Weltpolitik

„Wir müssen hart durchgreifen“

In Kambodscha fordern Textilarbeiter höhere Löhne. Die Armee stoppt die Demonstration und schießt in die Menge, fünf Tote –  

Von REDAKTION, 03. Januar 2014 –

Es ist ein eindrucksvoller Streik. Rund 400 000 der etwa 650 000 Textilarbeiter Kambodschas befinden sich seit Ende Dezember im Ausstand, ein Großteil der Fabriken dieses Sektors sind geschlossen. Sie fordern eine Anhebung des Mindestlohns auf umgerechnet160 US-Dollar im Monat, derzeit liegt er bei 95.

Am Donnerstag griffen Soldaten eine Demonstration tausender Arbeiter an, schossen in die Menge. Die Protestierenden verteidigten sich mit Barrikaden, Steinen und Molotov-Cocktails. Mindestens fünf Menschen starben Angaben der Tageszeitung Cambodia Daily zufolge. Von Seiten des Militärs hieß es, man könne „ihnen nicht erlauben, die Straße zu blockieren.“ „Wir müssen hart durchgreifen“, so General Roth Srieng, einer der zuständigen Kommandeure der Militärpolizei.

Die Textilbranche gilt als eine der Haupteinnahmequellen für Devisen in dem verarmten Land. Der Sektor erwirtschaftet im Jahr mehr als 3,6 Milliarden Euro und macht damit 80 Prozent des Exportgeschäfts aus. Zahlreiche westliche Konzerne, darunter Levi’s, Walmart, Puma, Adidas und H&M, lassen hier produzieren. Im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern wie China, Indien oder Bangladesch, in denen die Produktionsbedingungen noch katastrophaler sind, ist Kambodscha zwar keiner der zentralen Standorte. Viele westliche Konzerne sehen hier aber Potential.

Weil sie unmittelbar die Interessen des westlichen Kapitals und der nationalen Eliten betreffen, ließ der autoritär regierende Präsident Hun Sen die Demonstration nun, nachdem die Arbeiter zwei Wochen friedlich und ohne Zwischenfälle protestiert hatten, von der Militärpolizei stoppen.  

Die Eskalation wurde indessen von der Opposition im Land verurteilt. Seitens des Parteienbündnisses CNRP, der Cambodia National Rescue Party, wurden geplante Gespräche mit der regierenden CPP abgesagt: „Unter diesen Umständen können wir nicht mit denen sprechen, die kambodschanische Bürger schlecht behandeln“, hieß es. Die kambodschanische Liga zur Durchsetzung und Verteidigung der Menschenrechte verurteilte den Einsatz des Militärs. Dies sei eine „beunruhigende neue Taktik“ der Behörden.

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