Wahlen

Überflüssige Spekulationen

Clinton-, Trump- und Brexit-Prognosen

Allmählich nervt es. In diesen Tagen wird viel spekuliert und prognostiziert, vor allem zum Brexit und wer die Wahlen in den USA gewinnt. Es ist ja richtig, dass sich durch den kommenden Austritt Großbritanniens aus der EU die politische Landkarte jetzt schon verändert hat, und es mag ja sein, dass die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten für die USA und die Welt günstiger wäre als die von Hillary Clinton – so neuerdings einige „Analysten“. Aber das bedeutet nun nicht, dass der sogenannte Brexit positiv zu werten sein könnte, wie hier und da zu lesen und zu hören ist, oder dass mir Trump in irgendeiner Weise sympathischer ist als Clinton, deren Vorname bezeichnenderweise in Killery verballhornt worden ist. Wer über sie und ihre bisherigen politischen Aktivitäten liest, gerät von einem Schrecken in den anderen (sehr informativ: Diana Johnstone, Die Chaos-Königin, Westend Verlag 2016).

Und Trump? Sein Anspruch „America first, America great …“, den er beispielsweise neben entlarvenden, zum Teil auch peinlichen Angriffen auf seine Konkurrentin in einer Rede ausbreitet, die am 22. Juni in dem US-amerikanischen Magazin TIME veröffentlicht wurde, dieser Anspruch ist vermessen und zeugt von den zur Genüge bekannten Omnipotenzfantasien, die schädlich und hochgefährlich für die ganze Menschheit sind. Wir singen aus gutem Grund schon lange nicht mehr „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt“.

Wie immer wir das drehen und wenden: Ich muss – nachdem Sanders aus dem Rennen ist – weder Trump noch Clinton wählen, geschweige denn einen von ihnen mögen. Zumal meines Erachtens von vornherein mit größter Wahrscheinlichkeit feststeht, dass Clinton die Wahl gewinnt. Ist doch bekannt, dass die Delegierten (Wahlmänner) aus etwa zwanzig US-Bundesstaaten gar nicht an das ihnen vorgegebene Votum gebunden sind, sondern machen können, was sie wollen. Und das bedeutet im Zweifel: Hillary alias Killery Clinton (die Pest), statt Donald Trump (die Cholera). Die Wahlen in den USA sind aufgrund des Systems alles andere als demokratisch, und die USA sind alles andere als eine Demokratie.

Und Brexit: Great Britain wird in der NATO bleiben und voraussichtlich noch mehr als bisher den Schulterschluss mit den USA suchen. Hillary Clinton wird an der Aggressionspolitik der USA und der von ihr dominierten NATO nichts ändern, im Gegenteil. Sie gehört seit Langem schon zu den Hardlinern und wird mit ihren Unterstützern aus dem „militärisch-industriellen Komplex“ – eventuell noch mit Hilfe Großbritanniens – das westliche Festlandeuropa weiter chaotisieren. Das lässt sich prognostizieren, ohne in die Schusterkugel zu schauen.

Ob eine Präsidentin Clinton Krieg gegen Russland führen wird, womöglich mit begrenzten taktischen Atomschlägen, aber ohne die „amerikanische Heimat“ zu gefährden (CSIS-Report vom Mai 2015) (1) , steht in den Sternen. Es wäre zwar Wahnsinn, aber auszuschließen ist in dieser Hinsicht gar nichts. Bekanntlich umgibt uns die reale Idiotie. Warten wir’s also ab. Da die maßgeblichen europäischen Politiker offensichtlich nichts taugen, bleibt uns nichts anderes übrig als gegen die menschenverachtende, menschheitsgefährdende Politik zu protestieren und darüber aufzuklären.


 

Anmerkung

(1) Dazu: Wolfgang Bittner, Die Eroberung Europas durch die USA, Westend Verlag 2015.

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