Kriegsberichterstattung

Die Ukraine – Opfer unserer Medien

Wie in jedem Konflikt versucht jede Kriegspartei, von der Richtigkeit ihres Handelns zu überzeugen. Das Problem ist, dass unsere Lesart des Ukraine-Konflikts seit 2014 ausschließlich auf der ukrainischen Propaganda beruht. Das führte Anfang 2023 zu widersprüchlichen Diskursen über ein Russland, das „verliert“, und eine Ukraine, die nicht „gewinnen“ kann. All das, was wir heute beobachten, war bereits im Juni 2022 vorhersehbar. Doch der Hass auf Russland und die Russen hat die Vernunft und den gesunden Menschenverstand erstickt.

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Der Blick, den westliche Medien auf den Ukraine-Konflikt werfen, ist oft verfälscht oder gefärbt.
Foto: spoilt.exile Lizenz: CC BY-SA 2.0, Mehr Infos

Im November 2022 behauptete der Journalist Jean-Philippe Schaller vom Schweizer Rundfunk RTS, dass „Wladimir Putin über bestimmte Verbindungen im Westen verfügt“, zu denen ich zusammen mit einem ehemaligen Geheimdienstdirektor und einem ehemaligen französischen Außenminister als Agent gehören würde[1]. Schaller ist ein Lügner, der auf diese Weise eine Verschwörungstheorie allein auf der Grundlage seiner Vorurteile aufstellt. Hätte dieser Journalist seine Arbeit ehrlich gemacht, hätte er festgestellt, dass ich für meine Bücher ausschließlich Informationen aus den USA, der Ukraine (aus Kiew) und der russischen Opposition verwende.

Doch selbst mit diesen Quellen erhalte ich ein ganz anderes Bild des Ukraine-Konflikts als das, welches unsere Medien bieten. Während der gesamten Ukraine-Krise haben unsere Medien die ukrainische Propaganda als Quelle verwendet. Selbst inoffizielle ukrainische Medien oder gar russische Oppositionsmedien werden ausgeschlossen, wenn sie ein differenzierteres Bild des Konflikts zeichnen.

Wer einige Wochen oder Monate später auf die Informationen unserer Medien über Russland zurückblickt, stellt fest, dass die überwältigende Mehrheit (ca. 90 Prozent) schlichtweg falsch war. Dies könnte mit dem „Nebel des Krieges“ erklärt werden, doch die Analyse zeigt, dass dies nicht der Fall ist, da die korrekten Informationen zum Zeitpunkt der Verbreitung durch unsere Medien verfügbar waren.

Westliche Hysterie

An dieser Stelle muss ich den Begriff „Falschinformation“ genauer erläutern. Denn die von unseren Medien vermittelten Informationen werden mit den Informationselementen, die einen bestimmten Diskurs unterstützen, neu zusammengesetzt, um ein falsches Bild zu vermitteln. Es lässt sich leicht nachweisen, dass Medien wie die Westschweizer RTS, die Zeitung Blick und sogar die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) diese Methode praktizieren, die technisch gesehen unter die Verschwörungstheorien fällt: das heißt, eine Verschwörungstheorie zu entwickeln.

Was beispielsweise die Atomwaffenfrage betrifft, habe ich in meinen Büchern nachgewiesen, dass Wladimir Putins Äußerungen systematisch auf westliche Drohungen folgten (darunter die frühere britische Außenministerin Liz Truss, die erklärte, sie sei bereit, eine „globale Vernichtung“ auszulösen[2]). Das „vergessen“ unsere Medien, um den Eindruck zu erwecken, Wladimir Putin habe seine Drohungen grundlos ausgesprochen.

Wie ich in meinen Büchern nachgewiesen habe, bestand die Politik unserer Medien nach meinen Beobachtungen darin, die Wahrnehmung des Konflikts zu polarisieren, indem sie den Hass auf die Russen maximierten. Das ging so weit, dass alles, was russisch war, ausgegrenzt und stigmatisiert wurde: Künstler, Kunstwerke, Sportler, Katzen, Bäume …

Die Hysterie, die im Westen zu beobachten ist und von unseren Medien propagiert wird, hat in Russland keine Parallele. Zum Beispiel weht die Flagge der Ukraine immer noch vor dem Gebäude der Parlamentarischen Versammlung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in St. Petersburg. Denn offiziell ist sie immer noch Teil der Organisation[3] und die Behörden haben sich dagegen gewehrt, dass sie durch die Bevölkerung entfernt wird[4]. Aber in Europa wurde die russische Flagge von den Olympischen Spielen[5], den Australian Open[6], der Schachweltmeisterschaft[7], dem Europarat[8] und vielen anderen entfernt.

Medien als Propagandawerkzeuge

Im Jahr 2016 gründete die britische Regierung die Integrity Initiative (II), eine Organisation, die gegen russische Desinformation vorgehen soll. Ein Dokument der Initiative, datiert vom Juni 2018, stellt fest[9]:

Ein weiteres Hindernis bei der Bekämpfung von Desinformation ist die Tatsache, dass einige der vom Kreml unterstützten Erzählungen faktisch wahr sind […]. Auf unbequeme Wahrheiten zu reagieren, ist im Gegensatz zu reiner Propaganda natürlich problematischer.

Unsere staatlichen und öffentlich-rechtlichen Medien sind zu Propagandawerkzeugen geworden, die Behauptungen aufstellen, ohne jemals etwas zu überprüfen oder zu belegen. Dies gilt auch für die Vergewaltigungen, die angeblich von russischen Truppen begangen wurden. Wie in allen Kriegen gab es sicherlich Vergewaltigungen durch Militärs auf beiden Seiten. Anfang April 2022 kam es jedoch zu einem plötzlichen Anstieg derartiger Anschuldigungen. Sie stammen von Ljudmyla Denissowa, der ukrainischen Kommissarin für Menschenrechte[10]. RTS berichtete über diese Vergewaltigungen und betonte, dass sie „Teil des russischen Kriegsarsenals“ seien[11].

Die ukrainischen Medien berichteten jedoch einige Wochen später, dass alles falsch ist. Ljudmyla Denissowa wurde auf Beschluss des ukrainischen Parlaments entlassen, weil es für ihre Anschuldigungen keine Beweise gab und ihre Behauptungen dem Ansehen der Ukraine schadeten, wie die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform berichtete[12]. Dies hinderte das Online-Magazin Watson.ch jedoch nicht daran, die Geschichte aufzugreifen, wobei natürlich die Vorbehalte im Zusammenhang mit dem Fall Denissowa ausgelassen wurden[13]. Offensichtlich sind die Ukrainer ehrlicher als unsere Journalisten, die lügen und versuchen, Hass zu verbreiten!

Weiterlesen:

Dieser Artikel ist Teil eines längeren Beitrages von Jacques Baud aus Hintergrund – Das Nachrichtenmagazin 1|2 / 2024. Sie können das Heft bestellen – HIER oder im Handel kaufen – HIER.

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Quellen:

[1] https://youtu.be/bEv4-IJsl9k?t=414

[2] https://www.independent.co.uk/news/uk/politics/liz-truss-nuclear-button-ready-b2151614.html; https://youtu.be/IvH7cgbdazU

[3] https://iacis.ru/novosti/mezhparlamentskaya_assambleya/o_gosudarstvennih_simvolah_stran_vhodyashih_v_mpa_sng

[4] В России не поддержали сорвавших украинский флаг возле штаб-квартиры МПА СНГ, Lenta.ru, 16. April 2023 (https://lenta.ru/news/2023/04/16/nosupport/)

[5] https://www.blick.ch/fr/news/france/avis-a-poutine-et-au-cio-pourquoi-macron-veut-bannir-le-drapeau-russe-des-jo-de-paris-id18918407.html

[6] https://www.leparisien.fr/sports/tennis/lopen-daustralie-interdit-les-drapeaux-russes-et-belarusses-17-01-2023-SQXZDXTIKBAU3GCWFKEGWQANZA.php

[7] https://information.tv5monde.com/international/mondiaux-dechecs-pourquoi-les-russes-nont-pas-le-droit-darborer-leur-drapeau-35973

[8] https://www.dna.fr/politique/2022/03/16/le-drapeau-russe-descendu-de-son-mat-au-conseil-de-l-europe

[9] Upskilling to Upscale: Unleashing the Capacity of Civil Society to Counter Disinformation, Final Report, Juni 2018, S. 55 (paragraphe 5.3).( https://www.pdf-archive.com/2019/03/22/untitled-pdf-document-1/)

[10] https://www.francetvinfo.fr/monde/europe/manifestations-en-ukraine/guerre-en-ukraine-apres-le-massacre-de-boutcha-les-temoignages-glacants-des-victimes-de-viols-commis-par-l-occupant-russe_5145007.htm

[11] https://www.rts.ch/info/monde/13005321-les-viols-de-civils-font-partie-de-larsenal-de-guerre-russe-en-ukraine.html

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[12] https://www.ukrinform.fr/rubric-ato/3496821-la-commissaire-aux-droits-de-lhomme-ukrainienne-demise-de-ses-fonctions.html

[13] https://www.watson.ch/international/interview/389713480-russische-soldaten-drohen-ukrainern-mit-vergewaltigung

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