich Informationen über die jeweiligen Aufenthaltsorte ihrer Nutzer speichern. Davon betroffen sind iPhones sowie iPads mit Mobilfunkverbindung, die mit Version 4 des Betriebssystems iOS laufen. Der Direktor des Informationszentrums für den Schutz der Privatsphäre (EPIC), Marc Rotenberg, erklärte der New York Times, mit der heimlichen Sammlung von Ortungsdaten werde eine Linie überschritten.

Zwei Kunden des Unternehmens zogen juristische Konsequenzen aus dem Vorgang. Sie reichten vor einem Bezirksgericht in Tampa (US-Staat) am 22. April eine Sammelklage ein. Die Kläger Vikram Ajjampur und William Devito forderten darin,  Apple die Sammlung von Ortungsdaten zu untersagen. Außerdem wollen sie den Kaufpreis zurückerstattet bekommen, weil sie in Kenntnis der Datenspeicherung die Produkte nicht erworben hätten.

Die technische Aufzeichnung der Ortungsdaten aus dem Mobilfunknetz soll Medienberichten zufolge vor einem Jahr begonnen haben, nachdem Apple sein Betriebssystems iOS aktualisierte, das das Unternehmen für seine mobilen Geräte entwickelt hat. Die Datenschützer Alasdair Allan und Pete Warden, ein ehemaliger Apple-Mitarbeiter, stellten die Praxis im kalifornischen Santa Clara auf einer Konferenz des Verlags O’Reilly über Lokalisierungstechniken vor. Warden stellte zudem eine Software namens iPhoneTracker bereit, mit der jeder iPhone- oder iPad-Besitzer die Speicherung der Ortsdaten auf einer Karte darstellen kann.

Allan und Warden erklärten auf einer eigenen Webseite, dass die Daten auf dem Computer des Nutzers gespeichert werden, sobald das iPhone oder das iPad mit Mobilfunk-Simkarte angeschlossen und mit der Software iTunes synchronisiert wird. Die Daten sind nicht verschlüsselt, sondern liegen offen in einem XML-Format vor.

Auch die US- Politik erhöht den Druck auf Apple und Google. Die beiden Unternehmen wurden für den 10. Mai zu einer Anhörung in einem Senatsausschuss geladen. Apple schweigt bislang zur massiven Kritik an seiner Praxis.

Beim Chaos Computer Club (CCC) in Berlin wird das mobile Internet schon lange skeptisch beäugt. Die Aufzeichnung von Ortsangaben der iPhone-Nutzer sei ein Weckruf, sagte Club-Sprecher Frank Rieger am Donnerstag vor Ostern. Dies zeige, „wie wenig wir unsere Mobiltelefone unter Kontrolle haben“. Bei der Erfassung und Speicherung von Ortsangaben bestehe vor allem das Risiko, das Telefon mitsamt den Bewegungsdaten zu verlieren. Auch könne sich ein Anderer Zugriff auf den Computer mit den Ortungsdaten verschaffen. Ermittler könnten womöglich einen Computer beschlagnahmen, um dann ohne Wissen des Betroffenen die Aufenthaltsorte zu analysieren. Das US-Blog CNET berichtete, Sicherheitsbehörden hätten die Datei schon länger bei Ermittlungen genutzt. Mehrere Software-Firmen böten bereits Analyse-Programme an, die auf diese Standort-Daten zugriffen.

Die Berliner Zeitung kommentierte den Datenschutzskandal am Osterwochenende: „Noch beherrschen iPhone und iPad den Markt. Noch. Die Saat des Niedergangs aber wird gewöhnlich auf dem Höhepunkt des Erfolges ausgebracht. Womöglich bald wird Apple merken, dass auch das beste Image beschädigt werden kann – und dann ist es meist zu spät für Korrekturen. Die Erfolgsgeschichte von Microsoft endete, weil der Konzern mit frappierender Arroganz die Sorgen seiner Kunden ignorierte. Apples Weg führt in diese Richtung.“

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